„Hihihi, hihihihi", kicherte sie, und die Thränen kollerte« ihr über die roten Backen, „hihihi,hihihihi . . .
Meine Freundinnen sahen sich verlegen, mich schadenfroh an. „So ein Betragen, — das ist doch keine Manier, — das kommt Lei mir nicht vor, — das ist 'ne Erziehung von 'nem Mädchen", tönte und schwirrte es durcheinander.
Ich stand auf — ich fühlte, ich war leichenblaß geworden.
„Hihihi" lachte Anna weiter, „ein Hase, noch ein Hase, der vierte ..."
Entsetzt eilte ich hinaus. Und wirklich: wieder stand der Hausdiener eines Kaufmanns im Korridor und streckte mir einen Hasen entgegen.
„Was soll's damit?" fragte ich mit rauher Stimme.
„Das soll ich hier abgeben, gnädige Frau", erklärte der Bote devot, „bezahlt rst's schon, em Herr hat heute morgen den Einkauf bei uns gemacht. Als Geburtstagsgeschenk steht auf dem Ablieferungsschein".
Ich rührte keine Hand. Klapp — warf der Mensch den Hasen in die Ecke des Korridors. „Eine feine Herrschaft", hörte ich ihn draußen raisonnieren, „nich mal 'n Trinkgeld wirft es ab!"
Mehr tot als lebendig kehrte ich wieder in den Salon zurück. Die Damen saßen bei einem Gläschen Port und knabberten an Cakes. Wahrscheinlich waren sie gerade über mich hergezogen, denn das Geplausche verstummte plötzlich. Ich erfaßte sofort die Situation, und brachte das Thema auf ein anderes Gebiet.
„Mein Ernstchen muß sogleich aus der Schule kommen", begann ich, „nein, was die zarten Kinder jetzt alles schon lernen müssen, das gab's in meiner Jugend doch noch nicht. Uebrigens ist Ernstchen ein sehr kluger Junge. Denken Sie, meine Damen, er hat gestern schon seine Sparkasse geplündert. Um mir heilte eine Freude zu bereiten. „Ich schenke Dir etwas Praktisches, Mama", sagte er mir heute beim Weggehen, „etwas, was Du Dir immer so gewünscht haft".
Bei all dem Plaudern hätte ich ganz überhört, daß Ernstchen zugleich mit meinem Manne angekommen war. Ich hörte aber doch, wie mein Mann sagte: „Ernst, geh' Du zuerst rein!" Der Junge pochte artig an, dann schlängelte er sich langsam in den Salon, hinter sich her zog er ein längliches Etwas . . .
„Giebst Du denn den Damen keine Hand?" fragte ich erstaunt.
„Nachher!" erklärte der Junge.
„Ja, weshalb denn?" forschte ich weiter.
„Erst muß ich mein Geburtstagsgeschenk reinziehen", keuchte Ernstchen, zerrte aus Leibeskräften und schleppte einen Hasen in den Salon. „So", erklärte er leuchtenden Auges, „ich habe wohl gewußt, was Du Dir wünschtest . . .
Eine kleine Pause.
„Oh, oh!" stöhnte Frau Kügler, und drückte ihr Taschentuch vors Gesicht, „das Tier hat haut gout.
Da trat auch schon mein Mann ein, gestiefelt und gespornt wie er war, er hatte nicht einmal seinen langen Mantel draußen abgelegt. Nach einer kurzen Begrüßung wandte er sich an mich: „Aber, mein Herzchen, die vielen freudigen Ueberraschungen haben Dich schon ganz blaß gemacht, und ich will Dir noch eine weitere bereuen!" Er nestelte an seinem Mantel herum, und holte endlich hervor einen — Hasen
Ich heuchelte eine Ohnmacht. „Ach die Aermste", hörte ich noch Frau Bergmann sagen, „wenn wir gewußt hätten, daß sie einen solchen Wunsch geäußert hat, hätten wir das Geld für die Blumensträuße zusammengelegt und auch einen Hasen geschenkt. . . !"
Einiges über den Steinkauz.
(Vertrag in einer Ausschußsitzung des Gießener Tierschutzvereins, gehalten von H. Curschmann.)
Recht viele Feinde hat leider immer noch bei Tieren und Menschen der Steinkauz, sicherlich nur seines unheimlichen, nächtlichen Treibens wegen; denn Menschen, die seinen großen Nutzen erkannt haben, werden denselben
gewiß nicht verfolgen. Der Steinkauz räumt nämlich gewaltig unter den Mäusen auf; er ist der eifrigste Verfolger derselben. Er ist imstande auf eine Mahlzeit fünf Lis sechs erwachsene Feldmäuse ganz zu verschlucken, und nehmen wir an, daß er täglich nur vier verzehrt, so macht dies im Jahre 1460 Mäuse. Außer den Mäusen verzehrt er auch Ratten, und er vertilgt auch sehr viele schädliche Kerbtiere, Käfer und Raupen. Der weise Schöpfer hat den Steinkauz zu dieser Lebensweise besonders ausgerüstet; denn er ist mit einem scharfen Auge, das auch in der Nacht seinen Dienst versieht, ferner mit spitzen, scharfen Krallen, und mit einem leisen, geräuschlosen Fluge ausgestattet. Mehrere genaue, gewissenhafte Beobachter haben etwa 100 Gewölle (Auswürfe) des Wald- und Steinkauzes einer genauen Untersuchung unterzogen, und sie haben darin fast nur die Ueberreste von Mäusen, Ratten und anderem schädlichen Ungeziefer gesunden. Die große Nützlichkeit dieser Nachteulen kann also durchaus nicht bezweifelt werden, und wir dürfen demzufolge hoffen, daß die Fälle immer seltener werden, in denen unvernünftige Leute diese höchst nützlichen Vögel zu ihrem eigenen Schaden und zu ihrer Schande an das Hof- oder Scheunenthor nageln.
„Mit einbrechender Dämmerung", sagt der berühmte Naturforscher Lenz, „läßt der Steinkauz seine Stimme häufig hören; er schreit recht angenehm (?) lautend: Kuwit, kuwit! Abergläubische Menschen hören statt kuwit: komm mit, halten das nützliche Tierchen für den Vorboten des nahen Todes und ängstigen sich deshalb jämmerlich davor. Zuweilen flattert er sogar bei Nacht an erleuchtete Fenster der Krankenzimmer, und dann glauben die Leute, den sicheren Beweis für nahe bevorstehendes Unglück zu haben".
Die Kranken haben aber durchaus keine Ursache, sich zu ängstigen, denn der Steinkauz weiß ganz und gar nichts von ihnen; er fliegt an dem erleuchteten Fenster nuv seiner Nahrung, den Nachtschmetterlingen, die sich da versammeln, nach. Mag daher ein jeder Mensch den Steinkauz, soviel er kann, zu schützen und zu hegen suchen, und ihn auf Scheunenböden, Dachsparren und dergleichen, wo er sich gerne ansiedelt, dulden.
Litterarisches.
Die ,, Gartenlaube" veröffentlicht einen zeitgemäßen Aufsatz über „Klimatische Winterkuren von Prof. Dr. E. H. Kisch, dessen Ausführungen von größter Bedeutung sind und weiteste Verbreitung verdienen. Denn während man früher fast ausschließlich nur Lungenkranke nach dem Süden zur Ueberwinterung schickte, weiß man jetzt die günstigste Wirkung eines geeigneten Klimawechsels in weiterem Ausmaß zu schätzen und ihn auch bei anderen Gesundheitsstörungen mit Erfolg anzuwenden. Eine Abhandlung aus der Feder W. Berdrows, der durch Abbildungen von Ewald Thiel unterstützt, wird, giebt interessante Aufschlüffe über „die flüssige Luft im Experiment und in der Praxis" und der Artikel Karl Wolfs „Die Trud" bildet einen weiteren Beitrag zu der Artikelserie „Tragödien und Komödien des Aberglaubens". Die seit Beginn des Jahres eingeführten Beilagen bringen allerlei Mitteilungen über wichtige Tagesereignisse, Notitzen für Haus und Küche, über Mode und Kunst re., sowie zahlreiche Bilder aus der Gegenwart. In dem Roman „Im Wasserwinkel" bewährt sich aufs neue die Kunst W. Heim- burgs, den Leser in Spannung zu versetzen, und die Novelle Paul Hyeses „Der Schutzengel" gelangt zu einem voll befriedigenden Ende.
Logogriph.
(Nachdruck verboten.)
„Ei", spricht Hans, „das schmeckt ja prächtig, Ist zur Suppe mir willkommen." Wird's geköpft, hat es dem Landmann
Oft das Beste schon genommen. p.
(Auflösung in nächster Nummer.)
Auflösung des Rösselsprungs in voriger Nummer:
Gieb dich der Freude ganz zu eigen, Wenn dich umwogt ihr goldner Strahl; Doch zag' auch nicht, wenn du mußt neigen Dein Haupt dem Schmerz im Thränenthal.
Julius Sturm.
Redaktion: E. Burkhardt. — Druck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei (Pietsch Erben) in Gießen.


