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Redaktion: E. Burkhardt. — Druck und Verlag der Brühl'schen Universitüts-Buch- und Steindruckerei (Pietsch Erben) in Gietzen.
bient. Die Kolonieweber ober Siebelwebervögel im Innern Afrikas errichten in Gesellschaften von 400 bis 500 Pärchen an einem geeigneten Baume ein großes Dach aus Gras, unb unterhalb desselben, eines bicht ans anbere gefügt, bringen sie ihre Nester an, von denen sie jedes Jahr neue ansetzen, bis der ganze Bau zu schwer wird unb zusammenkracht.
Einen Zimmermann sondergleichen stelle ich dem Leser im Specht vor, der nicht nur das hämmern vorzüglich! versteht, sondern auch mit seinem starken, meihelsörmig zugespitzten Schnabel auf die Baumrinde loshackt, daß die Spähne umherfliegen. Bant er sich sein Haus, so meißelt er an einem ausgefaulten Aste ein kreisrundes Schlupf- loch in einem Baumstamm, höhlt dann den Stamm 35 bis 40 Ctm. tief aus und belegt den Boden der Höhlung mit seinen Spähnen. Als Weber haben sich die bekannten Webervögel einen wohlbegründeten Ruf erworben, sowohl die Bayas Ostindiens, welche ihre langen kunstreich! gefügten Nester an die über Gewässer hängenden Zweige ber Bäume befestigen, als auch die amerikanischen, die bis anberthalb Meter lange, beutelsörmige Nester flechten. Ein Schneider, ber seine Sache versteht, ist ber indische Schneider-Vogel. Aus zwei kleineren Blättern oder einem einzigen großen Blatt stellt er sich eine richtige, sein Nest darstellende Tasche her, indem er mit seinen ihm als Nadel dienenden Schnabel Löcher in die Ränder der Blätter bohrt und aufgefundene Fadenstücke ober Ranken von Schlingpflanezn hindurchzieht, ja er soll, sich sogar — und insofern würden wir auch einen Seiler in der Tierwelt zu verzeichnen haben — selber Bindematerial aus roher Baumwolle zusammenspinnen.
Als Spinnerin und Weberin zugleich wirkt die Spinne ’ mit unermüdlichem Fleiße. Die Gewebespinnen besitzen an ihrem Körper einen vollständigen Webestuhl. Aus sechs kegelförmigen, beweglichen Warzen am Hinterleib sondern sie entweder einen einfachen dicken ober nach Bedarf eine Anzahl dünner Fäden ab. „Auf jeder Spinnwarze", schreibt Dr. W. Heß, „stehen .zahlreiche größere Spiunkegel und kleinere Spinnspulen, welche ebenfalls durchs besondere Muskeln bewegt werden können. Dieselben sind in so bedeutender Anzahl vorhanden, daß auf den beiden vorderen Spinnwarzen je ein Spinnkegel und etwa je 70 Spulen, auf den mittleren beiden je drei Spiunkegel unb etwa je 150 Spulen unb auf bett beiden hinteren Warzen je 5 Spiunkegel unb etwa 120 Spulen stehen, sodaß der ganze Webstuhl ober auch Spinnrocken mit ungefähr 700 Spulen arbeitet. Die Spiunkegel und Spulen stehen mit Drüsen in Verbindung, in denen sich eine klebrige Masse befindet, welche durch die Thätigkeit ber Leibesmuskeln in die Spinn- röhreu getrieben wird. Mit den tämmartigen Klauen ihrer Füße zieht die Spinne den Faden aus den Spulen, unb je nachdem mehr oder weniger Spulen arbeiten, ist der Faden dicker oder dünner. Der Faden einer einzigen Spule hat ungefähr die Ticke eines tausendstel Milli- meters." Zu den von Menschen geschätztesten Spinnerinnen der Tierwelt gehören die Seidenraupen.
Der Arbeiter st and findet sich in schönster Entwicklung bei den Bienen und Ameisen, die letzteren besitzen bekanntlich auch besondere Soldaten, da sie den „löblichen" Gebrauch des Kriegsührcns mit uns Menschen gemeinsam Haben, ja sie haben sogar ihre Sklaven, aus fremden Kolonien entführte Ameisen, die für sie arbeiten müssen. Auch die Ackerbauer und Viehzüchter haben wir unter dem Ameisen zu sucyen, wenigstens wird von einzelnen Ameisenarten erzählt, daß sie zur Verbreitung der Samen der Alpenveilchen beitragen, deren Duft ihnen zuzusagen scheint, und von anderen, daß sie förmliche Kulturen von Gräsern züchten, deren Samen ihnen zur Nahrung dienen, ihre Grasacker durch Abreißen der Halme abmähen usw. Eine brasilianische Pflanze, die Cecropia, schützen sie zum Dank dasür, daß sie ihnen Aufenthalt und Nahrung bietet, vor schädlichen Tieren. Ihre Milchkühe sind die Blattläuse. Sie bewachen diese mit Argus äugen, treiben sie, wenn möglich, auf einen Haufen zusammen, ja hegen oft den betreffenden Platz durch einen Erdwall ober eine Umzäunung ein, stellen Wachen aus, die Herde zu beschützen, gegen Feinde zu verteidigen und bauen
manchmal sogar — hier haben wir wieder Ingenieure und Chausseearbeiter! — bedeckte Wege, um zu ihren Viehherden zu gelangen. Sie melken ihre „Milchkühe" förmlich, indem fie sie sauft mit den Fühlern streifen, und dadurch zur Hergabe ihres süßen Honigsaftes, der Milch, veranlassen. Manche Arten sammeln sogar die Eier der Blattläuse, weisen ihnen geeignete Plätze in ihrer Wohnung an, ziehen die Larven aus und pflegen die ausge- bildeten 5£iere.
Die Tierwelt hat auch ihre „Räuber"; eigentlich gehören ja alle Tiere mehr ober weniger zu dieser ehrenwerten Gattung, aber es giebt besonders ausgeprägte Individuen, welche ganz besonders auf die Zugehörigkeit zu diesem Berufe Anspruch erheben dürfen. Die Katze, ber Tiger, Luchs, die Adler und Raben, Wasserspitzmäuse und Spitzmäuse, Raubkäfer usw. Die aasfressenden Tiere (Aasgeier usw.) bilden die Sanitätspolizei, die Affen find die Clowns und Akrobaten, die Wanderratten, Wander- tauben, Lemminge, Wanderheuschrecken usw. die Reiseonkel der Tierwelt, wenn man mir diesen kühnen Ausdruck gütigst gestatten will. Es kehlt auch! nicht an Totengräbern, den' bekannten Käsern, welche die Leichen kleiner Tiere einscharren, und ihre Eier daran legen, worauf die toten Körper den auskriechenden Larven als Nahrung dienen. Und zuletzt — das Letzte, aber nicht das Beste, — die löbliche Gattung der Schmarotzer ist kaum weniger reichlich vertreten wie unter dem „Geschlecht der königlichen Menschen". Wir wollen den Widerwillen des Lesers — und vor allem der Leserinnen — nicht durch Aufzählung der ekelhaften Arten und eine Beschreibung ihrer Lebensweise wachrufen — jedermann kennt die liebenswürdigen Vertreter der Parasiteuklasse zur Genüge —, nur nicht unter» lafsen wollen wir, zu betonen, daß sich, in einer Hinsicht fast alle sehr zu ihrem Vorteil von den menschlichen Schmarotzern unterscheiden: sie sind so häßlich von außen, wie von innen, während bei ihren zweibeinigen Genossen der Schein meist recht erheblich! trügt, nur die Wohlbeleibtheit haben sie meistens mit ihnen gemein, und das ist kein Wunder. Womit ich, wohlbemerkt, niemand beleidigen will; denn man kann bei fleißiger Arbeit unb einfacher Kost einen recht stattlichen Schmerbauch babontragen. Mögen sich allein die kratzen, die es juckt!
Velhagen & Klastngs Monatshefte.
Soeben erschien, als letztes Heft des laufenden Jahrgangs, das Augustheft von Velhagen & Klasings Monatsheften, wie immer reich und vielseitig, nach der textlichen und nach ber illustrativen Seite hin, aus- gestattet. Besonders interessant erscheint uns ein wundervoll illustrierter Artikel „Die Marienburg" von W. von Bremen, eine ganz persönlich gehaltene Plauderei über Wilhelm Raabe zu dessen siebzigstem Geburtstag von §an§ Hcsfmaun und eine höchst originelle „seltsame" Geschichte von Haus Olden: „Eome in, Sir!" — Mitde m n ä ch st e n .Heft beginnteinueuerJahrgaugderMonats- hefte. Rach der Voranzeige der Redaktion werden im ersten Heft, also gleichzeitig, nicht weniger als drei große Romane zu erscheinen beginnen: „Das ABC des Lebens" von Ida Boy-Ed —- „Traum im Süden" von Georg Freiherr von Ompteda — „Die papierene Macht" von Fedvr von Zobeltitz.
Gemeinnützige».
Olivenöl bei Augenleiden. Um fremde Körper aus den Augen zu entfernen, empfiehlt es sich, reines Olivenöl hiueinzuträufeln. Dieses Mittel soll sicher wirken und die eingebrungenen Körper, wie Körnchen, Asche, Kalk, Splitter usw. entfernen. Auch bei Röte und Schmerz der Augen soll sich Baumöl recht gut bewähren und Besserung in kurzer Zeit herbeiführen, wenn man die Augenlider damit bestreicht. L
Auflösung der Schachaufgabe in voriger Nummer: (Zweiziiger von Trcala.)
W. Kc8, De3, ToG, 843, g6, Ba4, g4.
Schw. Kd5, Ld2, Sg8, 844, e4, h6.
1. De3—hG; beliebig. 2. Vierfach matt.


