Ausgabe 
25.3.1900
 
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kehr über den Quai de la Conference zwischen den neuen Palästen und der Alexanderbrücke; es war schwierig, den Verkehr an dieser Stelle ganz zu hemmen und die Fuß­gänger zu dem großen Umweg über die Champs-Elysees zu zwingen, wenn sie von dem Cours la Reine nach der Place de la Concorde wollten; auch war es thatsächlich unmöglich, den Straßenbahnverkehr anzuhalten. Es waren hier bedeutende Erdarbeiten auszusühren, da Wan die Chaussee um zwei Meter über ihr ursprüngliches Niveau erheben mußte, um sie auf gleiche Höhe mit der Fahrstraße der Alexanderbrücke zu bringen.

Um den Verkehr auf den Quais so wenig wie möglich zu beeinträchtigen, hat man, sich damit begnügt, den Wagen­verkehr aufzuheben und nur den Verkehr den Straßen­bahnen und Fußgängern zu gestatten; man hat die Straße in zwei Hälften geteilt, und während man die rechte Hälfte vollendete, überließ man die linke dem Verkehr.

Auch die Alexanderbrücke ist im großen und ganzen fertig. Was noch zu thun bleibt, bezieht sich nur auf die Details, die noch in letzter Stunde an Ort und Stelle an­geordnet werden können. Schon hat man auf die beiden Pylonen am rechten Ufer die Flügelrösse gestellt; man hat sie mit einer Schicht Glanzgold bedeckt, deren Anblick zwar jetzt etwas schreiend wirkt, sich jedoch mit der Zeit sicherlich mildern wird. Die Balustrade und die Kandelaber, welche die Uferpfeiler schmücken sollen, sind in den nächsten Tagen an Ort und Stelle. Es sind prächtige Werke der Firma Barbedienne, und werden den lebhaftesten Beifall finden. Der Anstrich der Brücke ist ein undefinierbares Gemisch von Grau, Blau und Weiß; eigentlich ist es eine ganz neue Farbe, und ein Witzblatt hat sie als couleur Pont-Alexandre bezeichnet.

Kommen wir auf das linke Seine-Ufer, so sind wir einigermaßen erstaunt über den Rückstand der im Vorder­gründe stehenden Paläste. An den beiden Haupteingängen des Mannsakturpalastes fehlt noch jeder Schmuck; und sie sollen doch sehr reich und voll dekoriert werden. Hier ist noch viel zu thun, aber das ist auch der einzige Teil, welcher so weit im Rückstände ist, daß seine Fertigstellung in Zweifel steht.

Die anderen Paläste an der Esplanade, die keinerlei Verzögerungen erlitten haben, und an denen man ruhig und regelmäßig weitergebaut hat, sind jetzt im ganzen fertig; es fehlt nur noch der Anstrich und der letzte Rest bildnerischen Schmuckes.

Einer der interessantesten Teile der Ausstellung die Seine-Ufer zwischen der Invaliden- und der Alma- Brücke ist auf dem besten Wege der Vollendung. Die beiden Fußgängerwege zur Seite der Brücken, deren Aus­führung der Firma Daydee & Pillee übertragen ist, sind in der Eisenarbeit vollendet; es fehlt nichts als ihre Stuck­verzierung. Die Paläste der fremden Staaten sind alle vollendet, außer dem türkischen, dessen Arbeiten sehr spät begonnen wurden; wenn wir auch einige dieser Gebäude noch von Gerüsten umgeben sehen, so hat man dieselben nur darum stehen lassen, um sich ihrer bei Ausführung von Malereien bedienen zu können, deren Ausführung man absichtlich auf die letzte Stunde verschoben hat, damit sie sich bei der Eröffnung der Ausstellung in vollster Frische zeigen.

Auf dem rechten Ufer ist der Gartenbaupalast schon sehr vorgeschritten. Die beiden großen Treibhäuser sind fertig montiert, und auch die Verglasung ist vollendet; nur die Rundbauten an beiden Stirnseiten und der Mittel­bau sind noch nicht gleich weit vorgeschritten.

Der Kriegspalast ist trotz der zahlreichen Schwierig­keiten, die sich seiner Ausführung in den Weg stellten, der Vollendung nahe. Seine schnelle Fertigstellung ist eines der überraschendsten Kraftstücke dieser Weltausstellung.

Hinter dem Kriegspalaste sehen wir eine ganze Reihe kleinerer Bauwerke, Gebäude, welche ausländische Gesell­schaften errichtet haben, um das Kriegsmaterial der ver­schiedenen Länder auszustellen. Unter diesen kleinen Palästen ist der bedeutendste zweifellos der an der Seine erbaute Creusot-Palast; er ist nicht sehr weit im Bau vor­geschritten ; die Streiks, unter denen die Metallkonstrukteure zu leiden hatten, haben anfangs bedeutende Verzögerungen veranlaßt; indessen man wird sich trösten müssen, wenn

einige Gebäude dem Publikum erst drei oder vier Wochen nach Beginn eröffnet werden. Die Ausstellung ist so um­fangreich, daß man ohnehin in wenigen Tagen nicht alles sehen kann.

Auf dem Marsfelde sind der Elektrizitätspalast und das Wasserschloß am weitesten im Rückstände. Man ist so­eben mit dem Rohbau fertig geworden, und wenn wir die rechtzeitige Vollendung dieser Bauten in Zweifel ziehen, so ist das gewiß kein weitgehender Pessimismus. Indessen ist hier in den letzten Wochen so außerordentliches geleistet worden, daß wir auch hier angenehm überrascht werden können.

Dasselbe können wir nicht in Bezug auf den Festsaal der Maschinengalerie sagen; denn es ist absolut unmöglich, daß er rechtzeitig fertig wird. Die dekorativen Teile dieses riesigen Bauwerkes erfordern eine Riesenleistung, und noch ist nicht einmal mit der Ausführung dieser Teile begonnen. Dies kann natürlich erst geschehen, wenn das Metallgerippe vollständig an Ort und Stelle ist und das ist auch nicht der Fall. Aber da der Saal Ausstellungsgegenstände nicht enthält, so ist dieser Fehler nicht so groß; allerdings wer­den diejenigen, welche zur Eröffnungsfeier nach Paris kommen, vermutlich deshalb untröstlich sein.

Die Jenabrücke, welche das Marsfeld vom Trocadero trennt, wird gegenwärtig in sehr bemerkenswerter Weise um 10 Meter verbreitert; von 14 Meter Weite bringt man sie auf 24; es werden Bürgersteige geschaffen, die auf Mauervorsprüngen auf beiden Seiten der Brücke ruhen.

Der Trocadero bietet schon jetzt einen reizenden An­blick mit all den so verschiedenartigen und buntgeschmückten Bauten der tropischen Länder und der französischen Kolonieen. Der wunderbare grüne Rahmen, den man ihm hier bereits unter Aufwendung künstlicher Mittel gegeben hat, paßt bewundernswürdig zu den Gebäuden, denen die kraftvolle Vegetation Lokalfarbe verleiht.

Man darf es nicht leugnen, daß in den vier Wochen, welche wir noch vor uns haben, außerordentlich viel zu thun ist; aber die meisten Firmen, denen die Bauarbeiten übertragen wurden, haben einen so großen Wetteifer ge­zeigt, daß die Ausstellung immerhin zur Eröffnung ein glänzendes Bild gewähren wird. Man wird aus manches verzichten müssen, aber ich glaube, daß die Gesamtwirkung uns dies vergessen machen wird.

Um den Besuchern der Ausstellung die Mühen einer Fußreise nach dem Sportpark zu Vincennes zu ersparen, baut gegenwärtig die Gürtelbahn-Gesellschaft einen neuen Bahnhof an der Claude-Decaen-Straße, zwischen den Stationen Bercy-Ceinture und Bel-Air, einige Meter von der Porte de Renilly entfernt. Dieses Thor wird einem Monumentalbau weichen, der als Haupteingang dienen soll. Man wird aber auch noch auf anderem Wege aus der Stadt nach dem Sportpark gelangen können.

Eine Arbeiterabteilung ist jetzt mit der Legung einer Straßenbahnstrecke beschäftigt, die von der Nationalbrücke, bei dem Thore von Bercy, ausgeht, über den Boulevard Poniatowsky bis zur Porte de Renilly führt, wo sie direkt in die Sport-Ausstellung einfährt. Eine zweite Straßen­bahnlinie, oder vielmehr eine zweite Sackbahn, beginnt bei der Ecke der Montempoivre-Straße und des Boulevard Soult und führt den letzteren entlang bis zur Porte de Renilly, durch welche sie nach der Sport-Ausstellung gelangt.

Mese Tramway-Linie wird nach Schluß der Aus­stellung wieder eingestellt. Sie dient dem Zweck, einer­seits den mit den Pariser Dampfbooten und den Tramway- Linien Clarenton-Louvre und Creteil-Louvre Ankommenden einen Anschluß nach Vincennes zu verschaffen, andererseits den mit der Vincennes-Eisenbahn Ankonkmenden und auf der Station Bel-Air Absteigenden denselben Dienst zu er- erweisen.

Was wird in der Abteilung zu Vincennes zu sehen sein? Zunächst die Hygiene-Ausstellung; ferner werden Deutschland, die Schweiz, Belgien, Oesterreich, Großbri­tannien dort unter anderem interessante Beispiele von Arbeiterheimstätten vorführen.

Etwas weiter hin sehen wir die Ausstellung für Eisen­bahnwesen. Dieselbe ist nicht mehr, wie in früheren Welt­ausstellungen, in irgend welchen Seitengalerieen unter-