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-Nach einer traurigen Nacht fand er auf seinem Früh- stücksttsch ernen kurzen Brief von Robert, welcher schrieb er werde tn ein oder zwei Tagen angeben, wohin seine Sachen zu senden seren, sowie der Teil seines Gehalts, den er noch nicht erhoben hatte. ;
att£ Niann zog die Stirn zusammen, sein Stolz nnd ferne Hartnackrgkert waren wieder erwacht 3
Fortsetzung folgt.
Vom Hund auf den Esel.
(Eine Tierschutz - Skizze.)
Nachdruck verboten.
Wort, dessen Herkunft ich nicht ermitteln kann, dessen Srnn aber jedenfalls allen klar ist, sagt: „Vom TJP s aUf ®*e ' auf den Hund und vom Hund auf den Schwanz kommen". Dabei gerät man immer werter nach unten. Anders im neuen Jahrhundert. Wir wollen wieder nach oben streben, wenn's auch nicht gleich 6'!^ überall die elektrische Kraft zur Fortbewegung zu be- r^r ‘U» h’-tr Veranlassung einiger rüh- schutzvererne versuchen, aus menschlichem Mit- gefnhl den Zughund von seinem schwierigen Amt zu be- Rüraers^/n"i den Esel zn ersetzen. Die Bremer Bürgerschaft hat rn einer ihrer letzten Sitzungen bewiesen, tzr bte neue Aufgabe der Esel (d. h. .der vierbeinigen volles Verständnis hat, sie hat auf Antrag des Herrn ^"rsltzers vom Bremer Tierschutzverein, Leschlosssen, daß das Weggeld für Eselfuhrwerke ganz weg-, fallen 1 oll. ^n der Sitzung sollen auch Worte gefallen sein wie die, daß iman vielchEinnahmeni haben würde, wenn Man für die zweibeinigen Esel Abgaben erhöbe. In einer schäft, wo so viele ernste Dinge besprochen, so manche tiocEenen Vorlagen erledigt werden müssen, kann man es niemand verargen, wenn er einmal die Gelegenheit beim faßt, und sich einen netten Kalauer gestattet.
, ^as Thema vom Esel hätte überhaupt bei dieser Gelegenheit sehr fruchtbringend sein können, ein gewandter Redner, dem der Schalk im Nacken sitzt, hätte es weidlich auvbeuten können unter der dankbaren Heiterkeit seiner Zuhörer. Die „Verwechselungen" dabei sind sehr leicht möglich. Wenn wir z. B. wünschen, daß bald schon recht viele Esel tn unserer Stadt Herumlaufen möchten, dann 'mag mancher glauben, wir wollten die Leser aufziehen wir wollten uns einen faulen Witz erlauben. Und doch so. Wir sind im Gegenteil davon überzeugt, daß die „sprichwörtliche Dummheit" des Grautiers auf keinen unserer Einwohner jemals anwendbar ist. Andererseits behaupten wir geradezu, daß die „sprichwörtliche Dummheit" des Esels ein Wahn ist. Unter jeder Gattung lebender Wesen giebt es weniger entwickelte Geschöpfe, also auch unter den Eseln. Mer diese sind längst nicht so dumm, wie man allgemein glaubt, und wir haben allen Ernstes vor, die Ehre des (vierbeinigen) Esels zu retten, schon im Interesse gedachter Bestrebungen des Tierschutz-Vereins und zur Bekämpfung der Unsitte, den Hund als Zugtier zu benutzen.
Wenn es im Laufe der Zeiten dumme, unnütze Esel gegeben hat, so müssen die Esel zur Zeit des mesopotamischen Propheten Bileam noch für kluge Tiere gegolten haben; sonst Hütte die Ueberlieferung nicht behauptet, daß Bileams Eselin viel verständiger gewesen sei, als der Prophet selbst. Und wenn man die munteren hübschen Esel sieht, welche jetzt des öfteren auf den bremischen Straßen Fuhrwerke ziehen, dann kommt man zu der Gnsicht, daß die „Rasse" ausschlaggebend ist, und daß der „dumme" Esel einer verkümmerten Gattung angehört. Im Orient z. B., wo die Esel als Haustiere sehr geschätzt sind, wo man sie auch zum Reiten benutzt, geben sie sich lebendig und geschmeidig. . Es ist das ungünstige Klima, auch wohl Vernachlässigung in der Pflege, welche die in nördlichen Ländern lebenden Esel verstockt und faul gemacht hat. Die in «ihren Ursprungsländern, in Asien und Afrika leberiden wilden Esel gar sind äußerst kluge, behende und tapfere Tiere, besonders die in Südafrika, dort sind sie ja selbst im gezähmten Zustande noch so klug, daß sie den Engländern ausgerissen, und mit den Kanonen ins Burenlager übergegangen sind, weil sie mit der Sache von John Bull micht sympathisierten.
Wenn also manche Besitzer kleiner Fuhrwerke sich ge- meren, mit einem Esel dahinzufahren, zumeist wohl, weil diesen Tieren die Dummheit sprichwörtlich anhaftet, und sie sich mit den so oft verspotteten Tieren nicht gern sehen lassen wollen, so ist das völlig verkehrt und ungerecht. Die von Tierschutzvereinen eingeführten Esel geben an ihrer Klugheit kaum den Pferden etwas nach. Es handelt sich nicht um die sogenannten französischen oder italienischen Esel, welche sich für Deutschland nicht eignen. Aber die z. B. vom Bremer Tierschutzverein eingeführten Esel sind das nordische Klima gewöhnt, sie stammen aus Schottland und sind durch geschickte.Zucht und sorgsame Pflege die kräftigen, an kleine Pferde erinnernden Tiere geworden, die jetzt einen so freundlichen Anblick vor ihren kleinen Fuhrwerken auf der Straße gewähren. In England ist ebenso wie in Amerika die Benutzung des Hundes als Zugtier vernünftigerweise verboten, und dort versehen zahlreiche Esel dieselben Dienste, welche bei uns in Deutschland und auch in Bremen die Zughunde verrichten müssen. In Deutschland sind die Städte Leipzig, Berlin, Hamburg, Wiesbaden iinb Bremen' «mit der Einführung der ischottischen Zugesel vorangegangen. Der Bremer Tierschutzverein hat bereits 20 Esel verkauft. Ein Tier stellt sich je nach Größe und Alter auf 85—100 Mark. Wagen und Geschirr können a,uf Wunsch ebenfalls billig geliefert werden. Die Futterkosten betragen höchstens 55 Pfg. pro Tag. In etwa zwei Wochen wird wieder ein größerer Transport Esel in Bremen eintreffen. Interessant ist auch die Nachricht, daß bereits der Berliner Tierschutzverein eine eigene Eselzüchterei eingerichtet hat.
Der Bremer Tierschvtzverein erleichtert durch günstige Zahlungsbedingungen die Beschaffung der Tiere. Der genügsame Esel ist schon mit der Unterbringung in einem trockenen Kellerraum zufrieden. Eine kleine Stallung wird aber zumeist leicht für ihn herzurichten sein. Der Esel verzehrt etwa 10 Pfund Heu uni) 2 Pfund Häcksel täglich, doch nimmt er auch sehr gern Abfälle, Kartoffelschaalen, Grünzeug, altes Brod u. s. w. Zwei bis dreimal muß er wöchentlich geputzt und gestriegelt werden. Wer sich an seine Wartung gewöhnt hat, findet bald, daß sie weniger Mühe macht, als die des Hundes. Die Arbeitsleistung des Esels überbietet die des Hundes um das Drei- bis Vierfache. Dabei kann ersterer zwanzig Jahre dienen, während letzterer oft schon nach einigen Jahren dahin ist. Krankheiten und Hufschüden kennt der schottische Esel kaum, Hitze und Kälte können ihm nichts anhaben. Er mich, allerdings beschlagen werden, ist dafür aber auch nicht dienstuntauglich wie so oft der Hund, wenn er fußkrank ist. Nicht unerwähnt bleibe, daß Eselsmilch, die vielfach zu Heilzwecken benutzt wird, durchschnittlich 3 Mark pro Liter einbringt, daß der Dung des Esels nicht wertlos ist, und daß der Roßschlachter für das Tier noch immer 15 bis 25 Mark bezahlt, während der untauglich gewordene Zughund keinen Wert mehr hat. Nimmt man alles zusammen, so stellt sich schließlich der Esel billiger als der Hund.
Also von der rein praktischen Seite aus muß schon der Esel den Vorzug vor dem Hunde verdienen. Nun kommt aber das wesentliche Moment: Die Benutzung des Hundes als Zugtier läuft auf grausame Tierquälerei hinauch wenn auch die wenigsten Besitzer ahnen mögen, wie viele Leiden der arme Hund vor dem Wagen durchzumachen hat. Der Hund ist von Haus aus nicht zum Zugtier geeignet, sein ganzes Wesen widerspricht dem. Seine weiche, vielteilige, zwischen den Zehen nur durch eine zarte Haut gedeckte Pfote kann nicht beschlagen werden, sie leidet furchtbar z. B. auf festgefrorenem Boden, im Schneeschmutz u. s. w. ie entzündet sich leicht. Während die Zugtiere, wie Pferd ilnd Esel, ein starres, kräftiges Rückgrat besitzen, ist das des Hundes beweglich und schwach. Seine Beinknochen ind niemals kräftig genug zum Ziehen, sein Lauf geht mehr nach der Seite, sodaß er gar nicht die ganze Körperkraft in der Zugrichtung ausnützen kann. Wie elend schaut oft so ein armer Zughund aus. Neulich sah ich einen olchen vor dem Wagen, dessen Führer ins Haus gegangen war, im halbgeschmolzenen «Schnee sitzen, der Körper -zitterte vor Kälte, das arme Tier leckte sich die Pfoten. Der Hund ist ein guter Wächter des Hauses, er ist aber kein Zugtier, vor allen Dingen nicht im Winter, wo der schlechte Zustandi der Straßen ihit furchtbaren Leiden aussetzt.


