Ausgabe 
16.10.1900
 
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naturkalten Wasser im Herbst und Winter in der geeigneten Form fort?

Die Antwort hierauf lautet, daß jeder, dessen Natur, wie man sagt, einen Puff vertragen kann, das kalte Baden so lange wie möglich fortsetzen soll. In den Seebädern, besonders in Helgoland, findet sich auch Ende September und bis tief in den Oktober hinein eine nicht geringe Schur Auserwählter, welche im herbstlich kühlen Bade ihren Orqa- nrsmus stählt, und was dort möglich ist, kann sich auch der Bmnenländer in den meisten Füllen verschaffen. Haupt­voraussetzung der Bekömmlichkeit ist nur, daß der nasse Körper nicht dem kalten Luftzuge ausgesetzt, sondern mög­lichst schnell getrocknet und womöglich, bis Rötung der Haut eintritt, abgerieben wird, während ein Minus der Wassertemperatur um etliche Grade keineswegs schadet. Solche Herbstbäder, welchen zweckmäßigerweise ein flott ausgefuhrter kurzer Spaziergang folgen soll, sind meistens von größerem Nutzen als die bei großer Hitze genommenen, bei welchen entweder zu lange im Wasser geblieben, oder die abkühlende und abhärtende Wirkung durch die hohe Lufttemperatur zu schnell wieder aufgehoben wird.

. Freilich vertragen keineswegs alle Naturen kalte Bäder zwischen 10 und 18 Grad Reaumur, und namentlich alle Nervösen, deren Grundleiden schlechte Blutbeschaffenheit oder zu geringe Blutmenge heißt, werden in ihrer Gesund­heit nur geschädigt, wenn sie aus eigenem Unverstand oder unter äußerem Zwange kalt baden. Für sie sind gerade jetzt mäßig warme Wannen- oder Sitzbäder, denen ein mehrmaliges kaltes Sturzbad von wenigen Sekunden Dauer mit dazwischen erfolgendem Eintauchen ins warme Wasser folgt, von ausgezeichneter Wirkung. Hüten muß man sich dabei natürlich vor jeder Uebertreibung; denn das kalte Bad, Abreibung oder Sturzbad ist nicht an sich schon eine Kraft und Gesundheit spendende Ursache, sondern ein Reizmittel, mit welchem wir schlummernde, nur der Anregung harrende Kräfte des Körpers wecken.

Aber auch' dem, welcher nur warme Bäder ver­trägt, kann die Fortsetzung derselben im Herbst nur dringend angeraten werden, weil er nur auf diese Weise dahin kommt, auch im Winter ohne Gefahr ein Bad zu nehmen. Wer, während draußen Frost und Eis herrscht, nur dann und wann nach Wochen oder Monaten seinen äußerlichen Menschen mit Wasser in Berührung bringt, wenn ihm der Zustand der Einfettung und Verschmutzung der Hautoberfläche unerträglich wird, büßt ein Bad dann meistens mit Husten, Schnupfen und Erkältung und schreckt natürlich vor der Wiederholung zurück.

Hiermit sind wir bei dem im Herbst besonders wich­tigen Kapitel der Erkältungen und Katarrhe angelangt, die im wesentlichen daher kommen, daß wir in unserer Kleidung der kühler werdenden Luft keine Rechnung tragen. Der Bruder Studio, der sich um Pfingsten herum auf Vaters Rechnung seine Sommerkluft bestellt, verträgt es mit seinem widerstandsfähigen jungen Körper, wenn er den neuen Winteranzug erst anlegt, wenn schon der Reif auf den Dächern liegt. Wir andern aber haben in der Regel schnell eine Erkältung weg, wenn wir verleitet durch den blendenden Sonnenschein und das Wärmegefühl, so lange wir ihren Strahlen ausgesetzt sind, das sommerlich .leichte Gewand anziehen, und etwa nach! einem Spazier- gang uns in den Schatten setzen, wo es empfindlich kalt ist. Wir müssen uns daher in der Kleidung der sinkenden Temperatur anpassen und namentlich darauf Obacht neh­men, daß wir uns am Morgen und Abend wärmer ver­sorgen als gegen Mittag. Dies ist auch ohne reichlichen Kleidervorrat mit wenigen passend gewählten Anzügen mög­lich, besonders wenn wir dabei, den größeren Temperatur­schwankungen folgend, bald leichtere, bald schwerere Unter­kleider tragen. Natürlich muß dabei auch darauf Rück­sicht genommen werden, daß die Kleidung nicht den Luft­zutritt, zur Haut durchaus absperrt, was stets große Un­behaglichkeit zur Folge hat. Wer bei entsprechend warmer Kleidung dann noch friert, zieht einen Trugschluß, wenn er glaubt, sich noch wärmer anziehen zu müssen; denn sein Körper, der ja nichts als einen mit Nahrungsmitteln geheizten lebenden Ofen darstellt, ist es, der zu wenig Wärme erzeugt, und da giebt es nur zwei Mittel, näm­lich ihn entweder besser zu heizen, d. h. reichlicher zu er- nähren, worin es in der That heute bei vielen Personen,

weniger wegen der teueren Nahrungsmittelpreise, als aus schlechter Gewöhnung fehlt, oder mit etwaiger träger Lebensweise zu brechen und durch körperliche Uebungen und reichliche Bewegung mehr Wärme zu entwickeln.

Eine nicht zu unterschätzende und, wenn man die Sterb­lichkeitsstatistik zu Rate zieht, geradezu erschreckende Ge­fahr der Herbstzeit liegt in unvorsichtigem Obstgenuß. Von August bis in den Oktober hinein ist in Berlin bei mehr als der Hälfte aller Sterbefälle der Brechdurchfall der Kinder die Todesursache, und wenn man die sonstigen Todesfälle aus Verdauungsstörungen hinzurechnet, hat in fast zwei Drittel aller tätlich endenden Erkrankungen der Tod durch den Magen seinen Einzug gehalten. In anderen Städten sieht es auch kaum besser damit aus, und so büßen alljährlich zehntausende von Kindern ihr zartes Leben aus Ursachen ein, die sich bei gutem Willen wohl fern halten oder doch auf ein bescheidenes Maß beschränken ließen. Das ist eine ungeheure Verschwendung an Volkskraft, ganz abgesehen von den zahllosen Thränen, die aus Mutteraugen um die jäh dahingerafften Lieblinge fließen.

Zum Teil liegt nun diese große Sterblichkeit in der in der heißen Jahreszeit rasch vorwärts schreitenden Zersetz­ung der Milch; diese wirkt aber erst dann wahrhaft ver­derblich auf die zarten Verdauungsorgane der Kinder, wenn dazu der Obstgenuß tritt. Erst vom August ange- faugen wimmelt es in der Natur an allen Ecken und Enden von unzähligen Lebewesen, welche auf faulenden Materien allenthalben gedeihen und durch Vögel und Insekten über­allhin, namentlich aber auf das von ihnen heißbegehrte Obst verschleppt werden, wo sie neuen Nährboden finden. Und nun beobachte man einmal, wie die Mehrzahl das Obst genießt. Bestenfalls oberflächlich abgewischt, damit Spinn­weben und andere grobe Unreinigkeiten entfernt werden, wird es verspeist, und mit ihm oft genug der Keim zu tötlicher Krankheit in den Organismus eingeführt. An und für sich ist nun schon das zuckerhaltige Obstfleisch ein rasch in Gärung geratender Körper, der sich in ungekoch­tem Zustande ganz und gar nicht für Kinder in den ersten Lebensjahren eignet und auch abgekocht nicht ganz unbe­denklich ist. Die Verabreichung ungereinigten Obstes aber, ist eine Gedankenlosigkeit, die an fahrlässige Tötung streift und welcher nicht oft und nachdrücklich genug entgegen­getreten werden kann.

Auch der Erwachsene thut gut daran, nur sorgfältig gewaschenes Obst zu genießen. Denn, wenn er sich vielleicht auch andernfalls keine Cholera nostras zuzieht, so wird er sich doch! häufig eine ihm unerklärliche Diarrhoe oder tagelang anhaltende fieberhafte Zustände ersparen, wenn er diesem Ratschlag folgt.

Neben der Frucht im Garten Eden lauert die Schlange, und wenn die Natur im Herbste aus dem Füllhorn ihrer Gaben die Früchte über die Erde schüttet, so werden sie nur daun dem Menschen ein Nutzen und Segen, wenn er sie mit Maß und Vorsicht genießt.

Gemeinnütziges.

Lauch-Gemüse. Zubereitungszeit 1 Stunde. Schöner dicker Lauch wird von den oberen Blättern befreit, dann in fingerlange, dünne Streifen geschnitten, ge­waschen und mit kochendem Wasser überbrüht. .Im einem Topf zerläßt man Butter oder Hammelfett, läM darin einen Löffel Mehl gelb werden, löscht mit Fleischbrühe ab, giebt den abgetropften Lauch hinzu und läßt weich dämpfen. Eine Viertelstunde vor dem Anrichten röstet man in Würfeln geschnittene Brödchen in Butter schön braun und' giebt dieselben dem Gemüse bei. Vor dem Anrichten wird das Gemüse mit 1 Theelöffel Maggi- Würze im Geschmack gekräftigt. A. R. Sch.

Rätsel.

Nachdruck verboten.

In int Buch. An am Harz.

Vor vor Gericht. Hinter hintcr'm Busch. Auflösung in nächster Nummer.

Anstiftung des Bilderrätsels in voriger Nummer: Bunte Reihe.