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aasgespeichert ist, mit denen wir die Kessel in unseren Fabriken und die Lokomotiven unseres dichtmaschigen Eisenbahnnetzes Heizen, hat die intensive kulturelle Ent­wicklung Europas ermöglicht, und mit Schaudern denken wir .an eine ferne Zukunft, in welcher uns das nicht hoch genug zu schätzende fossile Brennmaterial ausgehen könnte.

Deutschland und England haben zwar einen sehr be­trächtliche größeren Kohlenreichtum als alle anderen euro­päischen Staaten und werden deshalb in den nächsten Jahrhunderten noch mehr als bisher die sührende Rolle unter den Industrieländern einnehmen; aber der Hunger unserer gefräßigen Dampfkesselfeuerungen wächst in einer beunruhigenden Weise, und obwohl die Bevölkerung Deutsch­lands in den letzten 30 Jahren sich nur um rund 40 Prozent vermehrt hat, ist die Kohlenförderung der deutschen Steinkohlenbergwerke in dem gleichen Zeitraum von 23 Millionen Tonnen auf 110 Millionen, also aus fast das fünffache gestiegen.

Unter solchen Umständen denkt man natürlich schon seit langem an die Ausnutzung anderer Hilfsmittel, welche uns die Natur zur Verfügung stellt. Wir zapfen die Wasser­läufe vom Gießbach in den Alpen bis zum Rheinfall und dem gigantischen Sturz des Niagara an; wir spekulieren über eine umfangreiche Verwertung unserer Torfmoore als Brennmaterial, wir hoffen, in absehbarer Zeit zur Kon­struktion leistungsfähiger Sonnenkraftmaschinen zu ge­langen, ja wir wiegen uns sogar in dem schönen Traum, durch Apparate, von deren Konstruktion wir allerdings noch nicht die leiseste Ahnung haben, die enormen Kräfte der atmosphärischen Elektrizität in unseren Dienst stellen zu können.

Aber eine der gewaltigsten der Naturkräfte haben wir bisher noch nicht in den Frohndienst menschlichen Nutzens gestellt, obwohl Ansätze zu ihrer Nutzbarmachung weit in die Vergangenheit zurückreichen. Es ist dies die Wasserbewegung der Ebbe und Flut, deren ungeheure Kraft der Strandbewohner täglich vor Augen hat, und deren Ausnutzung, wenn nicht alle Vorzeichen trügen, im neuen Jahrhundert in großem Maßstabe in Angriff genommen werden wird.

In der Wasserwelle, welche in ungefähr 12 ein halb bis 13 stündigem Zwischenraum entsprechend dem oberen und unteren Durchgang des Mondes durch den Meridian des Ortes zweimal täglich an die Küsten der Festländer brandet /liegt eine Kraft, von deren Größe sich der Laie wohl kaum eine richtige Vorstellung macht. Unabhängig von irdischen Einflüssen, sondern nur aufgetürmt, durch die seit Jahrmillionen wirkende Anziehungskraft von Sonne und Mond, wirft sich die Flut immer wieder aufs neue an die Gestade, sägt meilenweite Fjorde in dasselbe hinein, verwandelt Halbinseln in Inseln, indem es diese allmählich vom festen Lande losfrißt, und ist sogar tut stände, die Umdrehung der Planeten zu verlangsainen, welche wir noch bis vor kurzem für das einzige unver­änderliche Maß in dieser Welt hielten.

Ern kleiner Teil dieser nutzlos vergeudeten Naturkraste wäre ausreichend, sämtliche Maschinen unserer Fabriken zu treiben, und es würde immer überreichliche Kraft übrig bleiben, um bis weit ins Binnenland hinein elektrische Ströme zu senden, die unsere Wohnungen erleuchteten und wärmten und für den Küchenofen die erforderliche Heizkraft lieferten.

Erstaunt fragt man sich, warum denn eigentlich die Technik nicht schon längst ernstliche Anläufe unternommen hat, Ebbe und Flut als Kraftquellen zu benutzen, und man kann darauf nur die Antwort geben, daß es eben bequemer wär, in den ausgefahrenen Gleisen der mit Kohle ge­heizten Dampfmaschine zu wandeln; denn an sich ist die Ausnutzung der Kräfte von Ebbe und Flut durchaus nicht etwas so unendlich Schwieriges, wenigstens soweit es sich unt kleinere Anlagen handelt.

Ein Beispiel, wie die Sache zu machen ist, hat die Natur dem Menschen selber gegeben, und zwar bei Argostoli auf der Insel Kephalonia (Cephallinia), wo das Meerwasser an zwei Punkten des felsigen Gestades mit einer Masse von 150000 Kubikmeter den Tag und einer Fallhöhe von anderthalbem Meter in den Erdboden hineinfließt, und zwei gewaltige, seit 1835 und 1859 dort errichtete' Mühlen treibt. Dieses

Einströmen findet nur bei Flut statt, während zur Ebbezeit das in das Innere der Insel hineingeflossene Wasser auf der anderen Seite der von vulkanischen Kräften unter­minierten, von Höhlen und Spalten durchsetzten Insel in Gestalt zweier mächtigen Brackwasser enthaltenden Quellen zu Tage tritt. Es wird also, um Ebbe und Flut zu mo­torischen Zwecken auszunutzen, immer darauf ankommen, eine Einrichtung derart zu treffen, daß sich zur Flutzeit ein nahe am Meeresstrande befindliches Bassin mit Wasser füllt, während es das letztere zur Zeit der Ebbe wieder abgiebt; die Fallhöhe beim Ein- und Ausströmen muß dann durch Wasserräder und Turbinen zur Krafterzeugung ausgenützt werden.

Abgesehen von den oben genannten Meeresmühlen bei Argostoli ist bisher immer nur die Kraft des aus Stau- bassins ins Meer zur Ebbezeit zurückströmenden Wassers ausgebeutet worden. Schon vor 250 Jahren schufen die Holländer nahe bei dem von ihnen gegründeten Neu- Amsterdam, dem heutigen New-Port, und zwar an dem Ufer der heute mit New-Port vereinigten Stadt Brooklyn, umfangreiche flache Staubassins, indem sie die Mündungen einiger sich hier ins Meer ergießenden Bäche erweiterten und gegen letzteres in geeigneter Weise abdämmten. Das in diese Behälter zur Flutzeit eingetretene Wasser wurde wäh­rend der Ebbe durch Kanäle zu großen unterschlächtigen Wasserrädern geleitet, welche so lange in Gang waren, bis die Bassins sich gänzlich vom Wasser entleert hatten.

Tie Reste dieser Anlagen sind zwar noch heute sichtbar, sind aber schon seit einer langen Reihe von Jahren außer Thätigkeit gesetzt worden; andere Staubecken von ge- ringerenr Umfange bei Hamburg an der Unterelbe, bei Bristol in England und an den Küsten der Normandie und Bretagne in Frankreich funktionieren zwar noch, haben jedoch keine Nachahmung gefunden; denn die Staubassins nehmen immerhin einen bedeutenden Raum ein, erfordern erhebliche Anlagekosten und gestalten sich nur dann rentabel, wenn sowohl die Kraft des ausströmenden wie die des einströmenden Wassers zur Benutzung kommt. In dieser Richtung einer doppelten Ausnutzung eröffnet nun eine neue Erfindung eines deutschen Ingenieurs, des Hamburger Wasserbautechnikers R. Knoblochs ungewöhnliche und glän­zende Aussichten, da man mit einer nach seinen Angaben gebauten Stauanlage nicht nur zur Zxit der Ebbe ablaufen­den Wasser, sondern auch mit dem zur Flutzeit aus­strömenden Maschinen treiben kann.

Knoblochs Verdienst ist es nun, eineEbbe- unb Flut­turbine" erfunden zu haben, durch die das Wasser in beiderlei Richtungen, sowohl beim Einströmen aus dem Meere wie beim Zurückströmen in dasselbe passieren kann. Derartige Turbinen sind ztvar an sich nichts Neues; sie haben jedoch die unangenehme Eigenschaft, daß sich mit der Umkehrung der Richtung des durchströmenden Wassers auch die Umkehrung der Turbinenschaufeln umkehrt. Knobloch erreicht nun durch ein System von Klappen, daß in dem Augenblick, wo nach! tiefster Ebbe wieder Flut ein­zusetzen beginnt oder nach höchster Flut das Meereswasser wieder zu ebben anfängt, selbstthätig eine Umkehrung der Eintrittsrichtung des Wassers in die Schaufeln stattfindet. Ter Effekt ist, daß die Kraft des Wassers durch diese doppelte Umkehrung immer in demselben Sinne wirkt, und dadurch auch! die Dynamomaschinen es, ist hauptsächlich auf Erzeugung fortleitungsfähiger, elektrischer Kraft ab­gesehen' sich in derselben Richtung drehen.

Man hat berechnet und zwar ist dies nicht seitens des Erfinders, sondern durch unparteiische Ingenieure ge­schehen daß eine Anlage für 1000 Pferdestärken, wie sie an der Unterelbe bei Hamburg überall ntöglich ist, während zweimal 12 Stunden in vier Perioden durch zu- sanimen 15 Stunden arbeiten würden, und dabei eine Pferdekraft in der Stunde um den billigen Preis von 5 einen halben Pfennig liefern könnten, obwohl während der übrigen 9 Stunden eine Tampfkraft den Weiterbetrieb übernehmen müßte.

An der Elbmündung, wo die Ebbe und Flut wentger intensiv ist als anderswo, arbeitet eine derartige Kraft­anlage itoch mit verhältnismäßig geringem Nutzeffekt. Weit­aus günstiger gestaltet sich jedoch der Betrieb an Küsten mit höheren Gezeiten. Schon in Bremerhaven, wo die