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Mas feine Rund ihrer Wangen, der wohlgestaltete Mund und vor allem ihre, von langen Wimpern beschatteten braunen Augen kurzum ein Antlitz von vollendeter Lieb- tid)!e4d) hatte die flüchtige Idee, sie schon irgend wo einmal gesehen zu haben, aber ich konnte mir darüber zunächst noch nicht klar werden. In jeder kleinen Pause nahm ich die Gelegenheit wahr und bückte zu ihr hin­über Sonderbar, es zu sagen, sie sah mich gewöhnlich im selben Moment an, und unsere Blicke begegneten sich. Einmal, ich könnte es beschwören, schien sie bei dieser Gelegenheit verächtlich zu lächeln, und ihre Augen ver­finsterten sich wahrnehmbar. Dasselbe wiederholte sich während meines zweiten Gesanges. Eine seine Art Magnetismus schien zwischen uns zu spielen. Ich wurde hervorgerufen, und nachdem ich dieser Aufforderung ent­sprochen, entfernte ich mich vom Podium. Als ich wieder auftrat, war der Platz, den sie eingenommen hatte, leer. Es ärgerte mich sehr, und ich folterte mein Gehirn, um mir zu vergegenwärtigen wo ich sie gesehen hatte.

Als ich in das Künstlerzimmer zurückkehrte, erwartete Mich eine Ueberraschung. Ein winziges Briefchen lag aus meinen Gesangnoten, mit meinem Namen auf dem Um­schlag. Augenblicklich ergriff mich der Gedanke, daß es mit der Eigentümerin des lieblichen Antlitzes in Ver­bindung stände, und ich riß es mit vor Erregung bebender Hand aus. Im Innern befand sich eine einfach mit Blei­stift von zierlicher Damenhand geschriebene Karte folgenden Inhalts:Kommt und besucht mich, ich habe Euch etwas zu sagen". Ich war zu gleicher Zeit erfreut und enttäuscht. Erfreut, weil ich fühlte, daß meine Vermutung richtig gewesen war, enttäuscht, daß sie keinen Namen angegeben oder keinen Anhalt, wonach ich sie wiedererkennen konnte. Sie nannte nur die Adresse: 15 Osborne Terrace.

Ich sah nach meiner Uhr und zögerte. Zehn Minuten vor fünf Uhr. Ich konnte eine halbe Stunde entbehren und noch zur Zeit im Theater sein. Mein Entschluß war bald gefaßt.

Ich nahm eine Karte aus der Tasche und kritzelte hastig einige Zeilen aus die Rückseite:Lieber Jack, es thut mir leid, daß ich Dich nicht, wie verabredet, treffen kann, ich habe eine wichtige Zusammenkunft. Max". Sre war für Jack Alberty, unfern Tenor. Ich hatte versprochen, ihn im Klub zu treffen, und nachher mit ihm zusammen ins Theater zu gehen. Nachdem das vollbracht, begab ich mich zu der von meiner schönen Korrespondentin gege­benen Adresse.Ist. . . ." sragte ich das nette Haus­mädchen, welches auf mein Klingeln geöffnet hatte, und dann stammelte ich und blickte albern und dumm um mich. Ich hatte vergessen, daß ich ihren Namen gar nicht wußte. Das Mädchen lächelte hinter ihrer Schürze.Es ist schon richtig, Herr, wollen Sie gefälligst hier eintreten", sie wies mich in das reizendste Boudoir. Kostbare Vor­hänge und Decken, der schwere Axminster auf dem Boden. Kleine Kunstgegenstände rund im Zimmer in überreicher Fülle zeigten, daß seine Bewohnerin an Luxus gewöhnt sei. Ein bis zwei Minuten später öffneten sich die Vorhänge und es erschien nicht die, welche ich erwartete, sondern Barrand ! Ich war starr vor Bestürzung. Ich hatte seine Existenz saft vergessen, nur das unverschämte Lächeln auf seinem Gesicht brachte mir lebhaft die Umstände unserer letzten Begegnung in Erinnerung.

So treffen wir uns also wieder, Mr. Deuchars?" Es scheint so", erwiderte ich kalt, und wie ich sah, daß er im Begriff war, weiter zu sprechen, fügte ich hinzu: Aber wollen Sie gefälligst Ihre Dame benachrichtigen, daß ich hier bim Meine Zeit ist bemesfen". Ich be­handelte ihn wie einen Bedienten. Ich hatte gehört, daß er seit seinem Mißgeschick der Unmäßigkeit verfallen war und allmählich die soziale Leiter herabgesunken wäre. Nach Zögerung eines Augenblicks, während welcher er zu über­legen schien, ob er die Unterhaltung fortsetzen oder meine Abweisung annehmen sollte, wählte er, sehr zu meiner Erleichterung, das letztere und verschwand. Es verstrichen vielleicht fünf Minuten. Wieder teilten sich die Vorhänge, und diesmal Ah! Ich schritt hastig vorwärts, um meine Angebetete zu begrüßen.Ich muß sehr um Ent­schuldigung bitten, daß ich Sie habe warten lassen, Mr.

Deuchars" sagte sie.Ich wagte kaum zu hoffen, daß Sie Zeit finden würden, mich zu besuchen".Die Schön­heit braucht nur" einen Wunsch auszudrücken und augen­blicklich wird er Befehl", erwiderte ich in meiner zartesten Art und machte den Versuch, ihre Hand zu ergreifen, als

Hohoho! ein Ausbruch, von höhnischem Gelächter unter­brach die galante Absicht und bewog mich, bestürzt zurück­zutreten. Ein wütender Griff in eine flächserne Perrücke .... das Geräusch einer Kleidung, die rauschend ab­gestreift wurde.... Barrand!r rx ,

Es war eine groteske Gestalt, die nur gegenuberstand. Weibliche Kleidungsstücke hingen hie und da um sie herum. Und die hastige 9trt, mit der er sein Gesicht gereinigt, hatte die Wirkung, daß Schminke und Puder sich in un- aleichen Flecken und Klecksen darauf verteilt hatten. Nun verstand ich. Ich habe schon gesagt, daß er ein vollendeter Meister in der Kunst des Maskierens war, und fein schmäch­tiger, mädchenhafter Bau hatte sein Talent gar wunder­bar unterstützt. Ich war angeführt, zum Narren gehalten, vollkommen getäuscht worden. . .

Und nun? In welcher Absicht hatte er mich in seine Macht verlockt? Denn in seiner Macht war ich, das fühlte ist In seinen Augen war ein Schimmer von beginnendem Wahnsinn, und das Lächeln spöttischen Triumphes aus seinem beschmierten und gepuderten Gesicht gab ihm das Aussehen einer unwirklichen phantastischen Gestalt, irgend eine launenhafte Eingebung einer überhitzten Phantasie. Ein Gefühl von drohender Gefahr ließ mich leicht zusammen­schauern. ., . , .., ,

,Nun, Mr. Deuchars, bin ich nicht eme entzückende junge Dame? Wässert Ihnen nicht der Mund, wenn ich Sie mit meinen süßen Micken anschaue? Sw dachten gewiß, ich hätte meine Rache vergessen, weil ich so lange damit zögerte. Barrand vergißt nichts. Ich habe lange auf eine Gelegenheit gewartet jetzt aber.... sehen Sie dies?" sagte er, plötzlich abbrechend. Es war ein Re­volver, und ich blickte surchtsam. aus den glänzenden Lauf Soll ich Ihnen sagen, was ich damit beabsichtige? Aber lassen Sie mich Ihnen zuvor gratulieren. Sie. sangen heute nachmittag gut, außerordentlich gut Mm letzten Mal"

Der Nachdruck, den er aus diese letzten Worte legte, die meinen Argwohn bestätigten, ließ mein Herz lauter schlagen. Bitterlich verwünschte ich die kopflose Narrheit, die mich in seine Gewalt gebracht hatte. Ich war gefangen, wie eine Ratte in der Falle. Augenscheinlich gab es hier nur einen Ausgang, und er saß wachsam da und spielte sorglos mit dem Revolevr. Ich wartete in Bangen, was er nun beginnen würde.Es sind jetzt 25 Minuten bis 6 Uhr; um einhalb 7 Uhr müssen Sie im Theater sein, isUs nicht so 7 Aber Sie werden nicht dort sein, diese Absicht geben Sic auf. Ich mache Ihnen einen Vorschlag. Während der nächsten Stunde wollen wir beide uns hübsch ruhig unterhalten und während dieser Zeit, mein teurer Freund, wird der Regisseur zu sich selbst sagen: Wo zum Teusel steckt denn nur Deuchars? Er wird anfangen, sich zu ärgern und sich aufzuregen, wie er es schon ein­mal bei ähnlicher Gelegenheit gethan; denn der Stell­vertreter ist nicht da, und es existiert niemand, der Deuchars Partie übernehmen kann. Ach, Sie sind über­rascht, wie gut ich über alles unterrichtet bin, nicht wahr?"

Mit nichtswürdigem Raffinement zog er seine Worte in die Länge, verlängerte meine Tortur, bis kalter Schweiß mich überlief.Dies für den erfahrenen Direktor: Damit betrachte ich meine Angelegenheit mit ihm für erledigt. Für Sie, mein teurer Freund, habe ich einen anderen Vorschlag. Um 7 Uhr werde ich Sie einladen, ein kleines Hazardspiel mit mir zu spielen. Ich werde zwer Papier­stücke in Ihren Hut legen. Auf einem wird sich ^hr Name, auf dem anderen der meine befinden. Dann mögen Sie einen davon herausnehmen Sie sollen den ersten Zug haben. Trägt er Ihren Namen so sind Sie, frei Sie haben das Spiel gewonnen. Ist es der meinige, so habe ich gewonnen und werde Ihnen um einhalb 8 Uhr mit diesem Revolver eine Kugel durch den Kopf schleßen. Ich gebe Ihnen, wie Sie sehen, eine halbe Stunde Zeit, sich vorzubereiten. Ich habe nur noch eines hinzuzufugen. Machen Sie keinen Versuch zu entfliehen; ich habe hier