Ausgabe 
8.9.1900
 
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Leute damit ausstatten zu können; denn in ihren ver­räterischen Uniformen würden sie zu Späherdiensten wenig taugen. In längstens fünf Tagen also wirst Du erfahren, wie es um uns bestellt ist".

Eine letzte Umarmung, ein letzter Kuß; dann half der Major Elisabeth in den Sattel, um sich alsbald aus sein eigenes Pferd zu schlingen. Ein zärtlich grüßendes Ab­schiedswort noch flog hinüber und herüber; der regungslos wartende, verkleidete Husar empfing einen kurzen Befehl seines Vorgesetzten, er salutierte und erfaßte dann aufs neue den Zügel des Braunen, um ihn aus demselben ver­steckten Pfade, den sie gekommen waren, durch den däm­mernden Wald zurückzuführen.

(Fortsetzung folgt.)

Historische Kochkünste.

Von A. Brand.

Nachdruck verboten.

Die Kochkunst bildet eines der interessantesten Kapitel der Kulturgeschichte aller Völker, und das Studium dieser Kunst offenbart dem Forscher wie dem Laien gar viel des Merkwürdigen und Absonderlichen. Einige der inter­essantesten^ Einzelheiten aus der Geschichte der Kochkunst will ich nach einer Abhandlung in Chambers Journal nach­stehend mitteilen.

Durch Herodot, Athenäus u. a. m. ist uns genügend über die Ernährung der großen Völker des Altertums be­kannt. Die Egypter waren große Brotesser; merkwürdiger­weise jedoch stellten sie es aus getrocknetem und ge­stampftem Lotossamen, und nicht 'aus dem seinen Weizen­mehl her, das ihnen in unbeschränkter Fülle zu Gebote stand. An der Sonne getrocknete rohe Fische bildeten ein anderes Hauptnahrungsmittel der Egypter; Wachteln, Enten und kleine Vögel verzehrten sie gleichfalls roß. Das gemeine Volk viel Gemüse, und Bier stellte man aus Gerste her; dasselbe hieß Lythus. Eier ließ man in Brut­ösen ausbrüten; die künstliche Bebrütung ist somit schon ein sehr altes Verfahren. ,Die Perser aßen wenig Fleisch, wandten kein Salz an und zogen Süßigkeiten vor; ihre Gelage waren sehr prächtig.

Die Griechen waren zuerst sehr einfache Esser, und lange Zeit waren Fische Has Hauptnahrungsmittel für alle Klassen. Es sind Uoch Rezepte vorhanden für sarzierte Fische mit Füllsel, für «gekochte, gepökelte und in heißer Asche zubereitete, sowie für das Backen von Fischen in Feigenblättern, die mit Oel «getränkt waren. Die Griechen kochten und brieten Schafe, MchweiNe, Lämmer und Ziegen; sie aßen auch Polypen und Tintenfische; die letzteren mögen den Hauptbestandteil der berühmten schwarzen Suppe der Spartaner gebildet haben. Archestrat empfiehlt Katzenhai, mit Kümmel gekocht, und er tadelt die Römer, welche die Fische durch Zusätze von Käse, Essig und anderem Zeug verderben. Atticus stand im Ruf, das beste Brot zu backen, ein Lebensmittel, von ßem !es nicht weniger als 72 Arten gab. Nach Tisch Uran Honig- und Sesamkuchen mit frischem oder gedörrtem Obst, und Gemüse, namentlich, Kohl und Zwiebeln wurden Piel gegessen. Der Blumen­kohl war von Cypern her eingeführt worden, und wurde zuerst bei den Phöniziern genossen. Kaninchen und Gurken importierte man aus Spanien, Mandeln aus Maurijanien, Spargel aus Asien, Knoblauch und Zwiebeln aus Afrika. Die Pfirsichbäume Persiens, die Himbeerbüsche des Berges Ida und die Aprikosenbäume «Armeniens zahlten schwere Tribute an Hellas. Bei jden Griechen, wie bei den Römern gebrauchte man Honig an Stelle des Zuckers.

Die sizilianischen Köche wurden äks Meister ihrer Kunst betrachtet, und in Roms Blütezeit konnte ein solcher etwa 800 Pfund verdienen; der Koch, welcher ein von Antonius zu Ehren Kleopatras veranstaltetes Mahl bereitete, erhielt eine ganze Stadt zum Lohn für seine Mühe. Fleisch aßen die ärmeren Klassen Roms wenig; meist nährten sie sich von Gerstenschleim und Gemüsen; ietneit schlagenden Gegen­satz hierzu bildete der Luxus, den man an den Tafeln der Reichen entfaltete. Man bezahlte große Summen für bri­tische Austern, Steinbutt von Ravenna und andere Lecker­bissen. Eine unternehmende Dame verdiente ein Vermögen, indem sie Drosseln züchtete, und alljährlich etwa 60 000 dieser unglücklichen Sänger für die Küche verkaufte. Die

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Meeräschern diese noch heute sehr beliebten Speisefisch-e des Mittelmers, kochte man Lebendig auf der Tafel, sodaß sich die Gäste an ' ihrem allmählichen Farbenwechsel ergötzen konnten. Kaninchen fütterte man einen Monat lang, ehe sie geschlachtet wurden, mit Thymian, um ihrem Fleisch einen angenehmen Geschmack zu geben. Helio- gabalus erfand Saucen aus Austern; auch Hummern und Krabben verwendete man zu diesem Zwecke. Kaiser Geta hatte bei Tisch so viele Gänge, als das Alphabet Buch­staben hat, und in jedem Gange begann der Name jedes Gerichts mit dem Anfangsbuchstaben des Ganges, sodaß sein Menu ein sehr weitschweifiges gewesen sein muß.

Den Römern gebührt die Ehre, das erste europäische Kochbuch geschaffen zu haben; zwar ist dessen Verfasser nicht genau bekannt, doch schreibt man es gewöhnlich dem Caelius Apicius zu, der unter Trajan (114 n. Ehr.) lebte. Wir führen hier zwei Rezepte ans dieser alten Samm­lung an:Zuerst, für eine Sauce zu gekochtem Geflügel, thue man folgende Bestandteile in einen Mörser: Anis, getrocknete Minze und Laserwurzel; man bedecke sie mit Essig, füge Datteln bei, gieße Liquamen (eine destillierte, aus großen gesalzenen und «an der Sonne verfaulten Fischen hergestellte Flüssigkeit), Oel und etwas Senfsamen hinzu. Mittelst warmen, süßen Weines bringe man alles bis zu geeigneter Konsistenz und gieße es über das vorher in Anis­wasser abgekochte Hühnchen," Das zweite Rezept zeigt die gleiche sonderbare Mischung von Ingredienzien:Man nehme einen Schubkarren voll Rosenblätter, stampfe sie in einem Mörser, thue dazu das Gehirn von zwei Schweinen, sowie zwei gekochte und mit gewiegtem Eidotter, Oel, Essig, Pfefser und Wein gemischte Drosseln. Mische alles dies zusammen und schmore es langsam, bis sich der Dust ent­wickelt."

Die Römer waren große Freunde von Ueberraschungs- gerichten, wie zum Beispiel Schweine mit lebenden Drosseln gefüllt. Es existiert aber ein Rezept für zwei gleichzeitig zu servierende Pasteten« aus der Zeit Karls II. von Groß­britannien, welches an diesen sonderbaren Schweinebraten erinnert. Eine dieser Pasteten enthielt lebende Vögel, und die andere lebende Frösche. Wenn die letztere geöffnet wurde,so springen die Frösche heraus, und die Damen kreischen und springen auf"; wurden dann die Vögel be­freit, so trugen sie noch zu der allgemeinen Verwirrung bei, indem sie an« die Kerzen flogen und die Lichter ver­löschten. Ein Pfauengericht [toar in Rom sehr beliebt und wurde zu Beginn des Essens serviert. Der Pfau wurde durch Ersticken getötet und dann abgezogen; hierauf füllte man die Haut mit dem Fleisch anderer Vögel und nähte sie wieder zusammen. Man befestigte den wie lebend aus­sehenden Vogel auf einem kleinen Zweige und servierte ihn so.

Mit dem Falle des römischen Reichjes trat ein großer Wechsel ein; und Brillat-Savarin erhebt eine große Klage über den dahingeschiedenen Ruhm seiner Kochkunst.Beim Nahen dieser wilden Fremdlinge", sagt er, wahrscheinlich, mit Bezug auf die Gothen,verschwand die Kochkunst mit den anderen Wissenschaften, deren Begleiterin und Trösterinsie ist. Die meisten! Köche wurden in, hen Palästen, welche sie mit ihren Kunsterzeugnissen ernährt hatten, hin­gemordet, und andere flohen, um nicht die Unterdrücker ihres Landes bedienen zu Müssen. Die Wenigen, welche ihre Dienste anboten, erfuhren die Demütigung, zurück­gewiesen zu werden. Die rauhen Zungen und ausgedörrten Kehlen waren unempfindlich für den Reiz seiner Kochkunst". Einen interessanten Einblick in die Lebensweise der ver­achteten Barbaren geben uns die Schriften des Priscus, der ein Gastmahl beschreibt, das Attila, König der Hunnen (440 n. Ehr.) den Abgesandten Theodosius des II. gab. Er erzählt uns, daß die Gäste goldene Teller und goldene Becher hatten, während sich der König mit Holztellern be­gnügte ; er nur Fleische die anderen dagegen schmausten Fische, Gemüse, Obst u. a. Hinter jedem Gast stand ein Mundschenk, und ein Narr that sein Möglichstes, die Ge­sellschaft zu belustigen. Alle wurden auch« vergnügt, außer Attila, der nie lachte. Der König der Hunnen muß also ein recht ungemütlicher Wirt für die Wgesandten des jungen byzantinischen Kaisers gewesen sein.

Es wird berichtet^ daß sich Karl der Große für das Kochen sehr interessierte, und seitherchäben ihm viele andere