Ausgabe 
30.1.1900
 
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auf bte Augen. Gegen das Brennen der Augen (infolge von Studium u. s. w.) hilft Waschen oder Baden mit Fenchelwasser. Fenchel ist also eines der vorzüglichsten

I berer Leiben im Gefolge haben.Leute, bte an Blähungen uttb Gasen zu leiben haben", sagt Vater Kneipp,haben I große Unruhe in ben Gebärmen, fühlen oft ein gewaltiges I Kollern, sinb ziemlich stark aufgetrieben, uub nach oben unb I unten gehen viele Gase ab, worauf es ihnen leichter wirb.

Sinb bte Anhäufungen von Gasen stark, so bewirken sie bet bent einen Angst; ber anbere bekommt gern Schwinbel, Kopfweh ober auch anbere liebel: Schlaflosigkeit, Seiten­stechen, Kreuzschmerzen unb selbst hochgrabige Nervosität I u. s. w. Wie sich bie Gase schwächer ober stärker ansammeln können, so können sie sich auch berart steigern, baß eine gefährliche Krankheit, bte Winbkolik, entsteht, bei welcher eine starke Ausbehnung bes Darmes stattfinbet, bte hef­tigsten Schmerzen sich fühlbar machen, unb ein Zer­platzen bes Darmes zu befürchten ist. Die Schmerzen I finb groß, unb bie Entleerung ber Gase ist unmöglich".

Hier ist es vor allem ber Fenchel, allein ober mit Anis unb I Kümmel, welcher schnell bie Schmerzen nimmt, unb bent Kranken große Erleichterung bringt, unb zwar muß ber Avsub ganz heiß getrunken werben. In Milch gesotten, ist Fenchel noch bebeutenb wirksamer; auch sechs bis acht Tropfen Fenchelöl, in warmem Wasser eingenommen, bringen rascheste Hilfe. Gegen Magenkrämpfe, Leibgrim­men unb innere Erkältungen giebt es kein besseres Mittel als Fenchelmilch, so warm wie möglich genossen. Fenchel, in ber Milch gesotten, bient auch bazu, biefe selbst verbau- kicher zu machen. Wenn manche magenschwache Personen bie reine Milch gar nicht vertragen, so ist sie bvch mit einem Zusatz von Fenchel ziemlich leicht bekömmlich, unb ein Gerinnen im Magen ausgeschlossen. Fenchelmilch ist auch von befonberem Nährgehalt, unb sollte barum von

I sehr blutarmen unb herabgekommenen Personen häufig, aber in kleinen Portionen, zur Stärkung unb Blutbilbung genossen, werben. Weiter wirkt Fenchelmilch außerorbent- lich wohlthätig bei Schleim- unb Wechselfieber, welch letz­teres beshalb so gefürchtet ist, weil oft ein so schneller Verfall ber Kräfte eintritt, baß bas Enbe meist plötzlich unb unversehens hereinbricht. Bei asthmatischen Zustänben unb Krampfhusten eignet sich zur Lösung bes Krampfes von innerlichen Mitteln hauptsächlich toieber heiße Fenchelmilch. Auch wenn es sich barum handelt, ben Körper rasch in Schweiß zu bringen, namentlich bei beginnenber Influenza, >st Fenchelmilch vorzüglich. Dieses einfache Mittel war in früherer Zeit bei berartigen Zuständen stets in Gebrauch und genügte infolge des darauf eintretenden reichlichen Schweißes tn den weitaus meisten Fällen, um den unan­genehmen Gast in kurzem los zu werden.Ich kann mich nicht erinnern, daß wegen der Grippe (Influenza) jemals em Arzt geholt wurde. Sie ging bei dieser Behanblungs- weise ganz unschädlich vorüber", sind Vater Kneipps eigene Worte. Noch auffälliger ist die Wirkung des heißen Fenchelabsudes oder der Fenchelmilch bei Cholerine und Cholera, wo durch reichliche Schweißerzeugung und Stil­lung des Erbrechens bald jede Gefahr beseitigt wird. Auch heftiger Durchfall muß bei Anwendung des Fenchels, als Absud in Milch ober Rotwein gekocht, weichen. Zu gleichen Teilen, mit Anserine unb Raute vermischt, giebt ber Fenchel einen vorzüglichen Thee bei krampfartigen Zu­ständen unb Schwinbelanfällen; mit Angelika unb Augen­trost angesetzt, bilbet berselbe ein wirksames Magenmittel. Ein Teil Fenchel mit zwei Teilen Foenum graeeum ver­mischt, ist vorzüglich gegen Blutspeien, Verstopfung, innere Hitze unb Blasenleiden. Mit Honig unb Milch giebt er ein Mittel gegen Husten, Magenverschleimung unb Auszehrung ber Kinber. Mit Wermut unb Wacholberbeeren hält Fen­chel auf Reisen ben Magen in Orbnung. Auch als husten- stillenbes Mittel finbet ber Fenchel Verwenbung; als Gur­gelwasser gebraucht, heilt er rauhen Hals unb Heiserkeit. Schließlich bars nicht unerwähnt bleiben, baß Fenchelabsud unb Fenchelmilch, innerlich genossen, bei Vergiftungen sehr gute Dienste leisten.

Zu Hilfe! schrie Milbreb, rasch!

Der Manu am Ofen sprang auf!

Dort! Sehen Sie! Rasch! Rasch!

Der Wächter begriff sogleich, öffnete bie Thüre unb burchschmtt bie Kleibungsstücke, an welchen bas Mäbchen sich aufgehängt hatte. Bald erwachte sie toieber zum Leben unb überschüttete ihn mit Flüchen. Ohne barauf zu achten, beobachtete er sie jetzt aufmerksam, bis sie in Stumpfsinn verfallen zu sein schien.

Fortsetzung folgt.

Fenchel, Kümmel und Anis.

Nachdruck verboten.

Diese drei Pflanzen ans der Familie der Dvlden-Ge- wächse kommen wild nur im südlichen Europa, auf sonnigen, steinigen Anhöhen vor, werden aber vorwiegend sowohl dort wie auch im übrigen Europa als Gewürz­pflanzen in Gärten gezogen. Ihre heilkräftigen Wirkungen sind im allgemeinen die gleichen, weshalb sie auch häufig miteinander vermischt gebraucht werden. Allen voran steht ber Fenchel.

Wegen seines angenehm gewürzhaften Geschmackes wirb bie Frucht bes Fenchels ebenso wie jene bes Kümmels beim Einmachen bes Sauerkrautes unb bei ber Zubereitung des Topfenkäses als Beigabe Oertoenbet. Zu Heilzwecken kommt ber Fenchel erstens äußerlich als Augenwasser in Betracht. Man nimmt zu biefent Zwecke auf einen Viertel­liter Wasser einen Kaffeelöffel voll Fenchel, zerstößt ben- selben unb siebet ihn etwa fünf Minuten lang, läßt bie ' Abkochung stehen, bis ber Fenchel zu Boben gesunken ist, unb bas Augenwasser ist fertig. Dieses Augenwasser, als Auflage gebraucht, reinigt unb kräftigt bas Auge stngemein, unb hat in Verbindung mit ben Augenbädern schon Tau­sende .von ihrem Augenleiden befreit. Auch bei roten und trüben Augen, sowie bei Entzündungen der Hornhaut haben sich Waschungen mit Fenchelwasser sehr wirksam erwiesen.'. Noch energischer wirken die Angendämpfe von Fenchelpul­verabsud, und da ein Augendampf gewöhnlich zugleich in Verbindung mit dem Kvpfdampf genommen wird, so ge­langt der Fencheldampf durch die Atmung auch in den Magen, um auch dort zu stärken und aufzulösen. Sogar der innerliche Genuß des Fenchels ist, abgesehen von cmbe- xen günstigen Wirkungen, von sehr wohlthätigem Einfluß

sür seine Hilfe unb für sein Vertrauen zu mir, sagte Milbreb. Nach einer langen Umarmung trennten sie sich Zukunft Örme 9reäbt^en »iit mehr Hoffnung in bie

Nachbem bie Bettstücke gebracht worben waren leate IS? Stärkung ber Sehkraft. ^Jnner-

fie sich nieber um zu schlafen, um Kräfte zu sammeln Aus tC$ Fenchel, wie schon erwähnt, vor allem auflösend, ihrer halben Betäubung würbe sie burch einen schrillen b- h- gastreibend. Die

Schrei aufgeschreckt. Auf ben Treppen würben Schritte r!u,e lItb ~e§ bekanntlich, bte burch Auftreibung des Unter­gehört unb bann wieder wildes Geschrei. Einen Augen- I Schmerzen veruriachen, unb eine Unzahl an»

blick später zogen zwei Polizisten ein Weib herein, welches- sich wütend sträubte unb schrie. '

Es war ein schrecklicher Anblick; bie Gesichter ber großen Manner waren burch bie Anstrengung gerötet, benn bas Weib schien übernatürliche Kräfte zu besitzen. Fhre Kleidung war zerrissen unb beschmutzt, ihr langes, schwar- zes Haar hing wirr um ihre Weiße Stirn unb ihre Augen glühten tote im Wahnsinn. Enblich würbe bas Weib in eine Zelle gebracht, welche Milbrebs Zelle gegenüberiag, unb bann eingeschlossen.

Nun bleibe ba brinnen, Du betrunkener Teufel bis Du nüchtern bist! sagte ber eine Polizist, heftig atmenb nach ber Anstrengung, unb barauf entfernten sie sich

Milbreb schrak zurück unb hielt sich bie Ohren zu, um nrcht bas Geschrei unb bie gräßlichen Worte zu hören, welche bas Weib ausstieß. Der Gefängniswärter saß schläf­rig tn einiger Entfernung am Ofen unb ließ sich burch ben Lärm nicht stören.

Enblich würbe bas Weib ruhig. Balb barauf vernahm Milbreb Geräusch, als ob ihre schreckliche Nachbarin bie Thur zu öffnen versuchte. Milbreb blickte burch das eiserne Gitter und war zuerst verwundert über bas, was sie sah, 5?atmnab,err. ihr Herz still, benn sie bemerkte, baß das Wem sich än bem Gitter über ber Thüre aufgehängt