Ausgabe 
24.11.1900
 
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1900.

D

erfiiuine keine Pflicht und übernimm Nicht eine neue, bis du allen alten Genug gethan! Was sich mit.diesen nicht Verträgt, das weise von dir, sonst verwickelst Du dich in Dornen, die du nicht mehr lösest.

Leopold Scheser.

(Nachdruck verboten.)

Unter dem Schwerte der Themis.

Roman von Reinhold Ortmann.

lFortsttzung.)

Franz Norrenberg kämpfte einen kurzen, schweren Kampf. Aber die Liebe zu seinem Kinde behielt den Sieg.

Du nennst es beim rechten Namen", erwiderte er dnmpf.Ja, er ist ein Verbrecher!"

Er sah nicht, daß es wie triumphierende Freude in ihren dunklen Äugen aufleuchtete, oder er wüßte diesem sprühenden Blick nicht die rechte Deutung zu geben.

Das ist eine schchere Anklage", sagte sie langsam, eine Beschuldigung, die so abenteuerlich klingt, daß ich ihr wohl nicht ohne weiteres Glauben schenken kann, selbst wenn sie aus Deinem Munde kommt. Was für ein Ver­brechen ist es denn, das Sandory begangen haben soll?"

Frage ntitfy danach nicht! Glaubst Du, daß ich! es bis heute als Geheimnis bewahrt haben würde, wenn ich es verraten dürfte?"

Und das soll mir genügen? Du mußt mich für ein sehr thörichtes und unreifes Kind halten, wenn Du das erwarten konntest, Vater! Ist es wirklich) Deine Absicht, Diel)! auf diese Andeutung zu beschränken, so soll mir Sandory selbst Auskunft geben. Noch heute werde rch sie von ihm fordern."

Nein!" schrie er.Nein das wirst Du nicht thuni Giebt es denn gar nichts von kindlicher Ehrfurcht mehr in Deinem Herzen? Habe ich darum ein ganzes Leben voll Sorge und freudloser Arbeit für Dich aufgewendet, daß Du es jetzt wagen darfst, mich wie einen Lügner und Verleumder zu behandeln?"

Du hast keinen Grund, mir Vorwürfe zu machen. Wenn ich in einer Verbindung mit Sandory das einzige Glück meines Lebens erblickte, könntest Du dann von mir fordern, daß ich! auf Deinen bloßen Wunsch hin, nur aus kindlicher Liebe, dieses Glück zum Opfer brachte? Hieße das nicht Wucherzinsen für erwiesene Wohlthaten begehren? Und daß muiji ein leeres Wort, eine Anschul­

digung, die in der Luft schwlebt, von der Berechtigung, Deines Wunsches nicht überzeugen kann darfst Du mir das verübeln? Ja, wenn dieser Mann, den Du jetzt in seiner Abwesenheit einen Verbrecher nennst, ohne Dein Vorwissen in unser Haus gekommen wäre! Aber Du selbst hast ihn mir zugeführt. Wußtest Du denn damals nichts von seiner angeblichen Schuld?"

Wie Du mich marterst, Dora! Ja, ich wußte davon. Aber wie hätte ich ahnen können, daß Du, die verlobt« Braut eines anderen"

Du hast also den Verbrecher an Deinem Tische bewirtet", fiel sie ihm unerbittlich in die Rede,Du hast ihn in den Häusern unserer Bekannten als Deinen Freund borgeftellt, Deine Empfehlung war es, die ihm Äle Thüren erschlossen hat. Und nun mit einem Male soll ich! Dir glauben, daß er der verächtlichste der Menschen sei ich soll es Dir glauben ohne jeden Beweis, ja, ohne daß Du mir auch! nur offenbarst, worin sein Verbrechen bestand!"

Und fvenn ich! es Dir nun offenbarte würdest Du Dich! dann von ihm lossagen?"

Sobald es sich! dabei um eine Ehrlosigkeit handelt, gewiß!"

Nun denn dieffer Mensch), der sich jetzt Sandory nennt, ist ein Dieb, ein gemeiner Dieb. Man würde ihn auf der Stelle ins Gefängnis werfen, wenn man seinen richtigen Namen wüßte."

Ah und das ist die Wahrheit? Du bist dessen ganz gewiß?"

Bei meinem Leben schwöre ich Dir, Dora, es ist die Wahrheit!"

So nenne mir seinen Namen!" drängte sie mit fieberischem Eifer,sage mir, wann er jene strafbare That begangen hat, wo und gegen wen? Nachdem Du mir soviel verraten hast, kann es Dir doch nicht schwer fallen, mir auch, das letzte noch zu enthüllen."

Aber Franz Norrenberg schüttelte müde den Kopf. Ich habe Dir schon viel mehr gesagt, als ich durfte. Wenn Dir auch das noch nicht genügt, so besitze ich kein weiteres Mittel, Dich, vor dem Verderben zu retten."

Sie gab es noch' nicht auf, ihn durch Bitten und Ueberredungsversuche zum Sprechen zu bewegen; doch er blieb bei seinem unerschütterlichen Nein.

Es ist ein Geheimnis, das ich mit mir ins Grab! nehmen werde; denn ich ich habe einen Eid geleistet, es niemals preiszugeben."

Als sie sah, daß es unmöglich! sein würde, noch irgend etwas aus ihm herauszubringen, änderte Dora plötzlich ihre Haltung. Wie wenn sie erst jetzt unter der zer­malmenden Last der furchtbaren Erkenntnis zusammen­bräche, wars sie sich in einen Sessel.