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Das Zeitalter der EntdeckunAeu.
Von Prof. Dr. S. Günther in München. Mit einer Weltkarte. Geh. 1 Mk., geschmackvoll geb. 1.25 Mk. Verlag von
B. G. Teubner, Leipzig.
Wenig Zeitalter dürfen heute, wo kühne Forschungsreisen unsere Teilnahme und Bewunderung immer aufs neue erwecken, wir immer lebhafteren Anteil an der Nutzbarmachung neuer Entdeckungen nehmen, wohl in weiteren Kreisen auf so lebhaftes Interesse rechnen, wie das Entdeck- ungszeitalter. Um die Bedingungen, unter denen die ersten Entdecker an ihre Ausgabe herantraten, klar vor Augen zu stellen, wird zuerst eine Uebersicht über den geographischen Wissensstand des Altertums und Mittelalters gegeben und gezeigt, wie die ganze Weltanschauung durch die Enge des geographischen Gesichtskreises bedingt war und mit dessen Erweiterung — durch die Kriege Alexanders, durch die römische Weltherrschaft, durch die Kreuzzüge, durch Missions- und Handelsreisen — eine andere und umfassendere ward. Tie fünf weiteren Abschnitte behandeln dann das Entdeckungszeitalter im engeren Sinne, von dem Auftreten Heinrichs des Seefahrers, des ersten zielbewußten Organisators der Entdeckungsarbeit bis zu den Bestrebungen der germanischen Völker, um Asien oder Amerika herum einen neuen Seeweg nach Indien zu finden; die Auffindung des Weges um das Kap der guten Hoffnung und die Begründung der Portugiesischen Kolonialherrschaft in Asien, sodann die Fahrten des Columbus, die Erdumsegelung von Magalhaes, die Entdeckungen und Eroberungen der Spanier in Süd-, Mittel- und Nordamerika und endlich das Hervortreten der französischen, britischen und holländischen Seefahrer. Ueberall werden dabei die neuesten Fortschritte der geschichtlichen Forschung und die Leistungen der Gelehrten berücksichtigt. So wird die vorliegende Schilderung vielfach willkommen sein.
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Die Obsternteaussichten Deutschlands für dieses Jahr sind im großen Durchschnitt nicht ungünstig. Der praktische Ratgeber im Obst- und Gartenbau hat auf Grund von 519 Berichten aus seinem Leserkreis festgestellt, daß Aepfel und Birnen nur mittlere Ernten geben, und zwar Birnen noch geringer als Aepfel. Steinobst, Kirschen, Pflaumen und Zwetschen lassen bessere Ernten, wie voriges Jahr erwarten, auch Nüsse sind besser. Sehr voll hängt alles Beerenobst, sogar Erdbeeren haben trotz des sehr großen Frostschadens recht gute Ernten geliefert. Für das Großherzog tu m Hessen insbesondere gestalten sich die Aussichten für Aepfel und Birnen bedauerlicherweise, wie überall, nur gering, dagegen läßt Stein- und Beerenobst gute Ernten erwarten. Sollte sich jemand noch eingehender für die Obsternteaussichten interessieren, so kann er die betreffende Nummer des praktischen Ratgebers vom Geschäftsamte zu Frankfurt a. O. umsonst erhalten.
Frische Buttermilch wird als diätetisches Mittel vielfach empfohlen bei Hartleibigkeit, Magengeschwür, Appetrtmangel, Magenkatarrh, Blaseyentzündung, Ruhr, Wechselfieber u. s. w. Die Buttermilch ist nicht allein nahrhaft und leicht verdaulich, sondern es wirkt auch die darin enthaltene Milchsäure offenbar günstig auf den Körper ein.
Tas Geisblatt (Lonicera caprifolium) mit seinen wohlriechenden weißlich-gelben Blüten und seinem nahezu immergrünen Laubwerk kommt in den hochgelegenen Wäldern Nordwest-Deutschlands vielfach wild vor, erscheint aber besonders massenhaft in den Hecken der Limburger Wicsenflüchen, in der Nord-Eifel und im belgischen Gebiete, wo. es üppig zwischen den Haselstauden, Stechpalmen Zaunrüben usw. wuchert, und in seinem langdauernden Biütenreichtum einen reizenden Anblick gewährt." Das Geisblatt eignet sich auch vorzugsweise zur Bekleidung von Lauben, rauhen Wandflächen, Pfeilern und dürren Bw'm- stammen. Die Vermehrung und Bewurzelung durch Ableger und Stecklinge macht keine besondere Schwierigkeit- ernmal angewachsen, ist es durchaus winterhart und widerstandsfähig. Außer diesem wilden europäischen Capri
folium giebt es aber noch verschiedene kultivierte Sorten, die zu dem vorerwähnten Zwecke vielleicht noch besser verwendbar sind. Es kommen darunter rankende Arten vor, wie Lonicera japonica und die schöne scharlachrot blühende Lonicera sempervirens. Zu den besten strauchartigen Sorten gehören Lonicera fragrantissima aus China und Lonicera katarica, letztere in zwei Arten, mit weißen und mit rosafarbigen größeren Blüten. Ag.
Alte seidene Halstücher. Seidene Halstücher, welche zum „Staat" etwa nicht mehr brauchbar sind, sollte man niemals fortwerfen. Wer Halstücher,, sogenannte Nachttücher, im Bett zu tragen gewohnt ist, kann sich viele Wäsche ersparen, wenn er hierbei alte seidene, Cachenez aufträgt, die sich zudem sehr gut waschen. Auch in Krankheitszeiten geben sie als äußere Hülle für einen, Priesnitz- umschlag um Hals, Fuß oder Arm der Wolle nichts nach. Ganz besonders brauchbar habe ich sie jedoch als Staubtücher gesunden. Nichts ist so geeignet, die Politur zu schonen, als ein altes, weiches Seidentuch. Die ordentliche Hausfrau hat gern ein solches Tüchleiu neben sich liegen, wenn sie an der Handarbeit oder beim Lesen ist. Schnell ist mit demselben ein etwa übersehenes Stäubchen weggenommen — und dabei sieht es nicht einmal unordentlich aus, wenn auf Ihrem Platze ein buntseidenes Tuch liegt, was bei einem gewöhnlichen Wischtuche doch immer der Fall sein würde. Lonny.
„Praktischer Wegweiser", Würzburg.
VexmißehLes.
Geschäftskniffe in der „guten ulten Beit".
Im Zeitalter des „Geschäfts" um jeden Preis dürfte es von hohem Interesse sein, zu sehen, wie auch „bte guten Alten" zu schwindeln, und ein Profitchen zu machen wußten. Eine Schrift vom Jahre 1468, welche betitelt ist: „Allerhand Hantirungen fir junge Leite, so sich der Stornieret, und Handl befleißigen tun bei Kauf, Verkauf und Tausch, bei Hauh und Jarmark" enthält folgende Ratschläge für Krämer und deren Lehrlinge und Gehilfen: Reguln: Frumbhait ist die erste tugendliche Aigenschaft eines Krämers, doch hast Tu auf Dein Nutztheil zu hantiren. Bei Maß und Gevichst sain allerhand Kunst zu machen, wan Du fir 2 Pfennige Kimmel meßen tust, halte das Mäßlein fein krump, als hettest Du das Reißen in Deiner Hand, mit der andern Hand fille ain, und es fol ist stirze es der Kunde im Topf. — So Du Honig aus die Wag gibst, gebe Steine als Gevicht so, daß Dein Töpflein tiefer steht, sonst hast Du kam Gevin. — Wiegest Du mit der Hantwage Pfeffer über 3 Pfennige, so schnelle mit dem langen Finger der linken Hand das Zingelein so, daß man glauben thut, es ist mehr als man verlangt. — So Du eine Elle Hanf- bendelein oder Waiszeug messen tust, so halte den Daum der rechten Hant mit der Flaischiseite auf das Bändelem, beim abschneiden aber überbiege Tein Taumlern bis zur Nagelwurzel, so gewinnest Du bei jeder Elle eine Nagel- länge. — So Du Baumehl meßest, tuhe das Ziment lange abtraufen laßen, geuße aber schnell das Ehl in Deiner Kunde Töpflein, und henge Dein Zimentletn tm Stander, w wirst Du zu was Bornen. — Ist Dir an eine Kundin was gelegen, so mache Dich gefelig, sage daß sie schönlarbrg sehn und Du vollgesallen an ihr findest, sie wird geblendet fehlt, und kannst auf vortailhaften Verkauf sicher sehn, auch wenn die Waiber häßlich uud narbig sind tuhe ihnen schon, es priugt Nutz.
Ergänzuugsräisel.
Nachdruck verboten.
(Statt der Punkte sind die fehlenden Konsonanten zu setzen.)
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(Auslösung in nächster Nummer.)
Auslösung de!» Wi'wäisel-t in vor. Nr.: Friedrich.
Redaktion: E. Burkhardt. — Druck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei (Pietsch Erben) in Gießen.


