Donnerstag den 25. Januar
1900.
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ohl dir, wenn, eh' dein Tag verflossen
Der Trost dich schützt:
Du hast dein Leben voll genossen
Und voll genützt. Frida Schanz.
Nachdruck verboten.
Heimatlos.
Roman von R. P. Roe.
(Fortsetzung.)
! XXL
Die Menschlichkeit in Newyork.
Frau Howell befand sich in tiefer Niedergeschlagenheit während der Abwesenheit ihres Mannes, umsomehr, als sie Tag um Tag vergebens auf Briefe von ihm wartete. Ihr kleiner Geldvorrat schmolz rasch zusammen u,td sie sahen bald ein, daß sie nichts weiter verkaufen durften, um nicht von der Not überrascht zu werden. Wenn der Water im Süden krank werden sollte, so mußten sie im staqde sein, ihm Hilfe zu senden. Deshalb sah sich Mildred mit äußerstem Widerstreben genötigt, an die Notwendigkeit zu denken, ihr Studium aufzugeben, um einen schnelleren Geldverdienst zu finden. Sie hatte schon beschlossen, ihrer Freundin Miß Wetheridge von ihrer Sorge Mitteilung zu machen, als sie einen kurzen Brief von ihr erhielt, der alle ihre Hoffnungen auf Hilfe von dieser Seite vernichtete. Mein Bräutigam, schrieb Miß Wetheridge, ist seit Jahren von schwacher Gesundheit und wurde vor einigen Tagen von einem Blutsturz befallen. Die Aerzte rieten ihm, sofort nach dem Süden zu reisen. Deshalb ließen wir uns zufolge unseres gemeinsamen Wunsches in Gegenwart weniger Verwandter trauen, und zu der Zeit, wo Sie diese Zeilen erhalten, sind wir auf dem Wege nach! dem Süden. Mein Herz ist voll Angst, und ich bete täglich zu Gott, das Leben des mir Teuren zu erhalten. Gern hätte ich Sie vor der Abreise besucht, aber es ist unmöglich, ich muß alles plötzlich stehen und liegen lassen. Schreiben Sie mir öfter.
Somit blieb Mildred nichts übrig, als ebenso wie viele andere schweigend an die Arbeit zu gehen, um ihr Lrot zu verdienen. Eines Abends erfuhr sie von Bella, daß in einem großen Laden auf der sechsten Avenue Stellen offen seien, und früh am nächsten Morgen befand sich Mildred unter einer Menge von Stellensuchenden. Ihre Erscheinung sprach so sehr zu ihren Gunsten, daß sie sogleich mit einem Gehalt von sechs Dollars die Woche angestellt wurde. Nur die unmittelbare Not hatte sie zu
diesem Schritt veranlassen können, denn sie bezweifelte mit Recht ihre Fähigkeit, das beständige Stehen auszuhalten. Der Laden war voll von Mädchen, welche ebenso schmächtig aussahen, wie sie selbst. Ihre Mutter weinte bitterlich, aber Mildred sagte entschlossen, wenn auch mrt einigen Thränen: Ich bin nicht besser, als hundert andere, und wenn sie aushalten können, so kann und will ich es auch.
Der erste Tag war ihr uuvergehlich. Der Helle Sonnenschein brachte eine Menge von Käufern, und bald war die Luft in dem Laden heiß und drückend. Sie war genötigt in diesem engen Raume zu stehen neben anderen Mädchen welche ihr fremd und zu beschäftigt waren, um ihrer Unerfahrenheit zu Hilfe zu kommen. Sie machte Versehen, welche Verweise hervorriefen, sie wurde verwirrt und schwach, und als der Mittag kam, war sie nicht im stände, ihr Frühstück zu verzehren. Wenn sie nur eine Tasse Kaffee gehabt hätte, so würde'sie ben TagAeicht überstanden haben, aber die Geschäftsinhaber waren zu sparsam, an einen solchen Luxus zu denken, und es blieb ihr auch nur kurze Zeit, um auszuruhen. Nachmittags wurde der Zulauf der Käufer noch stärker, als am Morgen, und unter den sich kreuzenden Fragen und Aufträgen geriet sie ganz und gar in Verwirrung. Plötzlich wurde es duukel vor ihren Augen, das geräuschvolle Gedränge verstummte, und sie sank nieder, sie hatte nicht Raum genug, um zu fallen.
Als sie wieder erwachte, fand sie, daß sie in das Ankleidezimmer gebracht worden war. Ein Mädchen kniete neben ihr, einer der Geschäftsinhaber blickte herein und fragte kurz: Wie geht es?
Mit dem Instinkt der Selbsterhaltung erhob sich Mildred. Es geht besser, sagte sie. Es war nur ein bischen fremd und die Luft war schwül. Aber ich bitte, entlassen sie mich nicht.
O, unbesorgt, erwiderte der Mann gutmütig. Das ist nichts neues, daß ein Mädchen am ersten Tage in Ohnmacht fällt. Sie werden sich schon daran gewöhnen, wie die anderen auch. Können Sie nicht nach Hause gehen, oder soll ich Ihnen eine Droschke holen lassen?
Nein, bitte, keine Droschke! Mama würde furchtbar erfchreckeu und würde mir nicht mehr erlauben, ins Geschäft zu kommen. Aber ich muß kommen, denn wir brauchen jeden Pfennig, den ich verdienen kann.
Nun, das ist vernünftig, und so ersparen Sie auch das Fahrgeld. Sie sind ein hübsches, kluges Mädchen, und ich werde Ihnen eine Stelle bei den Spitzen geben, nahe bei der Thüre, wo die Lust besser und die Arbeit leichter ist.
Ihr hübsches Gesicht werde dort nützlich sein, dachte er. _ .,, .
Sie sind sehr gütig, und ich kann Ihnen Nicht sagen, wie sehr ich dafür dankbar bin.
Gut, gut, es wird schon besser gehen, sagte der Ge-


