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Modenbericht über Dattiea-Jackets und -Mäntel.

Bearbeitet und mit Abbildungen versehen von der Internationalen Schnittmanufaktur Dresden-N.

Reichhaltiges Modenalbum und Schnittmusterbuch ä öO Pfg. daselbst erhältlich.

Secession und Konfektion" unter dieser Ueberschrift las ich vor einiger Beit eine Abhandlung über das Verhältnis der Mode zur neuen, secessiomstischen Kunstrichtung, welche viel Wahres, aber auch manch Uebertriebenes enthielt. Sicherlich ist der Einfluß der neuen Kunstricht­ung auf die Mode unverkennbar, aber bisher sind es immerhin nur Einzelheiten, an welchen man ihn deutlich nachweisen kann., Hauptsächlich macht et sich an den neuen Garnituren bemerkbar, welche ja am ehesten geneigt sind, irgend eine besondere Stilrichtung zu zeigen, wie z. -o.

y ' b Rokoko, Renaissance rc. Die Formen

der Kleider, aber insbesondere die der Ueberkleider, sind jedoch im allgemeinen noch weit davon entfernt, secessionistische Linien anzunehmen, was unsere kurzen feschen Jackets, sowie unsere Bolero­jäckchen am besten beweisen. Eher könnte man noch die langen, auf den Boden auftreffenden Sackmäntel auf die neue Kunstrichtung zurückführen. Dieselben sind jedoch, als zu unpraktisch, schon längst wieder aufgegeben, und die drei­viertellangen Sackpaletots, sowie die langen Golfcapes weisen neuerdings schon wieder solche, wenn auch kleine Veränderungen auf, welche die schlanken, einfachen Linien der Secession eher unterbrechen als unterstützen; denn die modernen Capes sind häusig mit einem oder mehreren Schulterkragen in ganz beliebigen Längen ausgestattet. Auch die hohen, secessionistisch schlank machenden Stuartkragen sind von Umlegekragen mit Revers in allen Arten abgelöst worden. Ferner hat man die beiden Formen, Sackpalctot und Cape, zu einer vereinigt, welche besonders praktischen Zwecken auf das Beste bient, welche aber keinesfalls secessionistisch wirkt. Mit Abbildung 1 ist ein derartiges, am bestenDamenhavelok" benanntes Kleidungsstück der einfachsten Art ver­anschaulicht. Es setzt sich aus einem

gewöhnlichen Sackpaletot und einer halblangen Pelerine zusammen, Vervollständigt durch einen einfachen Umlegekragen. Man hat diese Haveloks jedoch ebenfalls mit mehreren Pelerinen, forote mit Umlege­kragen und Revers, ja sogar mit Schalkragen, so daß diese tform, so neu sie auch ist, doch schon die verschiedensten Arten aufweist.

Die Mode des Tages bleibt jedoch, auch für den Sommer, der Sack­paletot, wenngleich die dreiviertellangen, doppelreihigen Formen, "sehr durch kürzere, einreihige ersetzt werden, wie Abbildung 2 veranschaulicht.

Die neueste Ausstattung dieser Sackpaletots besteht [ darin, daß man sie zum Offen- und Geschlossen- | tragen einrichtet, indem man sie mit besonders \ konstruierten Kragen versieht. Es sind dies Steh- ! tragen, welche etwas weiter geschnitten werden, > als die Halsweite erfordert, und an den Enden | abgestumpft sind. Diese abgestumpften Enden ergeben, in Verbindung mit den Revers im offenen Zustande das Fayon; im geschloffenen treten sie übereinander, so daß der Schluß des Stehbünd­chens seitlich geschieht. Ein aus Schlingen be­stehender Besatz an dem Revers vermittelt den Schluß, für welchen außerdem Knöpfe längs der Vorderteile angebracht sind. Diese geben im offenen Zustande, genau wie der Schlingenbesatz, eine hübsche Garnitur ab.

Mehr noch als für Sackpaletots ist gerade diese Art des Offen- und Geschloffentragens für richtige Jackets angewendet, und lucht man hier diese Einrichtung auch noch -auf andere Art zu er­möglichen. Die natürlichste darunter ist entschieden diejenige mit rollendem Revers, welche auf alle Fälle der zuerst beschriebenen vorzuziehen ist; denn sie läßt das Jacket geschlossen genau so schick

erscheinen als offen, was bei dem ersteren nicht gut möglich ist. Abbild­ung 3 zeigt ein hübsches derartiges Jacket im geschlossenen Zustande, dessen Revers, wenn es offen ist. nach unten verlaufend umrollen.

Im übrigen ist bezüglich des Jackets zu bemerken, daß die jahre­lange Vorliebe für die selbstständigen Jackets, welche alle anderen Ueber- kleiderformen verdrängte, mehr und mehr zurückgeht, indem man dem mit dem Rock übereinstimmenden Kostümjacke! vor allen anderen den Vorzug giebt. Dadurch tritt auch der reich garnierte Genre mehr in den Hintergrund, und der einfache tailor-made-Genre kommt mehr zur Gelt-

I. L

Abbildung 2.

1

ung. Obgleich nun das Charakteristische dieses tailor-made-Genres eigent­lich in seiner schlichten, nur durch Stepplinien bereicherten Einfachheit besteht, so sieht man jetzt doch auch sehr viel garnierte tailor-made-Kostüme; denn die übergroße Einfachheit ist nicht jedermanns Geschmack. Und so verziert man denn Jackets wie Röcke, reich mit Borten, Tressen, Blenden, Applikationen rc., welche ja allerdings, um nochmals au, die Einleitung zurückzukommen, nicht selten secessionistische Linien annahmen.

Gleicher Beliebtheit wie die Jacketsorm erfreut sich für Kostüme die Boleroform, welche man denn auch in allen möglichen Ausführungen sieht. Wenn auch hierfür die tailor-made-Manier immer die Grund­lage bildet, so hat doch für Bolerojäckchen der garnierte Genre entschieden den Vorzug, und ganz aus Treffen zusammengesetzte Jäckchen, mit Spitzen bedeckte Revers, Umlegekragen von gemustertem Sammet und andere Garnituren sind sehr beliebt. Auch die Schnittform ist längst nicht mehr die einfach klassische Form eines kurzen Jäckchen mit Revers und Kragen. Man hat hier vielmehr die verschiedensten Arten mit Patten und Westen mit ange­schnittenen Zacken, mit vorn übergreifenden Schluß, mit Breiten Schulterkragen oder ganz ohne Kragen, kurz die fantastischsten Formen.

Zum Schluß noch Einiges über die Aermel der modernen Ueberkleider. Dieselben

sind natürlich, genau wie die Kleiderärmel, nur selten vor der Hand ganz glatt. Meist erweitern sie sich tulpenförmig, um den Bauschärmel des Kleides sichtbar werden zu lasten, oder sie erhalten eine über die Hand fallende Manschette angeschnitten. Bei Boleros ist der Aermel sogar verkürzt und erweitert wie bei den Kleidern, so daß er durch einen mit dem Chemisett übereinstimmenden Aermelbausch ergänzt werden muß. Bei Jackets und Paletots schneidet man, um einen ähnlichen Effekt zu erziehen, den Aermel unten weit und faßt ihn eingereiht in ein Bündchen.

Das neue Moden» Album und Schnitimusterbrtch der Intern. Schnittmanufaktur, Dresden, ist für die Frühjahrs- und Sommer- Saison zum Preise von 50 Psg. soeben erschienen. Es kommt gerade zur rechten Zeit, um der Frauenwelt bei der Wahl neuer Frühjahrs- und Sommer-Toiletten, beziehungsweise beim Modernisieren von Garderobe die willkommenste Hilfe zu leisten. Die Einrichtung der vorgenannten Firma, von allen dargestellten Modellen vorzüglich abgepaßte Papier- schnitte zur leichten Verfertigung aller Kleidungsstücke zu liefern, hat sich als ungemein praktisch bewährt, so daß dies reichhaltige, mit 100 neuesten Modellen ausgestattete Moden-Album als das beste und brauchbarste Hilfsmittel bei der Wahl neuer Toiletten zu empfehlen ist.

Literarisches.

Allere! reizende, originelle, selbsizufertigende Oster» gescheute, wie z. B. ein Tablett-Deckchen mit allerliebstem Hasenmotiv, Bringt die neueste Nummer des Bekannten HandarbeitsBlaites:Die ArbeitsstUbe ' zur Veröffentlichung. Es ist die genannte Zeitschrift so recht ein Blatt, welches den häuslichen Jnteresten der Frauenwelt zu dienen BeftreBt ist. Welche Fülle von Vorlagen zu allen nur erdenklichen HandarBeiten wird da geBoten 1 Aus dem reichen Inhalte des Heftes heben wir nut hervor: eine Altardecke mit Durchbrucharbeit, eine Ampel mit Holzbrandarbeit, Sachet für Taschentücher, Arbeitsständer, zwei reizende neue Muster für ä jour-Arbeit, Spitzen mit Tülldurchzug und Häkel­arbeit, Wäschebeutel, Nadelbuch aus Kartonpapier, Bilderrahmen, Täschchen mit Perlstickerei, Guipürebordüre in Häkelarbeit und eine allerliebste, leicht- selbst anzufertigende Hausschürze in Kreuzstichstickerei. _ Die jeder Nummer gratis beigegebne buntfarbige Tafel zeigt diesmal eine mit Applikation auszuführende Bordüre auf gelblichem Seinen, welche sich zum Schmucke größerer und kleinerer Decken eignet. Die Novellenbeilage enthält die Fortsetzung des äußerst spannenden Romans von Reinhold Ortmann: In den wilden Waffern. Ein dreimonatliches Probe-Abonnement dieses empfehlenswerten Blattes kostet nur Mk. 1. und kann bei jeder Buchhandlung oder Postanstalt (Postzeitungsliste Nr. 680) aufgegebenwerden.

Abbildung 3.

Bilderrätsel.

(Nachbildung verboten).

Auflösung in nächster Nummer.

Rektion: «. Burkhardt. - Bruck und Verlag der Brühl'schen UuiverfitSts-Buch- unb Tteinbrnckerei (Pietsch Erben) tu Meße«.