Ausgabe 
19.5.1901
 
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-figiu feuchter Frühlingsabend, Wie hab' ich dich so gern

Vs£$v Der Himmel wolkenverhangen, Nur hier und da ein Stern.

Wie leiser LiebeSodem

Hauchet so lau die Luft;

Es steigt aus allen Thaleu Ein warmer Veilchenduft.

Ich möcht' ein Lied ersinnen,

Das diesem Abend gleich, Und kann den Klang nicht finden, So dunkel, mild und weich. Geibel.

(Nachdruck verboten.)

Die Göttin des Glücks.

Roman von Reinhold Ortmann.

(Fortsetzung.)

Nach dem Abendessen pflegte Hanna sich auch jetzt noch in ihr trauliches Arbeitsstübchen zurückzuziehen; aber auf die Frage des Bruders, ob sie sich denn noch immer mtt dem unfruchtbaren Studium von Dietrich von Restorps nach­gelassenen Papieren beschäftige, hatte sie leichthin erwidert, daß sie nur gelegentlich einen Blick in dieses oder jenes Briefbündel werfe.

Nun siehst Tu!" meinte er darauf lachend.Ich wußte es ja, daß Tu den Mut verlieren würdest. Man muß die Geduld eines Engels oder meiner Inge haben was für mich natürlich dasselbe ist um diese Riesen­arbeit zu bewältigen."

Harro Boysen war in den acht Tagen, welche dre ^rtz- ungen in Professor Herbolds Atelier nun bereits währten, nicht ein einziges Mal bei den Geschwistern erschienen. Und Bernhard, der nicht ahnen konnte, daß er aus Hannas ausdrückliches Gebot fernblieb, äußerte wiederholt seine Ver­wunderung über dies wenig freundschaftliche Verhalten. Tie Antwort seiner Schiwester bestand dann gewöhnlich nur - in" einem gleichgiltigen Achselzucken oder in der lässig hin- v geworfenen Bemerkung, daß Harro wahrscheinlich seinem - kranken väterlichen Freunde und dessen Tochter Gesellschaft leisten werde.

Es ist also doch nichts zwischen den beiden", dachte der Rechtsanwalt in solchen Augenblicken, und er war dessen im Grunde recht froh; denn wie herzlich er auch den Freund und die Schwester liebte, als ein zu einander passendes Paar wollten sie ihm doch durchaus nicht erscheinen.

Wieder hatte er sich heute nach seiner Gewohnheit, die stillen Abendstunden zur Arbeit zu benutzen, vor den Schreibtisch gesetzt, und er war eben im eifrigsten Studium eines geringfügigen, aber äußerst verwickelten Rechts­handels begriffen, als Hanna in der Thür erschien.

Störe ich Tich?" sagte sie, um dann, noch ehe er antworten konnte, hinzuzufügen,aber das ist eine über­flüssige Frage, denn Tu müßtest dies hier lesen, auch wenn Tu darum die allerwichtigste Arbeit zu unterbrechen hättest. Ich habe das Blatt soeben unter Dietrich von Restorps Papieren gesunden."

Sie näherte sich seinem Schreibtisch, und das Licht der Studierlampe fiel voll auf ihr Gesicht, in dessen Zügen vielleicht eine- gewisse Spannung, doch nichts von einer ungewöhnlichen Erregung zu lesen war. Bernhard glaubte denn auch keineswegs an eine Entdeckung von besonderer Wichtigkeit und sagte, indem er das dargereichte Papier aus ihrer Hand entgegennahm, halb im Scherz:

Also doch ein Fund ? Nun, wenn er zwei Millionen wert ist, darfst Tu Dich jedenfalls auf eine hübsche Be­lohnung gefaßt machen."

Lies!" sagte sie nur, und trat einen Schritt zurück, sodaß ihr Gesicht jetzt im Halbschatten war. Der Rechts­anwalt aber kam ihrem Verlangen nach und las:

Seiner Hochwohlgeboren

Herrn Freiherrn Dietrich von Restorp Königsberg.

In ergebener Beantwortung Ihres gefälligen Schrei­bens vom gestrigen Tage muß ich zunächst auf das Be­stimmteste wiederholen, daß ich mich zu meinem Bedauern nicht in der Lage sehe, Ihren Besitzanteil an den von uns gemeinsam erworbenen Ländereien bei Salzbergen käuflich zu übernehmen."

Was? Was ist das, Hanna? Ja, sehe ich denn wirklich recht? Oder ist es ein Spuk?"

Lies weiter!" klang ihre ruhige Stimme aus dem Halbdunkel, in das sie sich jetzt völlig zurückgezogen hatte. Lies erst zu Ende! Tann wollen wir darüber reden."

Ja ja! Aber dies ist so überraschend, so unfaßlich! Tie Buchstaben tanzen mir vor den Augen. Wo war ich doch? Ja, so!käuflich zu übernehmen. Tie Gründe dafür habe ich Ihnen vor einigen Tagen bei Ihrer An­wesenheit in Breslau so ausführlich dargelegt, daß ich es mir wohl ersparen kann, hier darauf zurückzukommen. Bei der gegenwärtigen schlechten Geschäftslage ist es mir eben einfach unmöglich. Was nun weiter Ihr Verlangen betrifft, im Fall meiner Ablehnung Ihres Angebots als Miteigentümer des Terrains in das Grundbuch eingetragen zu werden, so widerspricht das zwar eigentlich unserer Ab­rede, da wir übereingekommen waren, daß ich der Einfach­heit und der leichteren geschäftlichen AbwickeluW halber