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r: Ruths Schmerz löste sich in Thränen.
Und unter dem Weinen scholl es wieder wie Schritte, VH er hinter ihr im Garten.
Sie suchte sich mühsam zu fassen. Gewiß war das der Water, der auf dem Abendspaziergana seine Predigt für den Sonntag vorbereitete. Er durfte ihren Schmerz nicht sehen. Wer der Vater ging nicht so rasch, so fest, so . . . ihr Herz pochte plötzlich, zum Zerspringen . . . das, was ja nicht möglich, es war ein Spiel ihrer Sinne — und doch —
Immer näher und näher klangen die Schritte — jetzt kam der Schnellschreitende hinter der hohen Bohnenwand hervor, und im nächsten Augenblick umschlang sie sein Arm fest, leidenschaftlich.
„Ruth! Ruth!" tönte es an dem Ohr der staunenden Ueberraschten.
„Heinz! Heinz!" jubelte sie, an seinem Halse hängend, „Tu bist nicht fort?!"
„Nicht ohne Dich! Jetzt nicht mehr! Lies, lies! o, welches Glück!"
x Er riß ein Schreiben aus der Brusttasche, und eng aneinander geschmiegt lasen sie im letzten Abendschimmer das Schriftstück. Es war ein glänzendes, schmeichelhaftes Angebot für den jungen Künstler znr Teilnahme an einer großen Konzertrundreise jenseits des Ozeans. Der Kontrakt lag zur Unterzeichnung vorbereitet dabet.
„So ist die Sorge um Deine Zukunft mit einem Schlag vorbei, Heinz, o Glück! v welches Glück!"
„Und glaubst Du, ich gehe allein da hinüber, dem Sieg entgegen, und lasse mein Glück hier im Thal zurück? Nimnierrnehr! Ich muß das Glück an meiner Seite haben, wenn ich siegen soll!"
Zärtlichkeit und Entschiedenheit leuchteten aus seinen Augen.
„Da nimm es!" rief nun auch Ruth entschlossen, „wo Du hingehst, da will ich auch hingehen."
<■ _ Ihre Stimme klang wie erstickt von innerer Glückseligkeit. Tie Freude, die aus trübem Verzagen aufblüht, ist [o überwältigend süß.
Er küßte ihr stürmisch die Worte von den Lippen.
„Und nun komm zu Deinem Vater, zu meinen alten Eltern —"
Die Nebel schleichen immer dichter wie weiße, kalte Totenschleier von der Wiese her, am Boden kriechend, demütig, lauernd, damit sie den letzten Tagesfunken auslöschen.
Aber im Pfarrhaus ist im Dunkel eine neue Sonn« ausgegangen — die Sonne reinen Liebesglückes — und über diese haben die Totengeister des Herbstes keine Macht,__
Gemeinnütziges.
Reinigen von T büren und F en st er n. Das Reinigen von Thüren uno Fenstern, welche mit Oelfarbe gestrichen sind, wird vielfach in ganz' unrichtiger Weise vorgenommen. Man bedient sich mit Erfolg einer Mischung von Salmiak mit kaltem Wasser im Verhältnis von 1 : 20. Etwas umständlicher ist folgendes Verfahren: Man kocht etwa 500 Gramm Weizenkleie mit 5 Liter Wasser unter Zugabe von 50 Gramm Schmierseife. Die gewonnene Lösung filtriert man kochend durch ein Leinentuch, wäscht hiermit nach dem Erkalten die Thüren, Möbel usw. ab und reibt mit einem weichen Leder trocken. Das Resultat ist ein durchaus zufriedenstellendes. Aber auch polierte Möbel, welche beschmutzt sind, kann man mit dem Kleienwasser reinigen, indem man dieselben mit einem angefeuchteten Schwamm abwischt, und dann mit einem Weichen reinen Leder nachpoliert. N. E-
Hilfe beim Verschlucken. Das übliche Schlagen auf den Rücken nützt oft wenig, kann mitunter sogar leicht dem Organismus des Kindes schaden. Da giebt es kein besseres Mittel, der kämpfenden Lunge beizustehen, als die Arme gestreckt nach oben zu halten, als ob man nach der Zimmerdecke greifen wollte. Durch diese einfache Manipulation wird der ganze Brustkorb gehoben und die Lunge wird befähigt, sich der fremden Eindringlinge leichter zu entledigen. Oft kommt auf diese Weise schon beim ersten kräftigen Husten alles zu tage, was in den Weg der Lunge, statt in den der Speiseröhre geraten ist, und der Patient ist erlöst.
Auerbachs deutscher Kmderkaleuder.
Auerbachs Deutscher Kinderkalender auf das Jahr 1902. Eine Festgabe für Knaben und Mädchen jeden Alters. Begründet von Dr. Aug. Berth. Auerbach, 20. Jahrgang. Herausgegeben von Georg Bötticher. Verlag von L. Fernau, Leipzig, Thalstraße 15. Preis geb. 1 Mk.
Als Kinder- und Hausfreund, der das halbe Schwabenalter erreicht hat, besitzt er genügend Vorzüge, um fremder Empfehlung entraten zu können; wir lassen ihn darum sich selbst einführen:
Der „Kalendermann" kommt.
Ein „Gott zum Gruß!" du junge Schar Im braunen und im blonden Haar!
Hier kommt ein Freund, — kein neuer.
Sein Name ist gar wohl bekannt, Und längst wird er von euch genannt Ein Eckart, ein getreuer.
Geschichten weiß er ohne Zahl, Und einen ganzen Bildersaal Bringt er zum frohen Schauen. Er macht die Köpfe klar und hell Und füllt die jungen Herzen schnell Mit fröhlichem Vertrauen.
Es kommt, der Lenz mit Duft und Sangs Tann macht er manchen Blütengang Mit euch und vielen andern.
Und naht die schöne Ferienzeit, Tann ist mit Freuden er bereit Turch Feld und Wald zu wandern.
Es führt euch seine Freundeshand Durchs große, schöne Vaterland. Euch wird das Herz sich weiten, Schaut ihr der hehren Berge Pracht, Ter Städte Glanz, des Meeres Macht, Der stolzen Ströme Schreiten.
Zur Winterszeit beim Lampenschein Stellt er sich traulich wieder ein. Er füllet eure Herzen
Mit Weihnachtslust und Weihnachtsglück, Und tritt dann stillbewegt zurück Beim Glanz der Weihnachtskerzen.
Ein „Gott zum Gruß!" du junge Schar!
Nun reiche deine Hände dar Dem Eckart, dem getreuen! Er will dir Lehrer, Führer sein, Der Freund, der Spielgefährte dein, Und will mit dir sich freuen.
Was der Kalendermann will, konnte er treffender nicht sagen; daß er's erreicht, gilt uns für sicher. Bdt-
Schachaufgabe.
Von M. David.
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Weiß. (9 +11)
Weiß zieht und setzt mit dem zweiten Zuge matt.
(Auflösung in nächster Nummer.)
Auflösung des Arithmogriphs in vor. Nr.: Nietzsche, Inez, Essen, Tisch, Zinn, Seine, Chinese, Hessen, Ente.
Redaktion: E. Burlhardt. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruüerei (Pietsch Erben) in Gießen.


