Ausgabe 
21.7.1901
 
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O, des Burggrafen gnädiges Fräulein Tochter wird uns schon beschützen, wenn etwas heranskommt", tröstete der andere.

Im Hausflur war inzwischen des Burggrafen reizendes Töchterlein vor den Leutnant getreten, und blickte ihn schelmisch an, der junge Offizier schlang sofort seine Arme um sie, und rief stürmisch :

Meine schöne Henriette!" Danach gab es von neuem einen Widerhall in dein alten Gange; doch diesmal kam derselbe nicht von den Soldaten, sondern von den zärt­lichen Küssen der Liebenden.

Sie befreite sich endlich aus seinen Armen, und ordnete mit geröteten Wangen ihr reiches blondes Haar. 'Tabei sprach sie mit leisem Vorrwurf:

Du leidenschaftlicher Mensch! Bei meinem Vater darfst Tu aber nicht so keck auftreten, sonst wird nichts aus unserer Heirat, gar nichts. Tu mußt Dich sehr beherrschen, Hans, und um Gottes Willen nichts von Politik und dem jetzigen Kriegszustand reden! Gteb dem Vater in allen Dingen recht, hörst Du, Liebster?"

Ja, mein Liebling! Ich werde immer an Dich denken, und dann gewiß keine Thorheiten begehen!" erwiderte der Offizier. Noch einmal gab es ein höchst verdächtiges Geräusch in dem alten Schlosse, dann führte Henriette von Bossenheim den Geliebten in den ersten Stock, wo ihn ein Diener dem Burggrafen anmeldete.

Als Hans in das geräumige Eckzimmer trat, stand der Burggraf, Herr Waltbott von Bossenheim, regierender Graf von Hegbach, unmutig auf, begrüßte kurz den Besuch, und forderte ihn auf, Platz zu nehmen. Der alte Herr war nicht allein, es befand sich bei ihm der Befehlshaber der militärischen Streitkräfte der Burg, der Burghauptmann Marquard, ein sehr kriegerisch aussehender Herr, der sich jetzt durch eine Seitenthüre mit kurzem Gruß entfernte.

Hochverehrter Herr Burggraf", begann Hans.Mein Oheim, der auch das Glück und die Ehre hat, Ihr Ver­wandter zu sein, der Herr landgräflich hessische Zivil-Kom­missär, Regierungsrat du Thil, läßt Eure Hochgeboren schönstens grüßen".

Tanke", brummte der Graf.Und was wollt Ihr weiter; denn wegen des Grußes von meinem Vetter seid Ihr doch nicht hierhergekommen?"

Nein. Ich bin gekommen, Sie, Herr Burgraf, recht sehr und unterthänigst um die Hand Ihrer Tochter Hen­riette zu bitten."

Daraus wird nichts!"

So?! Es ist dem Herrn Burggrafen aber doch be­kannt, daß Henriette und ich uns lieben, und deshalb"

Nein, nein! Hier spielen wichtigere Tinge mit, wes­halb ich Euch meine Tochter nicht geben kann!" unter­brach ihn erregt der Alte.Sergeant Kreß, das alte Schaf, hätte Euch gar nicht zu mir herauf schicken sollen. Ich muß Euch abweisen, verstanden? Aus der Heirat kann nichts werden, und damit basta!"

Zerstören Sie nicht unser Glück, teurer Herr Burg­graf!" flehte Hans.

Da wurde der Alte heftig.

Man will ja auch mein Glück zerstören! Und Ihr seid ein Offizier der Hessen-Darmstädter, und gehört des­halb zu meinen Feinden, und zu den Feinden der Burg Friedberg, welche ich die Ehre habe als Burggraf zu ver­walten, und zu befehligen!"

So geben Sie doch nach in diesem Streite, und treten Sie freiwillig mit allen Burgmannen zu Hessen-Darmstadt über!" entfuhr es Hans unbedacht.

Nun hatte er alles verscherzt.

Tas ist unverschämt, mir das zu sagen!" rief der Alte zornig, und mit blitzenden Augen.Euer Fürst hat überhaupt kein Recht, die Uebergabe zu verlangen! Die Rechte und Privilegien der Burg Friedberg, welche uns die römischen Kaiser seit 1219 verbrieft haben, und immer wieder erneuerten, sind mehr wert wie Euer ganzes Land! Aber trotzdem hat man diese unveräußerlichen und heiligen Rechte der Burg nicht respektiert; denn am 10. Dezember des vorigen Jahres ließ Eure Regierung an den Mauern der Burg Plakate anschlagen, mit der Aufforderung zur Uebergabe! Doch ich werde mich nicht ergeben, und jeder Gewalt trotzen bis zum letzten Atemzug!"

Unter diesem Streite sollte unsere Liebe nicht leiden!" bat der junge Offizier.

Solange der Streit dauert, habt Ihr jeden Gedanken an meine Tochter aufzugeben! Ich habe mich beim Kaiser wegen Landfriedensbruch beschwert, und auch an das hohe Reichs-Kammergericht eine Schrift gesandt. Ich erwarte ein Reichs-Hofrats-Dekret."

Tie Urteile des hohen Reichs-Kammergerichts lassen meistens sehr, sehr lange auf sich warten",' meinte Hans beklommen.

Ja, der letzte Prozeß, den die Burg führte, dauerte genau hundert Jahre."

Und so lange soll ich noch mit meiner Liebe warten?!" rief Hans entsetzt.

Allerdings", erwiderte der Alte spöttisch.

Hundert Jahre! Da leben wir ja wahrscheinlich gar nicht mehr!" brauste der Verliebte aus. Bei dieser schreck­lichen Vorstellung an die hundertjährige Wartezeit vergaß er die Ermahnung Henriettens, und fuhr den Burggrafen hart an:Das ist ein furchtbares Unrecht von Ihnen, uns hundert Jahre warten zu lassen! Das ist grausam! Das sind Höllenqualen! Das ist noch nicht da gewesen!"

Oho, junger Mann! Ich glaube gar, Ihr wollt mir Vorwürfe machen! Merkt Euch: Hier auf der Burg Friedberg habe ich allein zu befehlen!"

Wenn Sie so hartherzig sind, und mir Henriette nicht gleich geben wollen, dann soll lieber diese ganze Burgherrlichkeit zu Grunde gehen!"

Verruchter! Ich lasse'Euch einsperren! Jetzt kriegt Ihr meine Tochter überhaupt nicht!"

Tann hole ich sie mir mit Gewalt!"

Tas versucht nur!" höhnte der Burggraf.Diese kaiserliche und des heiligen römischen Reichs Burg Fried­berg wird nur mit der Vernichtung des ganzen Reichs untergehen, eher nicht! Noch kein Feind hat diese Burg jemals eingenommen, und lommt Ihr mit Gewalt, so wisset, wir sind bereit und gerüstet, Eure Angriffe siegreich ab­zuschlagen' Schaut diese Papiere dort auf dem Tische, sie enthalten den Plan zur Verteidigung der Burg; soeben habe ich noch! einmal alles mit meinem Burghauptmann abgesprochen. So, das meldet Eurem Fürsten, wenn er Lust hat, sich den Kopf an den harten Mauern der Burg ein­zurennen !"

m Der hessische Offizier blickte nach; den Papieren und Plänen, und lachte spöttisch, das empörte den Alten vollends, und er rief leidenschaftlich:

Verlaßt mich augenblickliche und dankt Gott, daß ich Euch nicht in das Gewölbe des Adolfsturmes werfen lasse! Meine Tächter vermähle ich niemals mit Euch! Und wenn Ihr die ganze Welt zum Angriff gegen mich hetzt; tot könnt Ihr meine Tochter haben, lebendig nie!"

Hans stürmte hinaus. Unten im Gange stand Henriette.

Ihr habt so laut gesprochen, was ist passiert?" fragte sie erregt.

Nach hundert Jahren dürfen wir uns heiraten, vorher kann ich Dich tot haben, lebendig nie! Lebe wohl, Ge­liebte, jetzt kommt der Ernst, der Kamps, die Schlacht!"

Er umschlang und küßte sie stürmische, dann eilte er hinaus, wo ihn die beiden Burgsoldaten wieder in ihre Mitte nahmen, und aus der Burg führten, nachdem Ser­geant Kreß dem aufgeregten Offizier den Degen ausgeliefert hatte.----- >

(Fortsetzung folgt.)

Das mgesprochene Wort.

Von H. Spvnt.

(Nachdruck verboten.)

Der Spitzenschleier dämpfte das Licht der großen Hänge­lampe und erhellte nur zum Teil den behaglichen Raum, der so recht zum . Plaudern geschaffen sien. Von allem Möglichen hatten sie gesprochen, vom Meeresstrand und den. Bergen, und in alles hatte sich die Freude des Wiedersehens gemischt. Endlich sagte Frau Rittner halb fragend :Nun, Philipp, Du hast schöne Ferien berbracht, Du hast mit Be­geisterung von dem Sommeraufenthalt und von den herr­lichen Herbsttagen erzählt, aber Du hast mir sicherlich nicht alles gesagt, was. Du auf Deiner Reise erlebt hast."