Ausgabe 
17.10.1901
 
Einzelbild herunterladen

wecken. Ich! habe mit Herrn Werner noch! einiges zu besprechen."

Und dann saß Herr Wcdemeyer der verführerischen Gestalt der Baronin auf einem niedrigen Sessel gegen­über^ und sie schaukelte hin und her, ihre seidenen Kleider rauschten, und ein feiner Duft umschwebte sie, der seine Sinne betäubte und verwirrte, daß er keine Worte sanch sondern sie nur immer anschauen mußte.

Sie ließ wieder ihr kleines hämisches Lächeln spielen.

Weshalb sehen Sie mich so forschend an?" fragte sie dann in leisem Tone.

Verzeihung, gnädige Frau Baronin . . . ich ich bin erstaunt daß Frau Baronin. . ."

Er stockte. Er wußte nicht, ob er sortfahren durfte.

Nun?" fragte sie.Vollenden Sie nur ohne Scheu Ihren Satz! Sie sind erstaunt, daß ich. . . ?"

Daß Frau Baronin hier die ländliche Hausfrau spielen wollen, da Sie doch so ganz und gar nicht dazu geschaffen scheinen."

Sie lachte.Sie haben einen scharfen Blick. Aber ich will Ihnen Ihr Kompliment zurückgeben: auch Sie scheinen mir nicht zu der Stellung eines Inspektors geschaffen."

Er seufzte.

Was soll man machen, gnädige Frau? Man muß doch leben."

Freilich, Waren Sie denn immer Landwirt?"

Nein. . ."

So erzählen Sie mir doch Haben Sie Vertrauen zu mir ich denke, wir werden iroch öfter mit einander plaudern."

Oh, Frau Baronin sind sehr gütig gewiß, ich habe volles Vertrauen zu Ihnen, gnädige Frau! Es ist ja schrecklich, als gebildeter Mensch hier in der Einsamkeit zu sitzen, zu verbauern zumal als Inspektor, der mit den Herrschaften so wenig in Berührung kommt. Noch dazu wenn man früher in der besten Gesellschaft verkehrt hat."

So waren Sie nicht immer Landwirt?"

Nein ich! ich war Kadett und stand als Fähnrich in einem Husaren-Regiment. . ."

Ah! Und weshalb gaben Sie Ihre militärische Karriere auf?"

Herr Wedemeyer senkte die Augen.

Ist es Ihnen peinlich, darüber zu sprechen, so ver­zeihen Sie meine Frage. Aber ich meine es gut mit Ihnen . . ."

Tausend Dank, gnädige Frau!" (Fortsetzung folgt.)

List und Klugheit im Tierleben.

Bon F. C l e nt c n s.

(Nachdruck verboten.)

Die Listen, welche die Tiere anwenden, um sich Vorteile zu sichern oder vor Gefahren zu schützen, stellen eins der interessantesten Kapitel des tierischen Seelenlebens dar. Tie Frage:Instinkt oder Ueberlegnng?" ist nirgends mehr am Platze als gerade hier und findet nirgends eine so nnzwei- deutige, zu Gunsten der Ueberlegung sprechende Antwort. Wie kann eine Handlung auf Instinkt beruhen, die, durch Umstände erzeugt, in die ein Tier nur durch! Zufall ge­raten ist, und in denen sich seinesgleichen noch nie befunden hat, direkt als aus Erfahrung und Nachdenken hervor­gegangen zu erkennen ist? Dann ist es ebenfalls nichts weiter als Instinkt, wenn wir uns durch Scharfsinn aus Gefahren retten, oder uns mit List irgend einen Vorteil verschaffen. Ein schönes Wort spricht in Bezug auf die Intelligenz der Tiere der beste Kenner der Tierseele, Brehm, in seinem Tierleben.Das Tier, sagt er, zeigt Unterscheid­ungsvermögen, Zeit-, Ort-, Farben- und Tonsinn, Erkennt­nis, Wahrnehmungsgabe, Schlußfähigkeit, Urteil; es be­wahrt sich, gemachte Erfahrungen aus und benutzt sie; es erkennt Gefahren und denkt über Mittel nach;, sie zu ver­meiden; es beweist Neigung und Abneigung, Liebe gegen Gatten und Kind, Freunde und Wohlthäter, Haß gegen Feinde und Widersacher, Dankbarkeit, Treue, Achtung und Mißachtung, Freude und Schmerz, Zorn und Sanftmut, List und Klugheit, Ehrlichkeit und Verschlagenheit. Das kluge Tier rechnet,_ bedenkt, erwägt, ehe es handelt, das gefühl­volle setzt mit Bewußtsein Freiheit und Leben ein, um seinem inneren Drange zu genügen Das Tier hat von Geselligkeit sehr hohe Begriffe und opfert sich^zum Wohle

der Gesamtheit; es pflegt Kranke, unterstützt Schwäck)!ere und teilt mit Hungrigen seine Nahrung. Es überwindet Begierden und lernt sich beherrschen ... Es erinnert sich der Vergangenheit jahrelang und gedenkt sogar der Zn- knnft, sammelt und spart für sie." Wer wie Schreiber dieses seit laugen Jahren die Tiere mit Liebe und Sorg­falt beobachtet hat, kann diese Ausführungen nur Wort für Wort unterschreiben.

Als das listigste Tier galt von jeher der Fuchs, dessen Name sogar mit dem Begriff der List unzertrennlich ver­bunden ist. Und doch wird er weit übertroffen vom Affen, dem unstreitig die Krone unter den Tieren gebührt, und der nicht nur schlau und listig seinen stützen wahrzunehmen, sondern sogar mit erstaunlicher Geschicklichkeit die Kunst der Verstellung auszuüben versteht. Ein Beispiel dieser Art erzählt Dr. Friedrich! Knauer von dem Chimpansen Eongo im Vivarium zu Wien. Eongo bekam alle Stunden einen Schluck Kroudorfer Wasser, er hätte aber am liebsten immer gleich die ganze Flasche geleert. Damit sie nicht in feine Hände falle, sah sich der Wärter daher genötigt, diese immer sorgfältig zu verstecken, vorher überzeugte er sich jedoch, daß er von Eongo nicht bemerkt wurde. Der Affe stellt sich nun, als sei er ganz in sein Spiel vertieft oder mit dem Stochern der Zähne beschäftigt, beobachtete aber dabei mit schlauen Seitenblicken ganz genau, wohin die Flasche gelegt wurde. So lange der Wärter anwesend war, that er gar nicht dergleichen und setzte sein Spiel ruhig fort, sobald sich derselbe aber nur einen Augenblick entfernte, war er im Nu bei der Flasche, entkorkte sie und trank sie aus. Bon dem Orang-Utang Bobi berichtet Brehm, daß dieser von feiner Lagerstätte aus dem Schiffe, Ivo er sich befand, den Kellner beim Umpacken der Rum­flaschen beobachtet hatte. In der Nacht hört der Besitzer des Orangs in der Kajüte Geräusch, und als er nachsieht, er­blickt er den Affen am Weinlager beschäftigt, gerade im Begriff, eine Rumflasche auszuleeren. Die leeren Flaschen hatte er behutsam wieder in Stroh gewickelt. Die erste volle, die er fand, hatte er entkorkt und fast ausgeleert. Seine Naschhaftigkeit kostete ihm das Leben, er verfiel in ein Nervenfieber, von dem er nicht wieder genas. Be­wundernswert ist die Schlauheit des Tieres, die sich in dem Umstande offenbart, daß er sich des Nachts, während er alles in festem Schlaf wußte, an den Weinvorrat heran­machte.

Die Schlauheit des Elephanten ist nach neueren Beob­achtungen sehr überschätzt worden, nicht zu leugnen ist aber seine große Dressurfähigkeit. Dagegen kommt dem Hunde neben anderen rühmenswerten Eigenschaften auch die der List in hohem Maße zu, selbst ein Mitglied der nicht gerade für sehr gescheit verschrieenen Mopsrasse versteht sich aus die Anwendung von Listen, um seinen Herrn zu täuschen, wenn er es zu seinem Nutzen für erforderlich hält. Wenn der Mops, den ich vor Jahren besaß, auf die Straße wollte und nicht durfte, so verkroch er sich zunächst ganz ruhig unter das Sopha. Nach einer Weile kam er plötzlich wieder hervor, alle Symptome der Unruhe an den Tag legend, und winselte und geberdete sich!, wie er es zu thun Pflegte, wenn das Hinuntergelafsenwerden unvermeidlich war. Tie ersten Male täuschte er mich! auch vollständig, ich öffnete ihm die Thür, durch die er seelenvergnügt auf die Straße entsprang. Derselbe Mops bediente sich, um den Zweck zu erreichen, ohne den verhaßten Maulkorb auf die Straße zu kommen, noch einer anderen List. Gab er sein Begehren, hinauszukommen, kund, so wurde ihm regelmäßig der Maulkorb umgelegt, in den meisten Fällen blieb er aber dann lieber im Zimmer oder kehrte, wenn er nunmehr, gezwungen wurde, sich zu entfernen, nach wenigen Mi­nuten zurück. Bei jeder Gelegenheit suchte er sich dann. nachdem der Maulkorb wieder entfernt war heimlich hinauszuschleichen. Gelang ihm dies nicht, fo versteckte er sich unter dem Sopha und harrte des Augenblicks,, wo ein Besuch ins Zimmer trat. Diesem sprang und bellte er noch! hindernd entgegen, und ehe der Besucher nur Zeit hatte, die Thür wieder hinter sich! zu schließen, war. mein Mops pfeilschnell hinausgehuscht. Und wie weit über­legen sind ihm erst die Pudel und Schäferhunde. Ein Pudel war mit einer Menge anderer Hunde im Stall des Abdeckers eingeschlossen, dir Thür war nur eingeklinkt, da man es nicht für nötig hielt, sie zu verschließen. Trostlos hockten die anderen Hunde herum, der Pudel aber beobachtete schlau die Art imb Weise, wie der Ab-