Ausgabe 
17.3.1900
 
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' Ein Phänomen.

Nachdruck verboten.

Bei all unserer unruhevollen Geschäftigkeit, unseren Leidenschaften, unserem Hassen und Lieben, stoßen wir immer wieder auf das Problem dessen, was jenseits dieses Lebens liegt, und wenn es geschieht, daß ein Gelehrter, wie William Crookes, ein Physiker wie Röntgen, oder ein Arzt wie der Professor Ch. Richet uns einen Einblick in die Ergebnisse ihres Denkens gestatten, und einen Winket des uns umgebenden Dunkels ins Licht zu setzen versuchen, so suchen wir alle, ob alte, ob junge Denker oder Hand­werker begierig diesen heißersehnten Strahl des Lichts.

In der letzten Zeit ist die Welt der Psychologen in die höchste Aufregung versetzt durch die Erscheinung eines Buches des Herrn Flournoy, Professor an der Universität Genf, betiteltVon Indien bis zum Planet Mars". Es ist die Darstellung eines in der Wissenschaft geradezu einzigen Falles, der bei einer jungen Frau von dreißig Jahren, einer einfachen Handlungsgehilfin, von unbescholtenem Charakter beobachtet wurde. Diese Frau hat Zustände des Somnambulismus, in denen sie eine Reihe von Erleb­nissen erzählt, die sie in der Zeit eines früheren Daseins gehabt hat. Diese Existenzweise stellte sich nach drei Rich­tungen hin dar: die eine auf dem Planet Mars, die andere in Indien, und die dritte in Frankreichs zur Zeit der Marie Antoinette.

In wachem Zustande, d. h. nachdem der Zustand des Somnambulismus vorüber ist, weiß Frau X. nicht das Geringste davon, und erledigt ihre Arbeiten mit der größten Genauigkeit und bei vollständig gesunden Sinnen; sobald sie in Schlaf versetzt ist, kann man sie über die Begebnisse, welche sich in den nach ihren Angaben durchlaufenen Zeit­abschnitten, vielmehr während ihrer verschiedenen Mensch­werdungen zugetragen haben, mit Muße befragen.

Herr Flournoy hat anfangs einen Betrug gemutmaßt, wie er bei einer großen Anzahl von Fällen des Somnam­bulismus aus eigenem oder fremdem Antriebe vorkommt, und hat sich die Frage vorgelegt, ob es dieser jungen Frau von Personen aus ihrer Umgebung nicht etwa suggeriert sei, in der Absicht, sie in nervösem Zustande eine Rolle spielen zu lassen.

Nichtsdestoweniger ist er von dieser Annahme zurück­gekommen, und zwar aus folgenden Gründen: Zunächst behauptet Frau X.: in den Augenblicken, in welchen sie von einem Aufenthalt auf dem Mars spricht, daß sie sich in der Sprache auszudrücken versteht, welche man aus bem Mars spricht.

In der That bedient sie sich, sobald man sie dazu .auffordert, einer Sprache, die sich aus deutlich artikulierten Lauten zusammensetzt, die wiederum so zusammengestellt sind, daß sie Worte bilden. Diese Worte selbst entsprechen bestimmten Gedanken; kurz, der Zusammenhang zwischen Wort und Gedanke ist vorhanden, und die Kranke bringt sie in besonderen graphischen Zeichen zu Papier.

Sodann: der Nachweis dafür, daß die Behauptungen der Frau X., es bestehe für sie ein geistiger Zusammenhang mit einem Leben, das sie aus dem Mars geführt hat, be­gründet sind, ist offenbar ein Ding der Unmöglichkeit; da­gegen ist dies keineswegs der Fall bezüglich der Begebnisse, deren Zeuge dieselbe Person in Indien gewesen ist, zu der Zeit, als sie dort lebte.

Nach langem und unverdrossenem Suchen hat Herr Flournoy eine alte Handschrift aufgefunden, in welcher er die hauptsächlichsten Erlebnisse entdeckt hat, auf welche Frau X., wenn sie von ihrem Aufenthalt im Lande der Hindu spricht, anspielt. Ja,, noch mehr: Frau X. spricht in solchen Momenten im Sanskrit und in der arabischen Sprache, und zwar in einer Art, um auch den größten Skeptiker davon zu überzeugen, daß sie eine genaue Kennt­nis dieser beiden Sprachen besitzt. Hierzu kommt, daß, so­lange man diese junge Frau in Gens kennt, sie niemals in die Lage hat kommen können, Gelegenheit zur Erlernung des Arabischen oder des Sanskrit zu finden.

Wir übergehen die Betrachtungen, welche sich auf die neue Wiedermenschwerdung, nämlich zur Zeit der Marie Antoinette, beziehen. Man könnte in diesem besonderen Falle glauben, daß dabei Suggestion und Betrug irgendwie

eine Rolle hätten spielen können; aber es ist außer allent Zweifel, daß keine wissenschaftliche Erklärung unversucht gelassen ist, um ein solches Phänomen zu deuten, wie es sich in Frau X. darbietet, wenn sie in der Sprache der Be­wohner des Mars, im Sanskrit oder arabisch spricht.

Der Professor Flournoy zieht als ein echter Gelehrter weiter keine Schlüsse. Er beschränkt sich darauf, uns in einem gewissenhaft abgefaßten Buche des Ergebnis seiner Beobachtung auseinander zu setzen, die drei volle Jahre in Anspruch genommen hat.

Ueberall läßt er uns seine innere Bewegung erkennen gegenüber diesen außerordentlichen Erscheinungen: Wir stehen hier zweifelsohne vor Erscheinungen, wel chediekühn st enHypothesen zulass en, und ebenso, wir müssen dies behaupten, für die Gewißheit der Hoffnung auf die Unsterblich­keit unserer Seele beweisend sind. -ns.

Em Fortschritt der Kakao-Industrie.

Während die Chokolade-Fabrikation sich in den letzten Jahrzehnten dem Geschmacke des Publikums mehr und mehr anzupassen wußte, ist die Kakao-Fabrikation in Deutschland, wie auch im Auslande bis in die neueste Zeit auf derselben Stufe stehen geblieben, auf der sie schon vor Jahrzehnten angelangt war.

Endlich fand sich eine deutsche Firma, die erkannte, daß die früher erzielbare Entölung des Kakaopulvers nicht genügte, um dem Kakaopulver den größtmöglichen Grad von Nährkraft (Eiweiß-Reichtum), Bekömmlichkeit und Er­giebigkeit zu verleihen; daß viele Menschen mit schwachem Magen sich des für sie so wohlthätigen Kakao-Genusses enthalten mußten, weil sie den Kakao nicht vertragen konnten; und daß also neben einer Reform des Vertrieb- Systems (abzielend auf Verbilligung des Kakao-Pulvers und Verdrängung der teuren ausländischen Kakaos) eine stärkere Entölung des Kakaos Platz greifen mußte. Die betr. Firma erkannte ferner, daß es ein Irrtum war, wenn die Holländer und Schweizer das Hauptgewicht auf die Bindungsfähigkeit, auf die sogenannte Löslichkeitin der Tasse" legten und in ihren Reklamen auf die bequeme Zubereitungsweise hinwiesen. Die Löslichkeitim Magen", d. h. die Bekömmlichkeit, und die Fähigkeit, von den Ver- dauüngswerkzeugen voll ausgenutzt zu werden, mußten als Ideal für das Kakao-Pulver erkannt und angestrebt werden.

Dies geschah durch die betr. Firma, der es durch ein eigenartiges mittels D. R. P. Nr. 89 251 geschütztes Ver­fahren gelungen ist, ein Kakaopulver herzustellen, welches von größter Milde und Feinheit des Kornes ist, und trotz Nichtanwendung starker Alkalien-Zusätze die denkbar größte Bindungsfähigkeit besitzt. Zugleich ist die Ergiebigkeit der­artig gesteigert, daß man aus einem Pfund ca. 150 Tassen erhält, gegen ca. 100 Tassen aus einem ölreichen Kakao- Pulver alter Fabrikationsweise. Es wird also bei Ver­wendung des Kakaopulvers der Firma Reichardt und Cie. in Wandsbeck, um die es sich hier handelt, allein durch die große Ergiebigkeit eine Ersparnis von 33 ein Drittel Pro­zent gegenüber den ausländischen und nach ausländischer Fabrikationsweise hergestellten deutschen Kakao-Pulvern er­zielt. Rechnet man dazu seine billigen Fabrikpreise, so wird sich auch der größte Skeptiker nicht der Erkenntnis ver­schließen können, daß die deutsche Kakaopulver-Jndustrie jetzt der ausländischen weit überlegen ist, und daß jede Familie die größten Vorteile in hygienischer und pekuniärer Hinsicht erzielt, wenn sie Reichardts veredelte Kakaos in ausgiebigstem Maße zur Verwendung bringt. Die That- sache, daß das große Publikum nicht weiß, wie naturreiner Kakao riechen und schmecken soll, indem es den Geschmack der verschiedenen Gewürze, mit denen die weitaus über­wiegende Mehrzahl aller in Deutschland käuflichen Kakaos versetzt werden, mit dem reinen Kakaogeschmack identifi­ziert, kann nicht scharf genug hervorgehoben werden. Die Reichardt'schen Kakaos haben aber den großen Vorzug, daß sie nicht nach Gewürzen schmecken, sondern den Konsumen­ten den reinen, aromatischen Geschmack der Kakao-Bohne bieten.