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Mer die Gefahren des elektrischen Lichts.
Im allgemeinen besteht gegenwärtig der Glaube, daß der Besitzer eines Hauses oder eines Geschäftes vielen Gefahren aus dem Wege geht, wenu er für die Beleuchtung statt Gas, Petroleum oder Kerzen das elektrische Licht verwendet. Es ist jedoch, wie der „Praktische Wegweiser", Würzburg, schreibt, sehr zweifelhaft, ob diese Annahme das Richtige trifft, so lange in der Beilegung der elektrischen Leitungen nicht noch größere Vorsicht beobachtet wird als heutzutage. Mindestens sollten die gar nicht so selten vorkommendeu Brände und Unfälle, die elektrischen Beleuchtungsanlagen zur Last gelegt werden müssen, einiges Bedenken veranlassen. Es ist eine mehr und mehr in ihrer wahren Bedeutung gewürdigte Thatsache, daß ein sonst ganz unschädlicher Strom, d. h. ein solcher von niedriger Spannung, durch gewisse Defekte zu einem äußerst gefährlichen Strom von sehr starker Spannung werden kann. Als gewöhnliche Quelle und allgemein benutzte Entschuldigung für solche Vorkommnisse gilt der Kurzschluß, und in der That hört man Klagen darüber von allen Seiten. Selbstverständlich vermehren sich die Gefahren mit der Stärke des Stromes. Erst in jüngster Zeit ist wieder ein ernstlicher Brand in London dadurch herbeigeführt worden, daß die Kabel einer elektrischen Leitung am Schaltbrett geschmolzen waren, die in dem betreffenden Hause zur Vorführung von Projektionsbildern benutzt wurde. Es kann gewiß niemand verwehrt werden, wenn er einen möglichst starken elektrischen Strom zu irgend welchen Zwecken zur Verfügung haben will, aber es kann andererseits im Namen der öffentlichen Sicherheit verlangt werden, daß dann bei der Verlegung der Leitung eine besondere Vorsicht beobachtet, auch von Zeit zu Zeit eine sorgfältige Nachprüfung vorgenommen wird. Wenn dies nicht geschieht, so kommt es ungefähr auf dasselbe hinaus, als ob man irgend wo ein großes Wasserbassin für Millionen von Litern hoch über dem Boden anbringen wollte, ohne Vorsichtsmaßregeln zu treffen für den Fall, daß ihr Behälter eines Tages ein Leck bekommt und etwa alles Darunterliegende unter Wasser setzt. Durch den Brauch, die Erde als Ableitung für die elektrischen Ströme zu benutzen, wird der Boden mit Elektrizität derart gesättigt, daß bei ungenügender Isolierung jede sonst harmlose Leitung, Telephondrähte, Gasröhren u. a. plötzlich einen sehr starken und gefährlichen Strom an sich ziehen. In manchen Fällen wird die Entstehung eines Brandes durch Ueberhitzung von Drähten oder durch Erzeugung von Funken infolge mangelhafter Isolierung der Leitung nachträglich nicht erkannt werden, aber die Zahl der unzweifelhaften Vorkommnisse genügt vollständig, um eine Reform in der Anlage der elektrischen Leitungen dringend zu fordern. Bisher ist trotz häufiger Erörterung wenig oder gar nichts nach dieser Richtung hin geschehen. In England verlangt man jetzt energisch den Erlaß behördlicher Bestimmungen für eine zuverlässigere Art der Anlage der elektrischen Beleuchtung in t iusern. Wahrscheinlich werden Unfälle durch die elektrischer: Leitungen nicht früher ganz verschwinden, als bis Kabel und Drähte in besonderen Röhren geborgen und vor allem eigene Drähte für die Rückleitung des Stromes zur Anlage kommen werden. Bei den heutigen Zuständen ist der Boden unserer großstädtischen Straßen mit einem dichten Netzwerk durchzogen, und darin liegt ein Hauptgrund, weshalb das Hinüberleiten der elektrischen Ströme in den Boden nicht mehr: als unbedenklich gelten kann.
Kesirndyeitspflege.
WatteimOhr. Es giebt Leute, die bei der geringsten Erkältung des Kopfes übel' Reißen klagen oder Zahnschmerzen bekommen, und diesen Leiden Einhalt zu thun glauben, durch das Tragen von Watte oder Baumwolle im Ohr, die sie womöglich mit Spiritus oder Kölner Wasser getränkt haben. Der Gehörgang wird durch langes Tragen der Watte verweichlicht; die kleinen feinen Drüsen, die zur Absonderung des Ohrenschmalzes dienen, werden in ihper Thätigkeit geschwächt. Es dient den gesundheitlichen Zwecken durchaus nicht, Watte im Ohr zu tragen, auch wird das
Schönheitsgefühl verletzt, und manches ernste Gehörleiden hat seinen ursprünglichen Grund in dieser Unsitte.
Eine alte Bauernnahrung war die Hafergrütze. Heißt doch das Sprichwort: „Denn Geduld und Hafergrütze, sind zu vielen Dingen nütze". Eine Zeit lang war durch die neuere Zeit die Hafergrütze ganz außer Gebrauch gekommen. Der Pfarrer Kneipp war einer der ersten, der auf den hohen Nährgehalt des Hafers verwiesen hat, und Kneipp war auch hier Bahnbrecher. Die Aerzte, besonders Kinderärzte und Professoren, empfehlen jetzt besonders oft für Gesunde, Kranke und Kinder die Hafersuppen und den Haferbrei. Die Hafersuppen sind schmackhaft und vor allem viel nahrhafter als viele andere Suppen, wie Sago, Reis und dergleichen, und vor allem sind sie sehr leicht verdaulich. In den Städten, so gehen die Dinge oft ihren Gang, wird heute die Hafernahrung bereits mehr geschätzt wie auf dem Lande; man wird in der Stadt keinen Kaufladen finden, wo es nicht Hafersuppeneinlagen zu kaufen giebt, die alle möglichen Namen führen, wie Platthafer, Haferflocken, Haferflaum, Quäkers Oats, und diese Ware wird, in schönen Paketen verpackt, das Pfund oft um 50 bis 60 Pfg. verkauft.
Kür die Küche.
Bereitung des Schrotbrotes. Drei Liter feines Schrotmehl (kein Salz, keine Hefe, kein Sauerteig) knete man in einem Liter abgekochter lauwarmer Milch zu einem elastischen Teig, der sich leicht von der Hand und Schüssel löst, teile die Masse in zwei Teile und rolle einen jeden für sich auf dem Brette sehr rasch hin und her, ohne daß Mehl unter-gestreut wird. Beiden giebt man die Form länglicher Brote von etwa 4—5 Ztm. Höhe, bestreicht sie mit kaltem Wasser und macht mit dem Messerrücken 4—6 leichte Einschnitte hinein. Nun kommt das Brot sogleich auf ein mit Mehl bestreutes Blech in einen gut geheizten Ofen oder in den Bratofen eines Küchenherdes. Nach anderthalb bis zwei Stunden ist es ausgebacken. Bei der Teigbereitung ist Milch dem Wasser vorzuziehen; denn sie macht das Brot lockerer als dieses, schmackhafter und nahrhafter.
Vermischtes.
Die Wärmeentwickelung im Körper eines erwachsenen Menschen beträgt, wie der „Praktische Wegweiser", Würzburg, schreibt, durchschnittlich täglich! so viel, als erforderlich ist, um 2500 Kilogramm oder Liter Wasser um 1 Grad C. oder 25 Liter um 100 Grad C. zu erhitzen. Bei 100 Grad C. kocht aber das Wasser. Wenn wir also die im Laufe eines Tages in unserem Körper erzeugte Wärme zum Kochen verwenden könnten, so würden wir damit einen großen Topf mit 25 Liter Inhalt zum Sieden bringen. Wie würde es uns ergehen, wenn diese Wärme im Körper zurückgehalten, wenn ihr nicht vielmehr durch die Wärmestrahlung unserer ganzen Körperoberfläche ein Ausgleich nach außen hin möglich gemacht würde? S.
Diamanträtsel.
Nachdruck verboten.
In die Felder nebenstehender Figur sind die Buchstaben AA, BBB, D, EBBE, FF, L, N, RRB.RRR, 8, T, UUU derart einzutragen, daß die mittelste wagerechte und senkrechte Reihe gleichlautend ist, und die Buchstaben, wagerecht gelesen, folgendes bedeuten: 1. Konsonant; 2. Empfindung; 3. Naturerscheinung; 4. Teil des Jahres; 5. Körperteil; 6. technisches Hilfsmittel; 7. Konsonant.
Auflösung in nächster Nummer.
Auflösung des Bilderrätsels in voriger Nummer: Der gute Name ist das beste Erbstück.
Redaktion: E. Burkhardt. — Druck und Verlag der Brühl'schen Univerfiläll-Buch- und Strindruckerei (Pietsch Brdea) in Gieß«.


