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war fort, und im Ohr lag ihm Bastians Mahnung: Zanken wird Dein Vater!
Da war's denn ein Heller Trost wie ihm der Mutter Rede vom Wohlthun einfiel, die er gestern in seiner großen Stieselfreude nur halb gehört hatte. Sie würden nicht zanken! — Wenn er die alten sonntagschen Stiefeln recht schön wichste, waren sie dem lieben Gott auch feierlich genug. Den Fleck aus der Sohle reckte man ja nicht himmel- auf. — Nein — sie zankten gewiß nicht! aber nun schnell nach Hause, damit er die Beichte vom Herzen bekam — Bastian hatte sich so inzwischen zum Schuster getrollt.
Wie Friede so in großen Sprüngen die Landstraße entlang setzt, sah ihm einer nach, von dem er's am wenigsten gedacht hätte: das war Pastor Braun. Er stand iin offenen Pförtchen oben über den Stufen, auf denen der alten Frau das Glück gekommen war, da hatte er schon vorhin gestanden, nur hinter der Thür, bie Rocktaschen voll Samen, wie man ihn sich zu Frühlingszeiten vom Gärtner holt. — . ,
Da hatte er mit einem Male feinen Schulern ms Herz gesehen. Freundlich blickte er auf den springenden Friede, ben- die Füße auch im Hopsschritt heimtrugen, aber er rief ihn nicht an, und er ging auch nicht fürbaß, sondern wartete auf den Bastian. .
Eine halbe Stunde später kam der, seine neuen Stieseln schlenkernd, vorüber. Allzu vergnügt war er nicht, pfiff unwirsch vor sich hin, und hielt nach dem Friede Umschau, dem dummen Friede, der ihm beinahe die ganze Stiefel« freude verdorben hatte. — Aber er freute sich doch! nun gerade! Seine Stiefeln würden die schönsten sein, er that dem lieben Gott die Ehre an, und seinem Vater dazu, der der reichste Mann im Dorfe war.
Den Bastian rief Pastor Braun an^ und gesellte sich zu ihm zum Seüntoeg. Als sie im Dorf von einander Ab- fchied nahm«i, hatte Bastian heiße Backen, und seine Stiefeln freuten ihn gar nicht mehr, trotz der roten Strippen. „ , ,. „ ... r
Ja, er konnte ein paar Sprüche mehr, und die Beispiele fielen ihm schneller ein, wie dem Friede, aber mit dem, was sich so von selber verstand, da hatte .es bei ihm gehapert. . _ t ,
Am anderen Tage wurde Friede aus den Spruch fonfirmiert: „Einen fröhlichen Geber hat Gott lieb" — was ihn mächtig verlegen machte. Und Bastian auf den anderen: Nicht, daß ich es schon ergriffen hätte, ich jage ihm aber nach!
Die Orgel brauste dazu, und die Herzen waren voller Feierstimmung; ehrliche Vorsätze und tapfere Lebenspläne. Sie haben beide die Stiefeln mit den roten Strippen nicht wieder vergessen.
Lächelndes Entsagen.
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Von E. Friede l.
Nachdruck verboten.
Herz, halte still! Laß Dich erziehn Zum schwersten hier im Leben: Das, was als höchstes Gut Dir schien, Mit Lächeln hinzugeben.
G. T r i e p e l.
Das Entsagen gehört sicher zu den Tugenden, welche schwer und immer nur widerstrebend erlernt werden. Auf etwas verzichten, das uns lieb, entsagen einem lange still gehegten Wunsche, von einem schönen Vergnügen, einem echten Genüsse abstehen — ach, wie schmerzlich ist das! Wie sträuben wir uns zuerst, mit welcher Verzweiflung sehen wir eine Hoffnung scheitern, und wie lange währt's, bis wir wns durchgerungen zu der Erkenntnis: e s m u ß s e i n, — bis wir das rebellische Herz beruhigt haben. Die höchste Staffel der Selbstverleugnung aber hat derjenige erreicht, welcher mit lächelndem Munde entsagen lernte. Was brauchen andere auch zu wissen, wie es in uns aussieht, ändert es doch nichts an der Thatsache!
Wenn wir einmal entsagen müssen, warum dann nicht mit lächelnder Lippe? Ein Verzichten mit Murren, Jammern und Klagen ist kein rechtes Entsagen, dadurch schaden wir uns nur selbst und bringen ein wertloses Opfer. Setzen
wir einmal den Fall, wir hätten uns lange auf eine schöne Reise gefreut, fie sei uns zu unserer Erholung durchaus notwendig, viele schöne Pläne hätten sich bereits daran geknüpst, und nun, kurz vor dem angesetzten Tage, erkrankt jemand im Hause; wir sind schwer entbehrlich; wir wissen, man wünscht unsere Gegenwart und wagt doch nicht, es auszusprechen.
Was nun?
Hier daheim harrt unser eine aufreibende Kranken-, pflege, und dort draußen winkt Erholung und Erfüllung eines sehnlich gehegten Wunsches.
Pflicht oberjßergnügen? Die Frage tritt au uns heran. Wir schwanken wohl -ein wenig, parlamentieren mit dein eigenen „Ich" und doch, endlich siegt und muß siegen die Pflicht. Sind wir aber so weit, dann darf es auch kein Zurückschanen, kein Vergleichen mehr geben. Mit frohem Angesicht müssen wir die Versicherung geben, daß wir gern bleiben, daß die Erholungsreise uns doch nicht so durchaus notwendig erscheine, kurz, nur ein lächelnden Mundes und freudigen Herzens gebrachtes Opfer hat Wert. Wollten wir stets mit verdrossener Miene umhergehen, klagen über das uns entgangene Gute, würden wir da wohl irgend jemand einen wirklichen Dienst leisten? Muß unsere Anwesenheit dann nicht eher lästig als beglückend wirken?
Und so treten manche Fälle des Entsagens an uns heran, ja, viel, viel schwerere, als der eben geschilderte. Versuchen wir es nur fleißig mit der Selbstüberwindung. Der größte Sieg ist doch immer der Sieg über das eigene Ich. — Lernen wir die schwere Kunst: entsagen mit lächelndem Mund e!
Litteravischss.
„Der Stein der Weisen" enthält in seinem uns zu- gekommenen 17. Hefte wieder mehrere sehr instruktive Abhandlungen naturwissenschaftlichen und technischen, sowie allgemein interessanten Inhaltes, von welchen wir den Aufsatz über das Nährstofsbedürfnis der Pflanzen (mit Bildern) auf Grund von in landwirtschaftlichen Versuchsstationen angestellten Studien besonders hervorheben möchten. Ebenso instruktiv ist der Aussatz über den neuen Distanzmesser von Zeiß (mit Bildern), der aus einem neuen optischen Prinzipe beruht. Die Abhandlung Nordische Ruinen in Grönland und bie anziehende zoologische Lckizze Tierleben auf Kerguelen (mit Bildern) vervollständigen den Hauptinhalt des vorliegenden Heftes. Andere Beiträge behandeln den Zengdruck (mit Bildern), die Gewinnung des Rosenöles und Anstalt für Galvanoplastik (beide illustriert), Arabische Benennungen in der Astronomie, schließlich vielerlei technische Mitteilungen und andere Notizen. Die beliebte und verbreitete Halbmonatschrift (A. Hartlebens Verlag, Wien) empfiehlt sich allen, welche bezüglich der wissenschaftlichen und praktischen Errungenschaften unserer Zeit einer sachgemäßen Informierung bedürfen als wertvolles Hilfsmittel. Bei reicher Illustrierung (30 bis 40 Abbildungen per Heft) und abwechslungsreichem Texte ist der Preis des Heftes (50 Pfennige) gewiß ein sehr mäßiger, ^ebe Buchhandlung besorgt Probehefte.
Bilderrätsel.
Nachbildung verboten.
Auflösung in nächster Nummer.
Auflösung des Versteckrätsels in voriger Nummer. Eine Schwalbe macht keinen Sommer.
Redaktion: <8. Burkhardt. — Druck und »erlag der Brühl'schen UniverfitätS-Buch- und Steindruckerei (Pietsch Srbens in «ießeu.


