Ausgabe 
11.12.1900
 
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mir lmmer wieder zurück, wenn ich am Christabend Paket öffnete und die Geschenke fand, die meiner Jjcutier .oaitoe )o zierlich geordnet und mit bunten Bän­dern umwunden hatten. Was sie mir diesmal schickte war unendlich viel kostbarer als sonst, viel zu kostbar für 1 ty1'6 sparlrcheu Verhältnisse, aber ich konnte mich doch urcht darüber freuen, mir war, als wäre meine Mutter gestorben.

..,^^arum die gute Frau es gerade dies eine Mal Fremden überlassen hatte, dem fernen Sohn ihre Gaben zu schicken, vermag ich nicht zu sagen. Vielleicht mangelte es ihr au Zeit, nm es selbst zu thun, vielleicht glaubte sie auch, dast erbeuten Wert auf solche kleinen Zeichen der Liebe dielen Fällen trifft das letztere ja auch zu, aber oft tauscht man sich doch in dieser Annahme. Die Menschen fühlen eben am Weihnachtsabend nicht so, wie zu anderen rQ v LL V- J l

. gteüt viele Leute, die im Packen nicht sonderlich geschickt sind und deren Sendungen daher meist in einer traurigen Verfassung ankommen, für sie empfiehlt es sich allerdings nicht, diese persönlich einzuhüllen und zu ver- ichuureu, doch sollteu sie immerhin Steige tragen, ihnen etwas von der Poesie mitzuteilen, die das schönste aller Feste atmet. Die kleinste Gabe macht einen anderen Ein­druck, wenii sie in anmutiger Form geboten wird. Geld braucht man dafür so gut wie keins aufzuiveudeu, nur klein wenig Zeit. Wie viele alte Fruchtversaudt- korbe stehen nicht z. B. in den meisten Hausern unbenutzt in der Rumpelka,nmer, die sich nut leichter Mühe in reizende Behälter für allerhand Eßbares umwandeln lassen' Pest eh en sie aus Spangeflecht, so brennt man mit dem Gluhstift eut einfaches Streublumen- oder Bortemuster dar­auf, das man hinterher mit Oelsarben leicht ausmalt. Korbe aus Weidenruten werden dagegen mit Gold- oder Silberbronze oder mit grüner Beize angestrichen, die Bügel umwindet mau außerdem mit rotem, beiderseitig in eine flotte Schleife geknüpftem Wollbaud. Sind die Körbe noch wohlerhalteu, so ist es am ratsainsten, sie mit einem hübschen Stoffrest zu füttern, da ihre Empfänger sie dann für irgend welche Zwecke, z. B. als Papier- oder Flick­korbe, benutzen können. Andernfalls genügt es, sie mit einem fransenartig ausgeschnittenen Seiden- oder Krepp­papier auszulegen. Zum Füllen der Zwischenräume zwischen den einzelnen Gegenständen nimmt man frisch­grünes Moos oder Seidenpapierschnitzel in einer zu der übrigen Ausstattung stimmenden Farbe. Ein vergoldeter Weidenkorb mit rotbäckigen Aepfeln in olivgrüne Papier­schnitzel gebettet, sieht entzückend aus. Auch! Tvrteu- schachteln eignen sich vorzüglich zur Verzierung mit farbig ausgepinselter Brandmalerei. Junen klebt man sie mit zartgetöntem Moireepapier ans, in der Mitte des Deckels kommt noch ein Raphael'scher Engel auf einem aus Gold­papier ausgeschnittenen Stern. Natürlich müssen die Körbe wie Schachteln zum Versenden mit Packpapier umhüllt werden. Kartons und gewöhnliche hölzerne Kisten sind schwer zu verzieren; doch kann mau sie wenigstens mit farbigem Seidenpapier auslegen und ihren Inhalt dicht mit Tannenzweigeu bedecken.

Ebenso sollte man die einzelnen Gegenstände, die nicht lose in das Moos oder die Papierschnitzel gelegt werden können, in irgend einer Weise nett verkleiden. Für manche Dinge erweisen sich hübsche Pappschächtelchjen mit rosa oder blauer Watte gefüllt und mit entsprechenden Bändern um­schlungen, am besten, andere kann man in einen Beutel aus bunt bedrucktem Krepp- oder Japanpapier stecken, Man schneidet ein genügend großes viereckiges Stück davon, franst es ringsum aus und legt das betreffende Geschenk hinein, dann faßt man die Ränder zusammen und um­schnürt das Papier unterhalb der Fransen mit Goldschnur recht fest. Diese stellt man her, indem man dünnen Bind ­faden bronziert und an den beiden Enden derart aus- drieselt, daß eine Troddel entsteht. In ähnlicher Weise lassen sich auch Apfelsinen und besonders kostbare Aepfel einhüllen. Sehr niedlich machen sich! Töpfchen mit Liebigs Fleisch-Extrakt, der zweifellos ein überall willkommenes Weihnachtsgeschenk bilden wird, mit Emaillefarben bemalt. Sehr wirkungsvoll ist hierfür das Zwiebelmuster in blau, wie in bunt. Die Töpfchen geben später allerliebste Blumenvasen ab.

Als Beweis dafür, daß auch der prosaischste Gegenstand sich so effektvoll ausstatten läßt, daß er überall, wo er aulaugt, durch sein bloßes Aussehen Freude zu bereiten vermag, möge eine als Baby maskierte Gans genannt werden. Man fertigt ein Steckkissen aus weißem Seiden- papier, das man mit Watte füllt und mit Volants und rosa oder himmelblauen Papierschleifen flott garniert. Darin wird die Gans gebettet. Ihren Kopf muß ein Rüschenhäubchen aus Seidenpapier schmücken, in den Schnabel aber steckt man ihr einen Saugpfropfen aus Marzipan, der über eine mit Likör gefüllte Milchflasche gestreift ist. In ähnlicher Weise kann man auch einen Hasen ankleiden.

Zuguterletzt möge noch der Rat folgen, die Weihnachts­pakete lieber ein paar Tage zu früh, als zu spät abzu- schicken. Die Post hat selbstverständlich vor dem Fest gar- viel zu thun, als daß nicht zuweilen Unregelmäßigkeiten Vorkommen sollten. Welch unangenehmen Eindruck aber macht es, wenn dem Empfänger der Sendung bei deren Er­öffnung ein Zettel mit den WortenFrohe Feiertage" in die Augen fällt und dieser Wunsch zu spät kommt!

Weihnachtsarbeiten.

Römischer Shawl. Ein passendes Geschenk für- ältere Damen ist ein gestrickter römischer Shawl aus Straußen wolle. Man legt mit starken Holznadeln 80 Maschen oder auch mehr auf, je nachdem man den Shawl breit wünscht, und strickt dann einfach rechts hin und her. Sehr schön wirkt folgende Farbenzusammenstellung. 15 Reihen dunkelrot, 8 Reihen oliv, 4 Reihen schwarz, 8 Reihen etwas Heller oliv, 10 Reihen rot, 20 Reihen dunkelbraun, 6 Reihen Modefarben, 4 Reihen oliv, 6 Reihen Modefarben und 20 Reihen blau. Nun fängt man wieder mit dunkelrot au und wiederholt das Muster so lange, bis der Shawl die gewünschte Länge erreicht hat. Alsdann werden rings um den Shawl Franzen von dunkelblauer Wolle eingeknüpft.

Konfekt-Beutel für den Christbaum. Aus grobem Papierkanevas schneide rechteckige oder länglich viereckige Stückchen von beliebiger Größe, sowie etwa daumenbreite Streifen. Diese biege zusammen und über­nähe den Schluß mit Kreuzstichen. Mit Gobelinwolle sticke ein kleines Muster darauf und nähe den so vorbereiteten Streifen an die Stramiubörtchen fest. Aus gleichfarbiger Seide oder Stickbaumwolle häkle Beutelchen. Steche dazu Bogen von 56 Luftmaschen in jede zweite Lücke. Diese Bogen wiederhole in versetzter Reihenfolge, bis der Beutel die gewünschte Größe hat. Am oberen Rande bringe einen Gegenzug an und fülle die Beutel mit Mandeln, Zucker­werk und dergleichen. Man nehme bei der Wahl der Farben Rücksicht auf die Kerzenbeleuchtung. Gold, Silber und Rot sehen gut aus und machen den Kindern viel Freude. ___________

Weihnachtsbäckerei.

Eitronenküchel. Wohlschmeckende Citronenküchel bereitet mau folgendermaßen: zu 150 Gramm frischer schaumig geriebener Butter rührt man allmählich 500 Gramm feines Mehl, 325 Gramm' gestoßenen Zucker, die feingehackteu Schalen von 2 Citronen, 3 schaumig ge­schlagene Eier und den Saft der Citronen, rührt alles gut durcheinander und setzt kleine Häufchen von dem Teig in ziemlicher Entfernung voneinander auf ein gebuttertes Blech und bäckt die Küchel 15 bis 20 Minuten in einem mäßig heißen Ofen. __________

Litterarisches.

Der sogenannteLiebig Kalender", der zur Freude so vieler Damen gegen Ende eines jedes Jahres von der Liebig's Flcisch- Extraktkompagnie kostenlos an ihre Kundschaft verteilt wird, ist auch diesmal glänzend ausgcstatNt. Die Außenseite läßt an vorteilhafter Erscheinung nichts zu wünschen übrig. Der bunten Schale entspricht aber auch die Güte des Kerns. Ein Aufsatz von Clara Braune:Koche schnell!" bietet wertvolle Winke selbst für erfahrene Kochverständige. Ebenso werden die wohlerprobten Kochrezepte stets gern durchstndiert und gelegentlich angewandt. Das Koch-Kalendarium gewährt Rat be­züglich dessen, was in den einzelnen Monaten zu haben ist. Neben dem allerliebsten Bilderschmuck, der das eigentliche Kalendarium ziert, ist ein größeres Bildnis Liebig's vorhanden; Notizblätter re. vervollständigen den Inhalt. So wird auch Anno 1901 der Haushaltungs-Kalender der Kompagnie-Liebig ein willkommenes Angebinde sein.