Ausgabe 
4.9.1900
 
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Es wird viel geklagt über den unwürdigen Geschäfts­geist der Ober-Anynergauer, welcher durch sein Treiben vielen Fremden den Genuß und den weihevollen Eindruck des Spiels in Frage stelle, ja viele direkt abhalte, über­haupt nach Ober-Ammergau zu reisen. Wir persönlich haben keinen Grund, in diese Anklagen mit einzustimmen. Die Preise sind, wenn man die gewaltigen Unkosten der Leute bedenkt (die Halle allein kostet an 200 000 Mark; die vielfach dem Regen ausgesetzten und darum erneuer­ungsbedürftigen Gewänder verursachen große Ausgaben) und wenn man in Betracht zieht, daß nur alle zehn Jahre das Spiel stattfindet die Preise sind nicht zu teuer. Es scheint mir allerdings eine Schwäche dort in hohem Maße vorhanden zu sein, die ja leider vielen Deutschen anhaftet: die unbegrenzte Hochachtung vor allem, was Ausland heißt. Infolgedessen ist es mehrfach vorgekom- Men, daß von Auswärtigen bereits längst bestellte und bezahlte Billete kurzerhand großen, eben vor dem Spiel­tag anreisenden Gesellschaften von Amerikanern und Eng­ländern ausgehändigt worden sind. Diese Mißgriffe möchte ich weniger einer verwerflichen Gewinnsucht denn ich kann es nicht glauben, daß diese Leute sich durch höhere Angebote sollten bestechen lassen als vielmehr ihrer Unfähigkeit zuschreiben, den großen Geschäftsbetrieb zu übersehen und wie schon erwähnt ihrer leider ja bei Deutschen sehr verbreiteten Schwäche, dem Ausländer unbedingt den Vortritt vor dem Heimatgenossen zu lassen.

Der Garten im September.

Nachdruck verboten.

Im Herbst erhalten wir die Quittung für unsere Arbeit im Sommer und im Frühling. Wer rechtzeitig zur Hand war, Schäden und unangenehmen Zwischenfällen abzuhelfen, wer tapfer goß und düngte, dem ist reiche Ernte der Lohn. Zu ernten giebt es ja überall. Auf den Kartoffel- beeten, auf den Kohl- und Bohnenbeeten, den Gurken- und Selleriefeldern, und wenn es noch nicht überall im vollsten Maße geschieht, so sind wir doch dabei, der Ernte den letzten Schliff zu geben. Das gilt vorn hmlich von Bleichsellerie, dessen Gräben immer mehr zuge/hüttet wer­den müssen, das gilt vom Kardy, den wir in Stroh ein­hüllen, damit er bleicht, von der Endivie und dem Eskariol, um beide gleichfalls durch Bleichen zarter zu machen. Das gilt vom Sprossen- oder Rosenkohl, dessen Köpfe wir aus­brechen, wenn feine Rosetten noch gar zu klein sind, sowie von den Zwiebeln, deren Blattwerk wir knicken, wenn sie noch grün sein sollten. Wir sammeln zu gleicher Zeit Samen von den Gemüsesorten, die wir des Samens wegen anbauten. Wir säen aber auch noch Spinat, Wintersalat, Feldsalat Petersilie, Kerbelrübe, Teltower Rübe und Perl­zwiebel, um für das nächste Frühjahr vorzuarbeiten.

Im Obstgarten heißt es ebenfalls ernten, aber wir sollen nicht ernten wie unmündige Kinder, sondern als Geschäftsleute, d>. h. wir sollen gleich sortieren nach der Güte, und wer darin sauber und peinlich verfährt, erntet den klingenden Lohn in entsprechender Höhe. Wer in seinen Obstkörben großes und kleines, fleckiges und reines Obst zusammenwirft, darf nur Anspruch erheben auf den Ertrag, den fleckiges Obst bringt. Damit das fallende Obst keinen Schaden erleidet, wird der Boden unter den Bäumen gegraben und mit Stroh bedeckt. Wo Wasser­schosse die Krone durchsetzen, sind sie zum Heil des Baumes zu entfernen. Für neue Pflanzungen ist durch Auswerfen von Baumgruben, durch Rigolen des Bodens zu sorgen. Den jungen Obstokulationen ist der Verband zu lösen.

Auch im Rosengarten ist das Lösen der Okulationen durchzuführen, sind energische Vorbereitungen zur Be­kämpfung des Rosenrostes zu treffen. Für den Ziergarten mächen wir Aussaaten von Rittersporn, Mohn, Ringel­blumen. Die Zwiebeln von Narzissen, Tazetten, Hya­zinthen werden ausgepflanzt. Man pflanzt Ende des Monats Christrosen in Töpfe, setzt Stiefmütterchen, Ver­gißmeinnicht, Silene aus die dazu bestimmten Beete, ver­gißt auch das Veilchen nicht, das zur Treiberei in Töpfe gesetzt sein will. Zwiebeln von Hyazinthen, Tulpen rc.

werden in Töpfe gepflanzt und auf Gläser gebracht, damit uns im Winter nicht die duftigen Frühlingsboten fehlen. Wir suchen die Calla hervor und pflanzen sie um; wir setzen all' die Pflanzen, welche den Sominer über im freien Grunde des Gartens ausgepflanzt waren, als da sind: Azaleen, Dracänen, Abutilon und Fuchsien, Chry­santhemum rc., in Töpfe und sorgen dafür, daß sie einige Tage an schattigem Platze sich den neuen Verhältnissen an- passen. Wir bringen die Winterquartiere in Ordnung.

I. C. Schmidt, Erfurt.

Grasflecken in Weißzeug werden, wenn sie mit Seife ausgewaschen sind, stets eine schmutzig aussehend« Stelle hinterlassen. Es muß dann nochmals ganz kochen­des Wasser daraus gegossen werden. Auch kann man die Flecken gelinde schwefeln und dann nochmals regelrecht durchwaschen und spülen.

Litterarisches.

Der soeben erschienene ,,Gartenlaube-Kalender" für das Jahr 1901 begrüßt in schwungvollen, sornivollciideten Versen von Karl Busse das neue Jahrhundert und bietet diesein letzteren zu Ehren eine ganz besonders reiche Mannigfaltigkeit in Text nnd Bildern seinen Lesern dar. Den Reigen eröffnet SB. Heimburg, die beliebte Er­zählerin derGartenlaube", mit ihrer neuesten NovelleMaiblumen", welche das Schicksal eines mit Glücksgütern nicht gesegneten Mädchens in rührender Weise schildert. In das thüringische Dorfleben führt Else Hofmann uns mit ihrer lebenswahren und gemütvollen Er­zählungMutters Begräbnisgeld", während M. Berger in der Novelle Ihr Hans" eine kernhafte Frau aus dem Volk überaus treffend charakterisiert und deren schweres Geschick in schlichter, aber um so er­greifenderer Sprache erzählt. Höchst interessante wissenschaftliche Artikel in leicht verständlicher Darstellung haben beigesteuert der bekannte Zoologe Pros. Dr. Kurt Lampert über leuchtendes Fleisch und C. Falken­horst über passendes Schuhwerk. L. Holle spricht über die deutsche Hochseefischerei und deren Einfluß auf die Ernährung des Volkes, Karl Brandt giebt seine Erfahrungen über dieSprache" des Wildes kund, Martin Greif ist mit einem stimmungsvollen Frühlingsgedicht ver­treten lauter klangvolle, den Freunden derGartenlaube" und des Gartenlaube-Kalenders" wohlbekannte Namen, denen jene der Künstler, welchen der bildliche Schmuck dieses vortrefflichen Hausbuches anvertraut wurde, ebenbürtig zur Seite stehen. DerTagesgeschichtliche Rückblick", den Dr. Hermann Diez in der bekannten flotten und übersichtlichen Art geschrieben hat, ist wiederum reich illustriert, und das Kleinwerk an guten Ratschlägen für Hauswirtschaft rc., kürzeren gut pointierten humoristischen, historischen u. s. w. Artikeln, Anekdoten, astronomischen, statistischen, genealogischen rc. Notizen ist mit Sorgfalt und glücklicher Hand gewählt. Kurz, wir können den im Verlage von Ernst Keil's Nachfolger G. m. b. H. in Leipzig seit vielen Jahren erscheinenden, würdig und hübsch ausgestattetenGartenlaube-Kalender" nur empfehlen, um so mehr, als der billige Preis von 1 Mk. auch dem Minderbemittelten die Anschaffung gestattet.

Rösselsprung.

Nachdruck verboten.

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Auflösung in nächster Nummer.

Auflösung des Irrgarten-Rebus in voriger Nummer: Singe, wem Gesang gegeben.

8. »urk»«r»l. »ruck un» Hering »er Brüht'scheu Nntuerslrütt-Buch. nnd Stetutzruckerei (Pietsch tr»e*) in Niete«.