Ausgabe 
27.10.1900
 
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Zum 100. Heöurtstage Mottkes am 26. Oktober 1900.

Ein Gedenkblatt von Alwin R ö m e r.

Nachdruck verboten.

Es geht ein heimlich Rauschen Heut' durch das deutsche Fahnenheer, Ein Helles Blicketauschen Vom Pallasch zum Ulanenspeer!

Mir ist, als hört ich dringen Kolonnenschritt von Berg zu Thal, Und geisterhaft erklingen Ein schmetternd' Sturmsignal!

Aus jedem Mörserschlunde Lugt es heraus geheimnistief, Als ob zu dieser Stunde Rings weckend eine Stimme rief! Und mancher weiß zu melden Von 'stolzer Festen jähem Fall, Und von dem schlichten Helden, Dem großen Feldmarschall! . . .

An jedem deutschen Herde Sei Helmut Moltkes heut' gedacht, Des Tags, der ihn der Erde Bor hundert Jahren hat gebracht! Und Parchim sei gepriesen, Ob es auch klein und unbekannt: Es schenkte diesen Riesen Dem deutschen Vaterland! ...

O, schaut die Veteranen

Von.Straßburg, Wörth und Mars-la-tour, Und die auf seinen Bahnen Gezogen einst gen Sedans Flur, Die wie der Sturmwind scheuchten Den Feind verzweifelt durchs Gefild: Wie ihre Augen leuchten, Wenns ihrem Moltke gilt! . . .

Ruht' auch der kühne Denker Längst aus gar still von Lust und Leid, Sein Ruhm als Schlachtenlenker Strahlt ewig flammend durch die Zeit! Und Laub urdeutscher Eiche Soll heut' sein Bild umzteh'n Als Tank im ganzen Reiche Dem treusten Paladin! ...

(Nachdruck verboten.)

Unter dem Schwerte der Themis.

Roman von Reinhold Ortmann.

(Fortsetzung.)

Unterdessen bereitete Elli auf einer Kaffeemaschine das duftige Getränk. Sandory bewunderte verstohlen die Vor­nehmheit ihrer Haltung und die natürliche Anmut in jeder ihrer Bewegungen. Der tiefe, fast schwermütige Ernst, der jetzt auf dem schönen Gesichte lag, war sicherlich keine Maske, und ihre Schweigsamkeit verriet deutlich genug, welche Pein ihr durch das Verhalten der Mutter bereitet wurde.

Man trank den Kaffee aus Tassen, von denen keine der anderen glich; aber er verdiente vollauf den Ruhm, den ihm Frau Pollnitz gespendet hatte.

Ist sie nicht eine vortreffliche, kleine Hausfrau, meine Elli? Ja, sie würde überall ihren Platz aus­gefüllt haben, auch wenn es ihr nicht beschieden gewesen wäre, eine Künstlerin zu sein".

Die Wohnungsglocke schlug an, und über das dicke Antlitz der Schauspielerin ging eine Wolke des Verdrusses.

Das ist ohne Zweifel schon wieder Herr Ruthardt", seufzte sie.Geh' hin, ihm zu öffnen, Elli! Vielleicht empfiehlt er sich wieder, werm er hört, daß wir Besuch haben".

Ruthardt?" fragte Sandory, als das junge Mädchen hinausgegangen war.Ist das etwa der Sohn des bekannten Arztes?"

Jawohl! Er studiert mit meiner Elli ein Gedicht, das er gemacht hat, und das sie nächstens als Prolog auf einem Kostümfest sprechen soll. Ein ganz netter Mensch, aber etwas langweilig mit seiner ewigen Schwär­merei und anscheinend gänzlich, unbemittelt".

Ihre Hoffnung, daß der neue Besucher schon an der Thüre umkehren würde, war nicht in Erfüllung ge­gangen; denn kaum hatte sie in einem unnachahmlichen Tone äußerster Geringschätzung die letzten Worte ge­sprochen, als der junge Ruthardt eintrat. Er betrachtete den Fremden mit etwas mißtrauischem Blick; Sandory aber redete ihn nach der durch Frau Pollnitz bewirkten Vorstellung voll gewinnender Liebenswürdigkeit an:Wir sind eigentlich schon alte Bekannte, Herr Ruthardt; denn wir sahen uns ja vor kurzem im Kontor der Firma Norrenberg, als Sie die Güte hatten, mir einige Papiere umzuwechseln. Und überdies seitdem ich das Ver­gnügen hatte, Ihren Herrn Vater zu sprechen, bedarf es für jemand, der den Namen Ruthardt trägt, bei mir keiner Empfehlung mehr".

Sigismund erwiderte in seiner Befangenheit etwas.