Ausgabe 
20.2.1900
 
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Aus ganzem Herzen

Marguerite".

Vier Jahre! . . . Sie hatte recht: die Zeit hatte meine Närrische Leidenschaft getötet. Ohne mich zu fragen, ob rch sie noch liebte, wußte ich wenigstens doch, daß sie Meinem Leben nicht fehlte. Lieben heißt leiden; und ich litt nicht mehr. Ich lebte ruhig, beinahe wie ein Tier, floh jede Versuchung und Lockung. Der Name Marguerite stieg in meinen Gedanken als eine längst erloschene Gefahr auf.

Mich erwartete ein Empfang, voll des höchsten Enthusrasmus. Ich überzeugte mich bald, daß die Wirk- klchkert meine Hoffnungen überstieg. Aus Marguerite's klaren Angen sprach die ganze Freude mich wiederzusehen. Sre bewunderte mich, als ob ich das Glück in den Falten meines Gewandes mitgebracht hätte, und ich hatte das Bewußtsein, die Rolle eines Souverains zu spielen, dem man die Schlüssel der Stadt einhändigt.

Unser stummer Erguß kam nur durch ausdrucksvolle Bucke und durch glühende Händedrucke zum Ausdruck Weder ich noch sie fanden die für die Umstände passenden Worte. Ich konnte sie nicht danach fragen, wie ihr Leben rn diesen vier Jahren verflossen, ich wußte zu gut, was rch davon zu halten hatte; ich fühlte, daß sie auch aus dieser Verlegenheit herauszukommen suchte, indem sie ein Gespräch über einen Gegenstand einleitete, der weder für mich noch für sie peinlich war.

Sie versuchte es mit einigen Komplimenten über mein gutes Aussehen und meine gute Gesundheit. Ich ant­wortete ihr, indem ich sie zu denselben Vorzügen beglück­wünschte. So saßen wir eine Weile ziemlich verlegen neben

Stubl neben sicbnK' 6 ^ltbreb 809 fte aufetnen Jedoch erwachte in mir ein erst kaum merkbares 1 geheimes Gefühl, eine Neugier, ein flüchtiger Gedanke,

Lu hiPMinrt'9te f e' ^rau meint. Sie essen Die schnelle Erscheinung Marguerites. Dann wurde mein d Das ist tnnfir w* » Wunsch deutlicher. Die Vergangenheit riß mich mit sich

«tBwhSp? S A H. Mildred! So oft ich komme, um fort, und meine Eitelkeit war stolz darauf, daß sie sich

J b b H^rn lesend und das Essen meiner erinnerte. Ich zog eine Vorbedeutung aus ihrer raum oeruyrr. Demut; ich sah aus der Ferne das beschämte Dämmern

bemerkte SaXmJ!narrische, hilflose Geschöpfe, ihrer Niederlage und Unterwerfung. Ich lächelte bei dem

mJPXÄk -k x Gedanken meinen Herrscher zu tyrannisieren.

Röbe^t erwiderte er. Ich antwortete auf ihren Brief und meldete ihr meine

Sie bald'Aein ^swÄ "Ä"esser benehmen, so werden Visite für morgen an; voll Freude in dem Herzen und ÄrfSM _ beinahe verjüngt machte ich mich auf den Weg. Ich ging

wünschen, als wenn ich in I Mit munteren Schritten und sang vor mich hin, wie der O ^^k ^^t?mmen wurde, erwiderte er rasch. Rekrut, der zu seiner Landsmännin geht. Gerade wie Iick> aenu^^ur schon alt und häß- einem hin und wieder der Atem unterwegs ausgeht, wurde -ine kranffirrX nXrL? §t ?? ^hren! Obgleich es mein Lied durch Gedanken unterbrochen: Und wenn ich Se 6et ?Lbworden war, daß nicht die Kraft habe, dieses Spiel zu spielen? Wenn sie

mit^ein« ferÄfJLb^L^kam sie doch mir wieder den Fuß auf den Nacken setzt? Wenn ich seltsamen Unruhe im Herzen nach Hause und mit | wieder leiden werde? ....

so glückUch^ gewesen^war^ Doch"nlEdem s??Lwe/Stufen ^er eine unselige Gewalt trieb mich vorwärts. Bald im Hospital iuaebracbt batte erlaichke"si/ihr iwÄ war ich zwei Schritte von ihrem Hause entfernt; es war wieder und ^ge vor der besttmmten Zeit ' Socke ich hinauf-

der Feier vorausainaenbei bet ;9eI)en' und mich bei ihr vorstellen? Sollte ich lieber

erhalten sollte nahmen sie nun r ® b warten? Die erste Wahl brachte mich einen Augenblick irr

). n joute, uaymensie nun m Anspruch. Versuchung. Wer ich zauderte, es fehlte mir an Mut.

; B 19 Ich mußte die Sitte achten, wie ein wohlerzogener Mensch

----------- handeln. Ich durfte nicht eine Frau, auf die ich kein Recht

I hatte, überraschen. Ich blieb stehen. Gerade vor mir war ZlllUlUni» | das Schaufenster eines Tierausstopfers, der auch ana-

Nach dem Französischen des Montjotzeur I tomische Präparate hatte. Ich machte mir das zu nutze, ich

Nackbi-Ulk v1e>rF>nfP,T beobachtete mit scharfen Augen das im Schaufenster Aus- Jch öffnete den Brief und las- U gestellte, langsam und genau besichtigte ich alles, wie ein

Mein teurer Paul! Menschs der eine Stunde im Muesum La Pelisse zubringeu

Vier^aür?^äMend Mt Interesse betrachtete ich den ausgestopften Affen,

, . c ^zayre, wayreno welcher, ich muß es gestehen, mich I einen Seeraben eine ^ettaans Rriitbennen mit sn?iTkPn'

OQiietn» jeitbcin jebe§ cmberc I Nabrunt! fehlen toürbe Do ftpf ntpin mtf oni-

UW jetzt" da der Wirbelnd«"mick fortrifi' firfiSrrfi I ßÄ ^ines Kopfes, der für die Demonstration eines Pro- berubiat LU baben ?Si^t 11^^^ I fessors durchgeschnitten und präpariert war; gerade an

befinde hnrrf» hilfe hfntirirf.» nu^ wir allem I der Stelle des Schnitts ragten Tausende kleiner Fasern

m ,vUrdy; bieje id)e (Stille irre gentetet)t unb I berfehiebeTier zVctrbe berbor Sie tnie 9Riirit?pr imter itnfprpv

meinen sür mLgraeT ben LdL° **' ""°>°mi- »ernott-

-LSLM-SU« MWUMffZL vorüberaebend wie eine TborbeU WnurftrnnT rZ'hLt I ^lkig, so göttlich und zugleich so verächtlich war, zu Xm Sn£Ob a6er Äer ^t9 nlh flogen - als die Glocke einer Turmuhr mich an mein

L? sch X? b«68' n"f L-7Z ^-»°rn meinen

großes Feuer nicht vollständig erloschen sein kann, einige * trat Itl ba§ P°?tal ein.

Funken würden noch aus der Asche hervorsprühen, wenn man es anschüren würde.

Ja, ich will glauben, daß Du mich nicht ganz ver­gessen konntest, daß, wenn Du mich nicht wie einst lieben, Du mich aus Freundschaft lieben kannst. Letzteres ist abgedroschenes Zeug, ich weiß es; aber es tröstet in Liebesqualen. Was Du auch zur Zeit denken magst, erhöre meine Bitte, komme zu mir, wenn es auch nur ein Mal sein soll das letzte Mal, wenn ich Dir nicht mehr gefalle. ...