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einen Erdgebornen
Preiset als zum Glück Erkornen, Bis er ohne Leid und Klagen Seinen letzten Tag ertragen, Bis zum Ziele seines Strebens
Er gelangt und seines Lebens.
Sophokles.
(Nachdruck verboten.)
Der Bauer vom Wald.
Novelle von Anton v. Perfall.
(Fortsetzung.)
Frau Wanda hatte die Herrichtung der Jnnenräume übernommen; Herr Vigo, ein Operettentenor von größter Popularität, der Intimus des Bruders Fritz, unterstützte sic. Er hatte- in den ersten Kreisen der Residenz, welche ihn zur rechten Zeit als Spaßmacher und Ersatz für mangelnden Humor beigezogen, große Erfahrung gesammelt.
Tie Einladungen waren sorgfältig ausgewählt, das Erscheinen des Ministers machte in dieser Beziehung nichts unmöglich.
Es handelte sich jetzt nur noch um das Auftreten des Bauern vorn Wald und seiner Gattin. Polentz wat, nach seiner Art möglichst dick aufzutragcn, einmal gewonnene Vorteile bis zur äußersten Grenze auszunützen, auf eine famose Idee verfallen.
Es war nun einmal Mode, mit der Liebe zu dem Bauernstand zu kokettieren, und er war lange Zeit thöricht genug gewesen, das nicht zu begreifen. Jetzt aber war er auf der richtigen Spur.
Er trug Johannes seine Bitte vor. Er wollte dadurch gewissermaßen seinen früheren Fehler gut machen, ihm volle Genugthuung verschaffen, vor der ganzen versammelten Welt seine hohe Achtung vor dem Bauernstände zu zeigen.
Johannes weigerte sich entschieden. „Was soll das G'wand, wenn nm 's do nimma is, der Bauer vom Wald, und zum Komödi spiel'n is do z'guat."
Seit zwei Jahren hing es'unberührt im Schrank.
Tie Bäuerin zeigte sicb zu Polentz' Ueberraschung willfähriger. Sie fühlte nach den gemachten Erfahrungen eine Scheu, modern zu gehen. In ihrer Tracht aber, das wußte sie, stellte sie etwas vor. Da sollten sie nur' kommen in Seide und Spitzen! Die Eitelkeit trieb sie.
Tas genügte Polentz, nicht weiter in Johannes zu
dringen. Er wußte jetzt bestimmt, die Frau brachte ihn dazu, er kam in der Tracht des Bauern vom Wald.
Man bildete Spalier vor dem festlich erleuchteten Palais.
„So weit kann man's bringen, wenn man Glück hat." „Und die nötige Frechheit!" meinte ein anderer.
„Was Frechheit? Jeder macht sich- Platz, wie er die Ellenbogen dazu hat."
„Abwarten, abwarten!" tönte eine andere Stimme wie Unkenruf. „Uebers Jahr fährt vielleicht der grüne Wagen vor."
Ter Witz wärmte ordentlich- in dem kalten, dicken Nebel, der draußen herrschte.
Endlich erschien Graf Waradin, zwei galonnierte Tiener hinten auf dem Wagen. Nur das wollte man noch sehen, dann zerstreute man sich. Tie einen, mißgelaunt mit dem Schicksal rechtend, die anderen von neuer Hoffnung beseelt. Man kann ja auch einmal eine gute Karte ziehen.
Der Salon bei Altinger war bereits dicht gefüllt. Ta waren wackelige Gutsbesitzer aus der Umgegend, die man nicht aus den Augen verlieren durfte, Architekten mit Frauen und Töchtern, Geschäftsfreunde, die sich verständnisvoll zunickten, sogar einige Künstler fehlten nicht, junge Leute, welche um ein Glas Champagner überall zu haben waren.
Dazu kamen noch die besonderen Freunde des Herrn Fritz, typische Exemplare des großstädtischen Nachwuchses, kümmerliche Gestalten in geckenhafter.Tracht, mit jedem Worte, mit jeder Bewegung die schlechte Erziehung verratend.
Frau Wanda, in auffallender, kostbarer Kleidung, wurde beständig von dem Operettentenor Vigo umschwärmt, der ihr in ausfallender Weise den Hof machte, während Polentz wie ein Pascha unter den Gästen wandelte.
Matthias stach mit seiner hohen kräftigen Gestalt, den unter dem schwarzen Rocke sich abzeichnenden Muskeln, der noch immer etwas schwerfälligen Bewegung des Bauern, den markigen Gesichtszngen, uie sein neues Leben nicht so rasch verwischen konnte,? vorteilhaft ab inmitten dieses bunt zusammengewürfelten Völkchens. Nur die Hauptpersonen fehlten noch für Herrn Polentz, den eine heftige Unruhe befiel — Johannes und seine Frau. Eben war man im Begriffe hinauszueilen, sie zu holen, da trat schon Graf Waradin ein.
Lautlose Stille, allgemeine Verneigung.
Während Polentz seine Gattin vorftellte, schweifte das Auge des Grafen suchend über alle Köpfe.
Matthias wurde mit einem scharfen Blick und einem äußerst gemessenen Kopfnicken abgefertigt.


