Ausgabe 
18.5.1901
 
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eib tauglich zu eurer Arbeit, und ihr werdet immer Arbeit haben. Spurgeon.

(Nachdruck verboten.)

Die Göttin des Glücks.

Roman von Reinhold OrkmAnn.

(Fortsetzung.)

Klemens Herbvlö sah sie mit seinen leuchtenden Künstleraugen an, als wollte er ihr Bild unauslöschlich in fein Gedächtnis prägen. Dann, nach einer Minute des Schweigens, kehrte er sich seinem Schüler zu:

..Und Du sagtest mir nichts davon, Harro, daß Du sie gesunden hättest, unsere Göttin des Glücks! Wahrhaftig, Tu mußt ein Sonntagskind sein, daß Dir dies gelang!"

Der junge Bildhauer suchte verlegen nach einer Ant­wort; Erika aber kam ihm zuvor.

Du bist im Irrtum, lieber Vater! Dies ist Fräulein Sylvander, und sie wird sicherlich nicht gestatten, daß Du Deiner Glücksgöttin ihre Züge giebst."

Und wenn ich Sie aus den Knien darum bitten soll, sie darf es mir nicht verweigern. Ich sehe Sie ja zum erstenmal, mein Fräulein, aber ich habe von diesem da gehört, daß Sie keines von den alltäglichen Geschöpfen sind und wenn er es auch nicht gesagt hätte, so würde ich es Ihnen doch vom Gesicht abgelesen haben. Sie werden nicht nein sagen, ich weih es, Sie werden mir erlauben, Sie zu modellieren."

Hanna fühlte, daß die Blicke der drei in höchster Spannung auf sie gerichtet waren, aber nicht für einen Moment zeigte sich irgend welche Befangenheit oder Ver­wirrung in ihrem Benehmen.

Wenn Sie wirklich glauben, Herr Professor, daß mein Kops sür Ihre Zwecke brauchbar ist, so bin ich mit Ver­gnügen bereit, Ihnen als Modell zu dienen."

Sie hatte es so leicht und so liebenswürdig gesagt, als handle es sich dabei für sie um die Gewährung einer höchst unbedeutenden Gefälligkeit. Klemens Herbold aber ließ den Arm seiner Tochter los und ginz zu Harros Erstaunen mit sicheren, beinahe elastischen Schritten auf Hanna zu.

Ich wußte es. Und ich danke Ihnen. Kann ich morgen mit der Arbeit beginnen?"

Ich bin jederzeit zu Ihrer Verfügung, Herr Pro­fessor!"

Er hatte sich in seiner Herzensfreude doch wohl zu viel zugemutet; "denn die tastende Bewegung seiner Hand lieh erkennen, daß er MA einer Stütze suchte. Aber schon

war Erika an seiner Seite, und, auf ihre Schulter gestützt, erreichte er den nächsten Stuhl.

Du wirst den Beginn noch um einige Tage hinaus­schieben, nicht wahr, lieber Vater!" sagte sie.Hast Du denn vergessen, wie streng Dir der Arzt für die nächste Zeit das Arbeiten verboten hat?"

Ah, was kümmert mich sein Verbot! Meine irdische Zukunft ist nicht mehr so lang, daß ich auf unbestimmte Zeit hinausschieben könnte, was ich hier unten noch zu thun gedenke. Bin ich morgen am Leben, so werde ich morgen anfangen. Ob das Flämmchen darum ein paar Wochen früher erlischt, mir gilt es gleich, wenn es mir nur zuvor vergönnt ist, dies da zu vollenden." 1

Er nannte Hanna die Stunde, zu der er sie hier im Atelier erwarten wollte, dann richtete er sich wieder auf und verabschiedete sich von ihr, weil ihn die Unruhe des Herzkranken in sein Zimmer zurücktrieb. In der Thür wandte sich Erika noch einmal zurück und sagte bittend:

Sie werden gewiß noch ein wenig bleiben, Fräulein Sylvander es liegt mir sehr viel daran, Sie zu sprechen, ehe Sie fortgehen."

Der Vorhang fiel herab; Harro und Hanna waren wieder allein. Mit freudestrahlendem Gesicht trat der junge Bildhauer hart an ihre Seite.

Wie gut das von Ihnen war, Fräulein Hanna! Es wird ja nicht dazu kommen, aber Sie haben den armen Meister doch für den Augenblick durch Ihre Zusage sehr glücklich gemacht."

Und warum wird es nicht dazu kommen? Etwa weil Fräulein Erika es verbietet?"

Aber Sie hörten doch, daß der Arzt"

O, wenn Klemens Herbold ein echter Künstler und ein Mann von Charakter ist, wird er sich um die Vorschriften des Arztes so wenig kümmern, als um die Bevormundungs­versuche seines Töchterchens. Aber sagen Sie mir doch, Herr Boysen: Wenn Ihr Meister aus den ersten Blick in mir ein brauchbares Modell für seine Glücksgöttin er­kannte, wie erklärt es sich dann, daß nicht auch Sie, der Sie mich doch schon wiederholt und in aller Gemächlich­keit ansehen konnten, aus diesen Gedanken verfielen?"

Und woher nehmen Sie die Gewißheit, Fräulein Hanna, daß es nicht wirklich geschah?"

Nein, nein, verstecken Sie sich nicht hinter einer Un­wahrheit", lachte sie.So leicht bin ich nicht zu täuschen. Gestehen Sie's nur ehrlich zu, daß Sie für Ihre Person sich das Glück ganz anders vorgestellt haben."

Ihre Lippen nicht nur und der schelmische Klang ihrer Stimme, auch ihre herrlichen Augen lachten ihm entgegen, und der verführerisch holde Zauber dieses Lachens machte all seine schüchterne Unbeholfenheit schwinden.

Nein", rief er,nein, und tausendmal ein! Seit dem Augenblick, Sie an jenem Abend in Ihres Bruders