Ausgabe 
16.11.1901
 
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strengungen unmöglich, das Land wieder zu gewinnen. Da ging der Bademeister, ein schon bejahrter Mann und der Ernährer einer zahlreichen Familie, seiner Pflicht gemäß in das Wasser, um den Tollkühnen zu retten. Er erreichte ihn auch, aber die reißende Unterströmung hinderte ihn gleich jenem, sich zurückzuarbeiten. Weiter und weiter wur­den sie zum Entsetzen der zahlreichen Zuschauer hinausge­trieben, und deutlich konnte man vom Strande aus an ihren Bewegungen wahrnehmen, daß die Kräfte sie ver­ließen. Augenzeugen haben uns erzählt, daß viele tüchtige Schwimmer da waren, aber das Wagnis einer Hilfeleistung schien ihnen zu groß; denn sie alle kannten die Tücke der Brandung. Und der Rettungskahn lag so weit oben am Strande, daß die beiden verloren gewesen wären, ehe man ihn hätte flottmachen können."

Wie dramatisch Du zu erzählen weißt! Es ist ja, als ob man es vor sich sähe. Und da, in der letzten höchsten Not, stürzte er sich also in die Fluten, Dein heldenmiitiger Arzt? Mit starken Armen teilte er die haushohen Wogen und brachte die halb schon Ertrunkenen glücklich ans trockene Land."

Du würdest Dich nicht darüber lustig machen, Felicia, wenn Du die Erzählung der Leute gehört hättest, die es mit angesehen haben. Es soll ein furchtbarer Kampf ge­wesen sein, und sie konnten nicht Rühmens genug machen von der todesmutigen Aufopferung und der beinahe über­menschlichen Ausdauer, die Doktor Müller bei dem Rettungswerke bewiesen hatte."

Felicia war jäh zusammengefahren, und für einen Moment wich alle Farbe aus ihren Wangen.

Was sagst Du da?" fragte sie hastig.Wie war der Name dieses Arztes?"

Müller. Ein sehr gewöhnlicher Name und gar nicht ein bischen poetisch, das ist wahr. Wenn ich! ein Mann wäre und so hieße, würde ich wenigstens meinen Geburtsort oder den Mädchennamen meiner Mutter hinzufügen, um mich einigermaßen kenntlich aus der Masse der fünfmalhundert- tausend Müller im Deutschen Reiche herauszuheben."

(Fortsetzung folgt.)

Die Bekmfferungswerke des Nil.

(Nachdruck verboten.)

Eine der großen Folgen der Besitznahme Egyptens durch England bildete der Versuch, möglichst die ehemalige Fruchtbarkeit des Landes wiederherzustellen, welche im wesentlichen auf der alljährlichen Ueberschwemmung des Nil beruhte. Während mehrerer Jahrhunderte bildete der größte Teil dieses Landes, welches unter der Herrschaft der Pharaonen das glücklichste der Welt war, eine wüste Oede. Als die Macht des Landes den Zenit erreicht hatte, war es nach allen Richtungen von Kanälen durchschnitten, welche das Land bewässerten; aber im Laufe der Zeit füllten sich die Kanäle mit dem Sand der Wüste, und das Land verwahrloste.

Der Nilfluß sammelt auf seinem Lauf durch Unter­egypten eine große Menge fruchtbaren Schlammes, welchen man Jahrhunderte lang ungenutzt in das Mittelländische Meer fließen ließ. Man schätzt den Verlust dieses Schlammes auf Billionen Tonnen im Jahre. Als Egypten sich auf der Höhe seiner Blüte befand, wurden die Gewässer des Nils und sein Schlamm über die Wüste ausgeschüttet, und so öde, sandige Strecken in fruchtbare Gefilde verwandelt.

Die britische Regierung ist bemüht, das Schlammwasser des Nils wieder zur Bewässerung und Befruchtung der wüsten Landesteile zu benutzen. Hierdurch werden diese nicht nur fähig gemacht, hinreichend Getreide, Baumwolle Usw. für den Bedarf des Landes hervorzubringen, sondern auch die verschiedenen Weltmärkte zu versorgen; es wird möglich sein, sogar drei Ernten in einer Jahreszeit zu erzielen.

Diese Umwandlung wird durch den Bau großer Dämme an verschiedenen Punkten des Flusses erreicht werden. Schon sind zwei dieser enormen Konstruktionen vollendet worden, eine trt Assuan, die andere in Assiut. Me Idee ist keines-, Wegs neu, da ein ähnlicher Plan schon vor mehreren Jahren gefaßt und durch den Bau eines Dammes in der Nähe von Kairo (seitens französischer Ingenieure) ein inter­essanter Versuch nach dieser Richtung hin gemacht wurde. Die Ausführung war jedoch infolge der mangelnden Sorg­falt und der geringen Widerstandsfähigkeit des Baues ein

Fehlschlag; der Damm würde umgestürzt und meilenweit vom Lande fortgeschwemmt sein, wenn er nicht noch recht­zeitig durch englische Ingenieure verstärkt worden wäre.

Die Ausführung des Projektes erfolgt, nach Genehmig­ung seitens der egyptischen Regierung, durch den wohl­bekannten Zivilingenieur Sir Benjamin Baker und die große Baufirma John Aird. Das Kapital wurde durch ein Lon­doner Syndikat aufgebracht, an dessen Spitze der große Finanzier Ernst Cassel stand.

Es war unabweisbar, die Arbeit Tag und Nacht fort­zusetzen, und mit allen Kräften zu beschleunigen, da sie andernfalls, ivenn der Nil gestiegen und das begonnene Werk unter Wasser gesetzt wäre, auf mehrere Wochen hätte! eingestellt werden müssen.

Der Fluß ist bei Assuan über anderthalb Kilometer breit, sodaß man sich etwa eine Vorstellung von der Größe der Aufgabe machen kann. Der Damm besteht aus einer un­geheuren Granitmauer, die im oberen Teil GO Fuß breit ist und über dem Wasserstand zur Ebbezeit eine Höhe von 90 Fuß aufweist; die Länge der Mauer beträgt etwa 2,3 Kilometer. Sie erstreckt sich quer über den Fluß, von einem Ufer zum andern, und ist von 180 ungeheuren Stahl­schleusen durchbrochen. Auf dem Damm soll ein Fahrweg angelegt werden, welcher eine Verbindung zwischen den beiden Ufern Herstellen wird.

Eine Folge dieses gewaltigen Baues wird die teilweise Ueberschwemmung der historischen Tempel von Philä sein. Nach dem ursprünglichen Projekt sollten diese Ruinen völlig unter Wasser gesetzt werden; aber einer einflußreichen Ver­einigung von Egyptenforschern, an deren Spitze der frühere Präsident der britischen Akademie stand, gelang es, die teil­weise Erhaltung zu erreichen, sodaß jetzt die Ruinen selbst noch bei hohem Wasserstand sichtbar sein werden.

Das Material für den Bau der Mauer wird aus den­selben Steinbrüchen gewonnen, welche das Material für den Tempel von Philä und dieNadeln der Kleopatra" lieferten. In der That tragen viele der ausgegrabenen Granitblöcke noch die Spuren der egyptischen Spaltkeile, die vor mehr als dreißig Jahrhunderten in den Stein­brüchen verwandt wurden. Die Bauarbeit wird unter der Oberaufsicht englischer Ingenieure ausgeführt und es sind 25000 Eingeborene bei dem Werk beschäftigt, und zwar arbeiten je 12500 Mann abwechselnd bei Tag und Nacht. Während der Nacht sind die Arbeitsstätten elektrisch be­leuchtet. Die Arbeiter erhalten einen lächerlich! geringen Lohn, nämlich 4 Mark wöchentlich! bei freier Station. Man darf sich jedoch nicht zu sehr darüber wundern, da sonst in diesem Lande nur die Hälfte dieses Betrages ge­zahlt wird.

Den Vertragsbedingungen gemäß wird den Unter­nehmern von der egyptischen Regierung keine Zahlung ge­leistet, bevor die Aufgabe vollendet ist. Dennoch ist die ungeheure Bausumme, welche ungefähr 500 Millionen Mark beträgt, anfgebraucht worden. Die Vollendung l.es Pro­jektes wird den ertragsfähigen Flächenraum Egyptens nm 5600 Quadratkilometer vermehren, deren Wert für das Land auf 8000 Millionen Mark geschätzt werden. Hd.

Nene Pariser Wintermäntel.

(Nachdruck verboten.)

Die verschiedenen Formen der diesjährigen Winter­mäntel lassen gewisse charakteristische Uebereiustimmungen erkennen; namentlich ist der nach unten weite, offene Aermcl, der sich oft bis zum Pagodenärmel erweitert, vielen Facons gemeinsam.

Höchst vornehm wirkt der MantelTzarine", der in schwarzem Velours du Nord, Gros gram, Seidenbrochee oder genuesischem Sammet gefertigt werden kann. Der gerade geschnittene Mantel ist mit Pagodeüärmeln versehen, welche Lm Unterärmel in halber Höhe durch je zwei Atlasschleifen leicht zusammengehalten werden und unten einen schmalen Vorstoß von hellem Pelzwerk hervortreten lassen. Der hohe, pelzgefütterte Kragen ist etwas zurückgerollt und wird durch eine Atlasschleife geschlossen. Me Vorderteile bilden zwei Pelzrevers. Der untere Rand zeigt ebenfalls einen Pelz- Vorstoß. Der Mantel kann entweder ganz mit Pelz, oder auch mit gesteppter Atlaswattierung gefüttert sein.

Den halblangen PelerinenmantelAiglon" sieht man in sehr eleganten Ausführungen. Man fertigt diesen kleid­samen Umhang meist in mastixfarbenem, ober auch in