Ausgabe 
13.1.1901
 
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unb weinte um so heftiger, je mehr ich die Thränen zu- rückzuhalten suchte.

Hätte ich das geahnt, so wäre ich dem Mädchen Sicht in dieses Zimmer gefolgt", sagte er mit einer Stimme voll Mitleid und Teilnahme.Sie sind Fräulein Snow­don?" Ich bejahte die Frage.Bitte, sagen Sie Ihrem Vater und glauben Sie es selbst, daß es mir herzlich feib thut. Ihnen in solchem Augenblicke lästig gefallen zu sein".

Wenn Sie wieder vorsprechen wollen etwas später nächste Woche", sagte ich weinend,so wird er sich freuen, Sie bei sich zu sehen".

Ja, und ich hoffe, daß Sie beide sich nicht zu tief vom Schmerz niederdrücken lassen", rief er so freundlich und herzlich aus, daß ich ibn ansehen mußte.Nur die Zeit vermag solche Wunden zu heilen". Und mit einer Verbeugung ging er leise aus dem Zimmer.

So traurig ich war, ich mußte doch die Art seines Benehmens und Fortgehens bewundern. Unerwartet ein Sterbehaus zu betreten, und ein Mädchen zu treffen, die vor Schluchzen kaum sprechen kann, war eine Lage, der selbst der Takt eines Mannes von feinster Lebensart kaum gewachsen war. Die herzlichsten Beileidsbezeugungen er­scheinen wie eine Aufdringlichkeit. Ruhig fortzugehen ist das beste, was man thun kann. Wenn man schnell, aber nicht zu eilig fortgeht, sich bemüht, eine aufrichtige Teil­nahme zu zeigen, so ist es der Beweis eines feinen Ver­ständnisses und eines guten Herzens.

Meinem Vater sagte ich, daß ich Herrn Fowler gebeten habe, uns nächste Woche zu besuchen. Weiter wurde nicht über ihn gesprochen.

Am Tage der Beerdigung war mein Vater wunderbar gefaßt. Er trug sein starkes, religiöses Empfinden zwar nie zur Schau, aber seine Frömmigkeit ließ ihn in dieser schweren Zeit nicht im Stiche. Ich erfuhr zwar, daß er am Grabe beim Hinabsinken des Sarges zusammenbrach, ttttb daß die Freunde Mühe hatten, ihn später durch sanftes Zureden vom Kirchhof zu entfernen.

Aber auf dem Heimweg faßte mein Vater sich und küßte mich ruhig, als er nach Hause kam, als wolle er mir zeigen, daß er sich demütig dem Willen Gottes beuge.

Beim Leichenbegängnis meiner Mutter folgten nur See­leute dem Sarge. Da war der alte Salmon, dann Kapitän Tarbit, der mehrere Reisen mit meinem Vater gemacht hatte. Im ganzen waren es sieben Seeleute, die zwei Trauerkutschen füllten. Ich hatte erwartet, daß Herr Fowler dabei sein würde, aber er konnte vielleicht seine Geschäfte in Süd-Shields nicht int Stich lassen.

Im Wohnzimmer versammelten sie sich, bis der Sarg ans den Leichenwagen gehoben wurde. Die herzliche Ein­fachheit ihres Mitgefühls für meinen Vater machte tiefen Eindruck auf mich. Sie machten nicht viel Worte und sprachen mit gedämpfter Stimme, obgleich einige der rauhen See­töne nicht leicht zu mildern waren.

Nein, nein", sagte Salmon zu Kapitän Tarbit,Sie können ihn nicht mit dem Schlepptau vergleichen, das, wenn's losgeworfen ist, einen auf das Meer hinaustreiben läßt. Ter Tod ist ein Hafen, und das Leben ist der Ozean, der uns hin- und herschleudert. Der Tod ist ein stilles Wasser mit gutem Grunde, wo man ruhig die Anker fallen lassen lann". Dann sah er rings im Zimmer umher, als wolle er den Beifall für sein Gleichnis einheimsen.

Solche Bruchstücke der an jenemTage unter unseren Freunden leise geführten Unterhaltung leben noch ebenso itt meiner Erinnerung wie die feinfühligen Bemühungen dieser Leute, meinen Vater und mich zu trösten, obgleich sie sich selten oder nie an uns wandten, sondern uns int Gegenteil mit jener ehrfurchtsvollen Scheu behandelten, welche die Heiligkeit einer tiefen Trauer immer in kind­lichen Gemütern hervorruft.

Sechstes Kapitel.

Herrn Fowlers zweiter Besuch.

Obgleich mein Vater seinen Verlust anfangs mit leiden­schaftlichem Schmerze empfand, so faßte , er sich doch schnell. Jeder konnte sehen, daß ein kostbarer Teil seines Lebens vou ihm gegangen war; aber man hörte kein Jammern und Klagen. Er fügte sich dem göttlichen Willen, wie es einem braven Seemann zukam. Oft führte er einen Lieb­

lingsausspruch seines Vaters an:Wenn der Kapitän bei Weltalls Befehle giebt, dürfen wir nie an ihrer Weisheit zweifeln, sondern müssen auf dieselben hören und sie sreudigen Herzens ausführen, überzeugt, daß uns keine Arbeit zugemutet wird, die nicht zu unserem Besten ist."

Obgleich Herr Fowler nach der Beerdigung bei uns vorsprach, sah ich ihn nicht. Er kam einmal, als ich oben war, hatte eine lange Unterredung mit dem Vater, ging dann wieder, und war schon eine halbe Stunde fort, als ich hörte, er sei dagewesen.

Wird er wiederkommen?" fragte ich.

Nicht vor drei Monaten", antwortete mein Vater. Er segelt nächste Woche als erster Steuermann des ,,African Chief"."

Ich war etwas betroffen; denn meine Eitelkeit verlangte nach einer früheren Gelegenheit, um den dummen Eindruck zu verwischen, den ich bei unserer Begegnung am Todestage meiner Mutter auf ihn gemacht hatte. Aber sonst dachte ich kaum noch an ihn, und da er auf drei Monate fortging, so war anzunehmen, daß er meinem Gedächtnis völlig ent- schwindeit würde.

Nach dem Tode meiner Mutter verstrichen die Tage in öder Einförmigkeit; aber die Zeit war die beste Arznei für mich, und jede Woche fühlte ich unseren Verlust mit weniger Schärfe. Ich gewöhnte mich an ihren leeren Sitz in der St. Nikolaskirche, die wir regelmäßig zum Gottes­dienst besuchten, an ihre Abwesenheit in der Küche, w» wir jeden Morgen die Haushaltungsangelegenheiten des Tages besprachen, an ihren leeren Platz neben dem Kamin­feuer, wo ihr Armstuhl stand, als ob sie jeden Augenblick mit ihrem Strickzeug sich dort niedersetzen könnte.

Das Christfest folgte bald nach ihrem Tode, und er­schien uns um so düsterer, als das helle Glockenläuten und der Gedanke an die fröhlich versammelten Familie» so glückliche Erinnerungen in uns wach ries.

Am Abend kam Kapitän Tarbit, seine Frau und ei» Seemaschinist Finlay, ein biederer Schotte, der viel zu erzählen wußte, und so ziemlich alle Seeunfälle, die es geben kann, erlebt hatte, von Shields herüber, um uns ein wenig aufzuheitern.

Hätte man uns vorher darüber gefragt, so würden wir wohl gesagt haben, daß wir lieber allein bleiben wollten, nun aber war es uns doch tticht unlieb, ein wenig heraus­gerissen und in das Tageslicht lebendiger Interessen ge­drängt zu werden.

(Fortsetzung folgt.)

Kinderleid.

Von Bois-Plessi.

Autorisierte Uebersetzung aus dem Französischen.

(Nachdruck verboten)

Es war im Herbst. Langsam verwandelte sich das Blau des Himmels in ein mildes Grau, und die welken Blatt« lösten sich von den Zweigen, fielen zur Erde und wurde» von dem Winde weitergeführt, bis sie die Füße der hasten­den Menschen zertraten.

Während die Natur sich gleichsam zur Ruhe rüstete, be­gannen die Menschen einen neuen Abschnitt ihrer Existenz, der doch immer dasselbe Hasten, dasselbe Pläneschmiede« und das Denken an dasMorgen" mit sich bringt.

In den Läden waren dieWinterneuheiten" ausgelegt und Seide, Sammet und Pelze zogen manchen verlangende» Frauenblick auf sich.

Vor einem eleganten Geschäft stand ganz in Bewunder­ung und Verlangen versunken, der Gegenwart entrückt, Magda Ferrier, bte Frau des jungen und schon berühmte« Bildhauers. Sie wußte, wie gut sie all die reichen weiche« Stoffe kleideten, wie sie ihrer eigentümlichen Schönheit noch zur Folie dienten, und es wurde ihr schwer, in Anbetracht der bescheidenen Verhältnisse, in denen sie lebte, auf die eleganten Toilettenstücke Verzicht leisten zu müssen. Das ewigeVerzichtenmüssen" verbitterte Magda Ferrier, machte sie ungeduldig und schroff in ihrer Art, sich zu geben, sodaß man oft an ihrer Herzensgüte zweifeln konnte.

So kam sie denn auch heute von ihren Ausgängen sehr verstimmt und mit einer tiefen Falte zwischen den Augen­brauen heim.

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