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erarmtes Herz, dem nichts die Welt beschert! O reiches Herz, das nicht nach ihr begehrt! Es gleicht das Herz der Urne des Brahminen, Der bettelnd bei den Reichen eingekehrt.
Sie brachten Edelsteine, Gold und Früchte, Und haben prahlend manchen Schrein geleert. Doch füllt sich das Gefäß nicht bis zum Rande, Mit allen Schätzen dieser Welt beschwert, Bis eines Kindes reine Hand die Gaben Um einen Lotosstengel nur vermehrt.
So bleibt stets ungesättigt heil'ge Sehnsucht, Ob ihr das Reichste diese Welt gewährt;
Indes ein Frühlingshauch, ein Bild, ein Lächeln Die Seele füllt, als hält' sie nie entbehrt.
Hieronymus Lorm.
(Nachdruck verboten.)
Die Göttin des Glücks.
Roman von Reinhold Ortmann.
(Fortsetzung.)
Sie hatte es geduldet, daß er sie zärtlich auf beide Wangen küßte, aber sie war offenbar viel weniger bewegt als er.
„Natürlich habe ich Dir diese Mitteilung unter dem Siegel der tiefsten Verschwiegenheit gemacht, Bernhard! Tenn ich- habe Harro bis jetzt noch keine bestimmte Antwort gegeben, und ich weiß nicht einmal, ob es schon morgen oder in den allernächsten Tagen geschehen wird."
„Aber wenn Du doch, wie es scheint, entschlossen bist, ja zu sagen, weshalb schiebst Du es dann hinaus — sicherlich zur Qual des armen Jungen?"
. „Ah, seine Qual wird so unerträglich nicht sein. — Du bist also von der Beweiskraft dieses Briefes überzeugt, Bernhard?"
„Wenn er echt ist — und er muß echt sein — unbedingt!"
„Ter Anspruch der Restorpschen Erben muß Deiner Meinung nach anerkannt werden — sei es nun durch einen Vergleich oder auf dem Prozeßwege? Es scheint Dir ganz und gar unmöglich, daß er dennoch abgewiesen werden könnte?"
„Ich halte es für unmöglich. Aber ist das vielleicht die Antwort auf meine letzte Frage?"
„Wenn Du es dafür nehmen willst — meinetwegen!" „Tas heißt, es war diese Aussicht auf eine Million,
die den Ausschlag gegeben hat für Deine Entscheidung auf Harros Werbung?"
„Und wenn es sich so verhielte, würdest Du es tadeln?"
„Ich würde es beklagen, Hanna! Ein Mann wie Harro hat Anspruch darauf, um anderer Vorzüge als um des Geldes willen geliebt zu werden."
„Es ist auch nicht das Geld allein, das mich bestimmt. Ich glaube, daß er das Zeug hat, ein berühmter Künstler zu werden, vorausgesetzt, daß er jemanden findet, der ihn dazu macht."
„Und dieser jemand, — Tu willst es ihm sein?"
„Ja — ich ! Aber er ist ein großes Kind, und wie ein Kind muß er behandelt werden. Darum will ich freie Hand haben, ihm von seinem Glücke Mitteilung zu machen, wann und wie es mir zweckmäßig erscheint. Du darfst meine Absichten da nicht durchkreuzen, Bernhard!"
„Ich denke natürlich nicht daran. Aber mit Georg von Restorp darf id), doch morgen reden?"
„Gewiß. Nur möchte ich wünschen/ daß es in meinem Beisein geschieht. Am besten bestellst Du ihn wohl zu morgen nachmittag hierher in Dein Bureau. Seine schwachmütigen Damen erfahren die große Veränderung immer noch früh genug, wenn Eure Entschlüsse gefaßt sind."
„Gut. Ich füge mich auch darin Deinem Willen. Denn da Herr von Restorp und Harro Dir allein ihr Glück zu danken haben werden, müssen wir Dir wohl erlauben, auch weiter ein wenig Vorsehung zu spielen."
Er verwahrte den entscheidungsschweren Brief wie die übrigen Schriftstücke in dem diebes- und feuersicheren eisernen Wandschrank, den schon sein Vorgänger hier hatte anbringen lassen. Als er die mit schweren Stahlplatten belegte Thür ins Schloß geworfen hatte, reichte ihm Hanna die Hand.
„Gute Nacht — ich bin müde. Auf morgen also! Und es wird in dieser Sache nichts geschehen, ohne daß ich davon weiß — Tu versprichst es mir ausdrücklich, Bernhard?"
„Ich verspreche es Dir, Schwesterchen! Mit unserer Mascotte, unferm Glücksengel dürfen wir es doch unmöglich verderben."
Sie trennten sich^ und als Hanna Sylvander in ihrem Zimmer stand, breitete sie wieder mit einem tiefen Aufatmen die Arme aus wie an jenem Abend, da sie ihrem Bruder gesagt hatte, daß es für sie nichts größeres und köstlicheres gebe als das Bewußtsein, zu herrschen. Und in ihren Augen war ein Leuchten, als sähe sie schon greifbar nahe alle die Herrlichkeiten vor sich, nach deren Genuß ihre Seele in heißem Verlangen dürstete.
Achtes Kapitel.
„Fräulein von Restorp läßt fragen, ob sie den Herrn Rechtsanwalt auf einen Augenblick sprechen könnte."


