Ausgabe 
14.9.1901
 
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Unbedachtsamkeit Ihre Lage erschweren, und' damit Such die Entdeckung des wirklich Schuldigen verzögern, wenn nicht für alle Zeiten zu Nichte'machen; denn irgend! eine; Gewaltthat von Ihrer Seite würde auch die anscheinendes Beweise von Ihrer Schuld nur vermehren. Ich bitte Sitz deshalb nochmals, mir ruhig zu folgen, und auf die Zus tunst zu vertrauen."

Was liegt aufs neue gegen mich vor, das diese Handlung rechtfertigt?"-

Held legte wie beschwichtigend seine Hand auf des! Erregten Schulter.Ich hätte Ihnen das gern vorerst noch verschwiegen; Mohrmann ist endlich zum.-Bewußt-, sein gekommen, und bezeichnet Sie nun auf das bestimm­teste als denjenigen, der den Schuß auf ihn abfeuerte."!

Welches Lügengewebe!Ist denn alles aufgestandew,- unt mich zu vernichten? Was habe ich Mohrmann zuleide! gethan, baß er mich nicht allein solcher That für fähig hielt, sondern auch bezichtigt?" Werner schwieg einige Zeit, in tiefes Sinnen Verloren, dann brach er wieder! hervor, der ganze Ingrimm, der sich in ihm angesammelt hatte.Ist der Mann wahnsinnig geworden, oder was verleitet ihn sonst zu dieser Aussage? Sollte man nicht glauben, bas sei ein wohl ausgeheckter Plan, um mich zu verderben, wer weiß, zu welchem Zweck!"

Das glauben Sie ja selbst nicht", sagte Held,so! läßt nur Ihre übermächtige Erregung Sie sprechen.A Mohrmann, so behaupte ich, ist durch eine wahrscheinlich mit Vorbedacht hergestellte Aehnlichkeit seines Angreifers! mit Ihnen getäuscht. In dieser Vermutung bestärken mich noch die weiteren Angaben Mohrmanns, welcher behauptet,- Sie an Ihrem blonden Vollbart und Jagdrock erkannt zu haben, Ihre Gesichtszüge hingegen feien in der herr­schenden Dunkelheit nicht zu erkennen gewesen. Er habtz noch, als er sich nach dem schnell Nahenden umgewendet,- verwundert gerufen:Sie, Herr Forstmeister?" Anstatt einer Antwort, sei ihm die Kugel geworden. Auf diese Aus-, sage hin ist Ihre Verhaftung verfügt."

Ich werde mich fügen und Ihnen folgen", sagte Werner dumpf.

Noch eins, Herr Forstmeister; können Sie sich keiner Person entsinnen, die Aehnlichkeit in Gestalt, Haltung und Gang mit Ihnen hätte, wenn auch nur eine ganz entfernte?, Ich kann den Rothaarigen, der Mohrmann im Walde be­gegnet sein soll und spät abends von ihm an Ihrem Fenster gesehen worden ist, nicht aus dem Sinn bringen^ mir ist, als hätten wir in ihm den Thäter zu suchen, aber- wo? Denken Sie nach, Herr Forstmeister, der Mann kann! Ihnen nicht unbekannt sein, der rote Bart darf Sie nicht irre machen, der kann falsch sein, angethan, um sich un­kenntlich zu machen."

Mein Kopf ist verwirrt", gab der Forstmeister zurück,- ich vermag meine Gedanken nicht zu konzentrieren, sie gehen niit mir durch, brausen mir im Kopfe herum, Witz die vom Sturm bewegten Meeresivogen, ohne. einen Rühes punkt zu finden. Nur eine Nacht ruhigen Schlafes, und ich würde nachsinnen können, aber wo sollte der Herkommen! bei dem sich immer dichter iiber meinem Haupt zusammen- ballenden Gewölk? Ich bin mir keiner Schuld bewußt und! muß dennoch schweigend alles auf mich nehmen, ohne Hoff- datz fich das jemals aufklären wird. Wenn der Staats­anwalt behauptet, mich in seinem Angreifer erkannt zu haben, bin ich so gut wie verloren. Was könnte ich, einge­kerkerter Mann, unternehmen, das Trug- und Lügennetz zu zerreißen, oder was zur Auffindung des Verbrechers bei­tragen?"

Sie vergessen Ihre guten Freunde, Herr Forstmetstet,- die alles aufbieten werden, den Schuldigen zu entdecken und das Auge, das auch hinter dunklem Gewölk über uns wacht."

'Und wenn der Schuldige nie entdeckt ward?

Held seufzte schwer auf. Auf diese Frage hatte auch er keine tröstliche Antwort. -

Verzagen Sie nicht, und werden Sie ruhiger, damit Sie uns möglicherweise auf die Spur jenes Elenden helfen! können, der die Folgen seines Verbrechens auf einen andern kommen läßt. Denken Sie nach; wer wiohl ein Interesse! daran haben könnte, Ihnen zu schaden; denn das Tragen! eines Jagdrockes, des! blonden Vollbartes, du Nachahmung Ihrer Haltung, das alles- kann nur mit der Absicht ge­schehen sein, den Verdacht auf Sie zu lenken; freilich konnte djes such mit der Absicht geschehen sem, die Behörden auf

in einem solch ganz undenkbaren Falle die Flinte liegen zu lassen."

Ja, ja Kind, ein Bösewicht macht eben nichts Sls dumme Streiche, das sind dann eben die Verräter, die zu seiner Entdeckung führen."

Aber Du wärest der Bösewicht nicht. Du Guter!" Hanna strich sanft seine Wange, und nahm seine kalten Hände in die' ihren.Du lieber, guter Bruder, wie mich das schmerzt."

Werner drückte warm ihre Hände.Ich danke Dir, danke euch beiden!"

In stiller, trauriger Stimmung vergingen die nächsten Tage. Es waren niederdrückende Sorgen, unter denen diese drei Menschen seufzten. Abends legte man sich mit der angstvollen Frage nieder, was wird der morgende Tag bringen? Und derselbe bange Gedanke erfaßte beim Er- wachen die niedergedrückten Gemüter, und selbst der karge -Schlaf brachte nur erschreckende Träume und nirgends eilte Aussicht, die Aufklärung dieses Geheimnisses verhieß.

Karsten, jenen übelbeleumundeten Wilddieb, hatte man ebenwohl zu wiederholten Malen scharf verhört, doch der­selbe hatte ohne große Schwierigkeit sein Alibi beweisen können. Und was seinen Gefährten betraf, in dessen Be­gleitung er an jenem Tage dem Staatsanwalt begegnet war, so verblieb er bei seiner ersten Aussage und be­hauptete, denselben nicht zu kennen, und nur eine kurze Strecke Weges mit ihm zusammen gewesen zu sein; auch das Ziel, dem jener zugestrebt habe, sei ihm unbekannt, sie hätten beide nur über allgemeine und gleichgiltiga Tinge gesprochen. Alle Nachforschungen der Behörde, nach dieser immerhin beargwöhnten Persönlichkeit, waren in­dessen erfolglos. Er schien, nach den geschilderten Vor­gängen, die ja freilich nur Mohrmann allein erlebt haben sollte, und auch von diesem noch nicht bestätigt waren, wie von der Erde verschwunden. Tas schien nun ebenfalls nicht zu Gunsten Werners zu sprechen. Dennoch hatten, ans Betreiben des Untersuchungsrichters, sowohl Polizei­beamte, wie Gendarmen den Auftrag, auf die also sig­nalisierte Persönlichkeit zu fahnden, und sie im Betretungs­falle sofort zu verhaften.

lieber acht Tage waren wiederum verflossen, da fuhr am späten Nachmittage ein geschlossener Wagen bei der Forstmeisterei vor, dem Held entstieg. Sein Gesicht war ernst, und eine tiefe Blässe lagerte auf demselben. Er ließ sich durch das ihm öffnende Mädchen dem Forstmeister melden, mit der Bitte, ihn auf krtrze Zeit ungestört sprechen zu können. Werner empfing ihn in seinem Arbeitszimmer und erhob sich bei Helds Eintritt von seinem Schreibtisch; er sah abgespannt und sehr niedergedrückt aus.Was bringen Sie, werter Herr Amtsrichter, Ihre Miene kündet gerade nichts Gutes?" Sie drückten sich die Hände.

Es ist' für mich in der That keine leichte Aufgabe, die mich herführt."

Werner sah forschend in Helds umdüstertes Gesicht. Tann sagte er anscheinend ruhig:Sprechen Sie es aus, Herr Amtsrichter, ich bin auf alles gefaßt, Sie kommen, um mir meine Verhaftung anzukünden."

Nach diesen Worten entstand eine schwüle, drückende Panse, in der jeder den Herzschlag des andern zu ver­nehmen glaubte. Dann raffte sich Held auf.Sie haben es erraten, Herr Forstmeister. So unendlich schwer mir diese Aufgabe ist, so habe ich mich doch dazu freiwillig entschlossen, um Ihnen das Peinliche einer Verhaftung durch Gendarmen zu ersparen. Ich übernehme daher die volle Verantwortung, Sie selbst ohne anderes Geleit in Untersuchungshaft zu führen; ich weiß, Sie werden mir diese Aufgabe nicht erschweren. Es war das einzige, was ich für Sie thun konnte, die Dinge haben sich so gewendet, daß eine Verhaftung, hoffentlich nur auf kurze Zeit, nicht mehr zu umgehen war."

Werner sah ihn mit einem Blick an, den Held sich nicht recht zu oeuten wußte. Und dann kamen die Worte fast wie ' eine Drohung von seinen Lippen.Sie unter­nahmen das so ohne weiteres? Fürchten Sie nicht die Desperatiott eines bis aufs äußerste getriebenen Menschen? Wie, wenn ich mich Ihnen widersetzte mit Gewalt widersetzte?"

Tas werden Sie nicht thun, Herr Forstmeister. Sie kennen meine Freundschaft fiir Sie und werden einsehen, daß ich nur tu schonender Weise vollstrecke, was., nicht mehr' zu hindern ist. Auch würden Sie durch Line