Ausgabe 
9.6.1901
 
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wunderbares, tiefes Schweigen, ß3^- Wie einsam ist's noch auf der Welt! WD Die Wälder nur sich leise neigen,

Als ging der Herr durch's stille Feld.

Ich fühl' mich recht wie neu geschaffen, Wo ist die Sorge nun und Not? Was mich noch gestern wollt' erschlaffen, Ich schäm' mich deff' im Morgenrot. Die Welt mit ihrem Gram und Glücke Will ich, ein Pilger, frohbereit Betreten neu, wie eine Brücke Zu dir, Herr, über'm Strom der Zeit.

Eichendorff.

(Nachdruck verboten.)

Die Göttin des Glücks.

Roman von Reinhold Ortmann.

(Fortsetzung.)

Erst als sie hörte, daß ihr Bruder hinter ihr über die Schwelle trat, gewannen ihre Züge wieder das alte Aussehen, und jedes Anzeichen einer ungewöhnlichen Er­regung war mit einem Mal aus ihrem Antlitz verschwunden.

Das also war unser Gegner?" sagte sie.Du bist dchch ganz sicher, daß er es war?"

Natürlich bin ich's- Was für eine sonderbare Frage, Hanna!"

Und das Ergebnis Eurer Unterredung? Will er sich vergleichen?"

Ich zweifle nicht, daß es dahin kommen wird. Denn der Herr Regierungs-Assessor befindet sich, allem Anschein nach in einer sehr kritischen Lage."

Inwiefern? Kannst Du Dich nicht etwas deutlicher erlkären?"

Er hat eF mir natürlich nicht rund herausgesagt. Aber diese und jene Aeußerung, die ihm im Laufe des Gesprächs entschlüpfte, ließ doch erkennen, daß ihm an dem raschen Zustandekommen eines Abschlusses mit jenem Finanz-Konsortium außerordentliche viel gelegen sei. Und die Leute denken selbstverständlich Nicht daran, mit einem Besitzer abzuschließen, dessen Eigentumsrechte keine ganz zweifellosen sind. Wenn es wegen des Restorpschen Erbanteils erst zu einem Prozeß von unabsehbarer Dauer kommt, wird sich wahrscheinlich das ganze Gründungsprojekt zerschlagen."

Hat Hubert Wedeking däs gesägt?"

Er hat es wenigstens angedeutet. Und er ivur auf­

richtig genug, mir zu erklären, daß, auch nach seiner Ansicht durch die Auffindung des Briefes eine völlig veränderte Situation geschaffen worden fei. Der Restorpsche Anspruch), war vorher weder von ihm noch von jenen Finanzleuten ernsthaft genommen worden, da ihm jede Unterlage fehlte. Der Beweiskraft des Wedekingschen Briefes aber kann man sich, nicht wohl verschließen."

Hast Du ihn dem Assessor gezeigt?"

Jawohl da er mich darum bat."

Und er erkannte die Handschrift seines Vaters?"

Ich, weiß es nicht. Jedenfalls äußerte er keinen Zweifel au der Echtheit des Schriftstücks."

Und nun? Was wird weiter geschehen?"

Herr Wedeking erklärte, daß er sich, zunächst bis morgen Bedenkzeit ausbitten müsse, ehe er mir seine Vorschläge mache. Er wird, morgen eine Konferenz mit den Kapitalisten haben, die das Salzbergener Terrain kaufen wollen. Und von dem Ergebnis dieser Besprechung wird alles weitere abhängig sein."

Hanna blickte eine Weile nachdenklich vor sich nieder. Dann fragte sie:

Glaubst Du, daß er meine Untersuchung des Briefes aus seine Echtheit verlangen wird, ehe er Dir einen Ver­gleich; anbietet?"

Es wäre nur in der Ordnung, wenn er es thüte, und sein Anwalt wird ihm ohne Zweifel dazu raten."

Du würdest also darauf eingehen?"

Ohne weiteres. Die Prüfung kann ja nur zu unserem Vorteil ausfallen, und der geringfügige Zeitverlust hat keine Bedeutung."

Mer Du müßtest das Dokument zu dem Zweck aus der Hand geben."

Die Untersuchung kann vielleicht in meiner oder in Restorps Gegenwart erfolgen. Und für alle Fälle läßt man den Brief vorher photographieren."

Ja, das konnte man thun", sagte Hanna. Aber sie sagte es in einem Ton und mit einem Gesichtsausdruck, als wären ihre Gedanken bei ganz anderen Dingen. Bern­hard, der sie schon wiederholt forschend angesehen hatte, konnte sich nicht enthalten, zu fragen:

Du kommst mir heute so seltsam verändert vor, Hanna!

Ist Dir etwas Unangenehmes widerfahren?"

Nein", sagte sie.Ich habe nur schlecht geschlafen. Und deshalb möchte ich auch heute ganz ungestört bleiben. Ich werde auf meinem Zimmer speisen. Und wenn Harro kommen sollte, wirst Tu mich bei ihm entschuldigen. Ge­denkst Du den Restorps im Laufe des Tages einen Besuch zu machen?"

Mit verdüsterter Stirn schüttelte der Rechtsanwalt den Kopf.

Da sich Inge gestern abermals vor mir hat verleugnen