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cht die Gewalt der Armee, noch die Tüchtigkeit der Waffe, sondern die Kraft deS GemütS ist cS, welche Siege erkämpft.
Fichte.
(Nachdruck verboten.)
Die Seekömgin.
Seeroman von Clark Rüssel.
(Fortsetzung.)
Der junge Bursche rannte nach vorne, ganz Eifer und Dienstfertigkeit, und kam mit einem Paar zinnerner Teller, einigen Messern, einem Senfgefäß und einer zur Hälfte mit Essig gefüllten Flasche zurück. Er setzte alles dieses an Deck und sah äußerst vergnügt aus, etwas für uns thun zu können. Auf Richards Geheiß sprang er sodann in das längsseits liegende Boot und brachte unseren Brotsack an Deck.
Wir hatten jetzt alles zu einer Mahlzeit erforderliche und begaben uns in den Backbordgang unter den Schatten des Großsegels. Dort häuften wir das Tauwerk zu Sitzen zusammen und begannen unser Mahl. Das Schweinefleisch war ziemlich gut und schmeckte Imit tüchtig Essig und Senf ganz ausgezeichnet. Sowohl Richard als iä); waren mehr erschöpft als hungrig; aber doch that uns dieses Frühstück, nachdem wir im Boot nur von Zwieback gelebt hatten, sehr wohl, namentliche aber auch! die Ruhe und die bequeme Stellung, in der wir es verzehren' konnten. Spence aß mit großem Appetit; der arme Bursche schien halb verhungert zu sein.
„Sinn, mein Junge", meinte Richard, „Sie haben wohl großen Hunger? Wie kommt das? Sie erzählten doch, es wäre so viel zu essen hier an Bord?"
„Ich hatte auch genug, Herr", erwiderte er, „so lange alle Mann wohlauf waren. Als aber auch der Kapitän starb und ich nun der einzige Mann an Bord war, da dachte ich nicht mehr ans Essen. Ich ging nach vorne und setzte mich zwischen dem Fockmast und dem Hause nieder und erwartete den Tod."
„Das war nicht britische Seemannsart, Spence", meinte Richard. „Sie sollten ein Notsignal gehißt und einen scharfen Ausguck gehalten haben. Wieviel Mann gehörten zu Eurer Besatzung?"
„Da war der Kapitän und Steuermann, zwei; vier Matrosen, sechs; zwei Jungens, acht, und der Koch, neun."
„Sie sagen,, der Steuermann wurde zuerst krank und starb."
„Ja", antwortete der arme Bursche, indem er sein
wildes, rötliches Haar zurückwarf, sodaß die Augen, die wie mit roten Ringen umzogen aus dem das Gesicht bedeckenden Schmutz hervorblickten, sichtbar wurden. „Der Steuermann war der erste. Das war, als wir acht Tage von Sherborough aus waren. Er war zwei Tage krank, und während dieser Zeit legten sich noch zwei andere, beides Vollmatrosen. In fünf Tagen waren sie alle tot. Dann wurde der andere Junge krank und starb zwei Tage darnach, und wir warfen auch ihn über Bord wie die anderen. Wir waren nun noch fünf, den Kapitän mitgerechnet. Dann legten sich wieder zwei, und am Tage darauf auch der dritte, der Koch Der Kapitän war ganz abgemattet; Medizin hatten wir nichi an Bord und konnten ihnen auch nicht helfen. Wir hörten sie manchmal schreien, wenn sie phantasierten. Aber der Kapitän und ich, wir mußten auf die Brigg aufpassen mth konnten nichts weiter 'für sie rhun, als ihnen einen Tops mit Wasser hinstellen, damit sie trinken konnten, wenn sie durstig waren, Gott, was war das für 'ne Zeit!" Bet diesen Worten strich sich das arme Wesen mit der Hand über die Stirn, um sich einige große Schweißtropfen abzuwischen. Seine Hand zitterte wie bei einem alten Manne.
Richard sah mich an und sagte leise: „Das ist das Seemannsleben! Aye diese Schnecken gehören mit dazu und sind unzertrennlich davon, was viele Landbewohner kaum glauben werden. Und jetzt", rief er, indem er aufsprang, „ist das Frühstück vorbei, und wir drei fühlen! uns etwas besser darnach, Also nun an die Arbeit, damit wir diese Brigg in solche Breiten bringen, wo es außer uns auch noch Leute gießt.. Spence, zunächst wollen wir das Deck aufklaren, damit wir sehen, wo wir eigentlich sind."
Alle drei begaben wir uns sofort daran, das Tauwerk über den Coffeynägeln aufzuschießen. Diese Arbeit war bald gethan, und als wir damit fertig waren, sprang Richard auf das flache Dach der Kajüte und warf einen langen Blick rings um den Horizont.
Nichts in Sicht", rief er aus, „nichts als schönes Wetter. Spence, springen Sie raus auf den Klüverbaum und machen den Außenklüver fest. Wenn er zu schwer für Sie ist, rufen Sie, und ich werde Ihnen dabei Helsen."
Dann stieg er an einer achtern am Deckhause angebrachten kleinen Leiter wieder herab, blickte in den Kompaß und rief mir zu, ihm zu helfen, die Raaen herumzuholen. Es war kein langes Manöverieren nötig; denn das Schiff lag nur ein paar Striche vom Kurse ab, den es steuern sollte. Jetzt konnte ich mich wirklich nützlich machen. Vermöge meiner Kenntnis der Takelage und des laufenden Gutes war ich im stände, jeden Befehl sofort auszuführen. Wenn Richard mir sagte, ich solle die und die Brassen loswersen, that ich es sofort und ging dann hinüber, um ihm auf der anderen Seite beim Holen zu helfen. Gr schien seine ganze


