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orte giebt's, die nie verhallen;
Sie sind wie Steinchen, die gefallen In einen Brnnen schwarz unb tief, Und die von Kant zu Kante springen Und stets vom neuem auswärts klingen, Wenn scheinbar längst ihr Ton entschlief.
Moritz
Hartmann.
(Nachdruck verboten.)
Die Seekönigin.
Seeroman von Clark Rüssel.
(Fortsetzung.)
Mein Mann legte seine Hand auf die Thürklinke, als- ob er eintreten wollte; dann besann er sich und trat zurück. Ich folgte ihm. Staunen und eine Art üoit Grauen hatte sich meiner bei dieser unheimlichen Stille bemächtigt, und ich hatte alle Gefahren, denen wir entronnen, darüber völlig vergessen.
„Das ist im höchsten Grade rätselhaft und geheimnis-: voll", sagte Richard immer noch im Flüsterton. „St! Hörst; Du nichts?"
Ich lauschte und Antwortete: „Nichts als das Flappen der Segel."
„Ich werde vorn mal nachsehen", sagte er; „bleibe, wo Du bist, Jessie."
„Nein, nein", rief ich aus, „laß mich mit Dir gehen.". Diese Kajüte erregte meine Angst bedeutend mehr, als ber Aufenthalt in dem kleinen Boot es gethan hatte.
Er nahm mich bei der . Hund, um mir Mut einzuflößen; und mir auch über das Gewirr von Tauwerk an Deck hin-; wegzuhelfen; wir gingen bis Wi die Thür des vordersten Deckhauses. Sie war geschlossen. Mein Mann öffnete sie,; steckte den Kopf hinein und sprang sofort wieder zurück,, indem er mit den Anzeichen des höchsten Ekels auf Deck, spuckte.
„Herr des Himmels!" rief er aus. „Welch furchtbare Luft! Da^ ist noch schlimmer, als' die Dämpfe auf der „Aurora".
Kaum hatte er dies gesagt, als auch ich einen tauten Schrei ausstieß und schaudernd zurückwich. Aus dem vorderen Ende des Deckhauses war die hagere, verstörte Gestalt eines Mannes herausgetreten. Ob' er jung oder alt sei, konnte man nicht erkennen. Das Gesicht war mit einer förmlichen Schmutzkruste überzogen. Langes, rotes Haar hing wild und verworren um sein Gesicht, aus dem die blutunterlaufenen Augen hervortraten. Er trug ein rotes Hemd und Segeltuch-Beinkleider, die bis über die Knie
aufgerollt waren. Arme und Brust waren bloß, und die Arme sahen wie das Gesicht schwarz und schmutzig aus, wie bei einein Kohlenbergwerksarbeiter. Nach der Art, wie er uns anstarrte, zu urteilen, mußte er wahnsinnig sein, und ich schmiegte mich eng an Richard an. Unser Anblick schien geradezu versteinernd auf ihn zu wirken. Sein Unterkiefer sank herab; dadurch wurde seine untere Zahnreihe sichtbar und erhöhte noch das Furchtbare seiner Erscheinung. Seine Arme hingen schlaff, doch mit weit auseinandergespreizten Fingern herunter, als ob er sie im nächsten Augenblick erheben wollte, um uns abzuwehren.
„Sind Sie einer von der Mannschaft?" rief Richard, indem er vor mich hintrat. Er war ebenso erstaunt über diese außergewöhnliche und wirklich schrecklich aussehende Erscheinung wie ich selber, wenn er auch allerdings keine Furcht davor hatte.
Das unglückliche Wesen starrte uns noch immer unbeweglich an. Ich flüsterte Richard zu:^ „Er versteht vielleicht kein englisch." Als aber mein Mann ihn zum zweiten- male in unserer Sprache anredete, antwortete er mit rasselnder, seltsanr hohl klingender Stimme, aber vollkommen verständlich :
„Ja. Aber wer sind Sie? Wo kommen Sie her?"
„Wir sind Schiffbrüchige", erwiderte Richard. „Wir entdeckten dieses Fahrzeug bei Tagesanbruch und hielten darauf zu. Wo sind die anderen Leute von der Mannschaft?"
„Tot", war die Antwort.
„Ha!" rief Richard und wich einen Schritt zurück, indem er einen flüchtigen Blick auf das Deckhaus warf. „Woher kommt Ihr denn?"
„Von Sherborough", antwortete der Arme. Er sprach, als ob er im Traume wäre.
„Sherborough, dicht bei Sierra Leone?"
„Ja."
',/Was habt Ihr geladen?"
„Palmkerne."
„Ist niemand weiter übrig als Sie?"
„Niemand." Dann schlug der Unglückliche, als ob er aus dem Traum erwache, beide Hände vors Gesicht und rang sie darauf mit jammervoller Gebärde über seinem Kopfe, indem er rief: „Alle außer mir sind tot, am Fieber gestorben. Herr! O, mein Gott, was habe ich für eine schreckliche Zeit durchgemacht, so ganz allein! Sind Sie gekommen, Herr, mich zu erlösen?" Damit rannte er auf. uns zu und blieb auf Armeslänge vor Richard stehen, indem er uns mit einem jammervoll flehenden Ausdruck anblickte.
„Ja", sagte Richard. „Mit Gottes Hilfe, Mann, wollen wir Sie retten und uns selber auch. Ist irgend etwas zu essen an Bord?"


