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Es waren trockene geschäftliche Ävrrcspondeuzeu, und er brauchte fern Gehirn nt^t anzustrengen, um sie mit den kurzen Bemerkungen für die Buchhalter zu versehen, denen sie später zur Bearbeitung zugewiesen werden sollten.
Da fiel ihm ein noch uneröffneter Brief in die Hände, dessen Schriftzüge ihn stutzig machten. Er kannte sie gut; denn erst vor wenig Tagen hatten ihm dieselben pedanttsch regelmäßigen Buchstaben eine der bittersten Stunden seines Lebens bereitet. Das Schreiben rührte von Georg Lengfeld her. Was konnte ihm der Staatsanwalt noch mitzuteilen haben?
(Fortsetzung folgt.)
Im Advent.
Kulturgeschichtliche Skizze von LudwigEpstein (Jülich).
Nachdruck verbvlen.
Nun hat der Herbst sein Regiment angetreten, und die Natur bereitet sich allmähliche für den Winter vvr. Wo wir auch Umschau halten, überall sehen wir kahle Bäume und sterbende Kräuter, über die kalte Nebel ihren trüben Schleier ausbreiten, den die schwachen Sonnenstrahlen nur noch selten zu durchbrechen vermögen.
„Letzte Blume schmückt die Erde, Letzte Sonne wärmt sie mild, An der dürren Rebenlaube Zittert die vergess'ne Traube, Und die Wolken fliegen wild."
Für -die Kirche beginnt jetzt — mit dem 1. Adventsonntage — ein neues Jahr; sie rüstet sich auf das Kommen des Herrn.
In allen Familien ist man mit den Zurüstungen für das liebe Weihnachtsfest beschäftigt. In sinniger Weise singt Gerok von dieser Zeit:
„Nun sinnt und sorgt die Liebe, Und süß ist ihre Müh';
Man spürt ein still Getriebe
Im Hause spät und früh: Das Kindlein lacht im Traum, Die Mutter wacht, zu schmücken Mit heimlichem Entzücken Den bunten Weihnachtsbaum."
Während der Adventszeit ist in katholischen Ländern das Rorate üblich. So nennt man nätylich die zu Ehren der Jungfrau Maria abgehaltenen Frühmessen, welche mit den Worten: „Tauet, ihr Himmel!" beginnen. „Noch lange, bevor der Tag graut, zieht alles, was da kann, mit Laternen und Fackeln versehen, hin zur festliche erleuchteten Kirche. Selbst die Kinder lassen sich weder durch Schnee und Eis, noch durch. Wind und Wetter abschrecken, ihre Eltern zu begleiten, und namentlich- in gebirgigen Ländern gewährt es einen eigentümlichen Reiz, an den Roratemorgen hinauszuschauen, wie bald da, bald dort die Fackeln und Laternen der von den Bergen herabsteigenden Landleute sichtbar werden, und diese bald in langen Reihen, bald' in Gruppen mit ihren Lichtchen über den Schnee dahin gleiten."
In protestantischen Ländern herrscht bis zu dem heutigen Tage die Gewohnheit, daß die unbemittelten Chor- und- Schulknaben in der Adventszeit an gewissen Tagen herumgehen und vor den Häusern geistliche Lieder singen. Deshalb heißt der Advent auch- Singzeit. Namentlich in Süddeutschland ziehen in den Donnerstagnächten vor Weihnachten Erwachsene und Kinder singend von Haus tzü Haus. Da sie dabei mit Hämmerchen und Ruten an die Thüren klopfen oder Ebsen, Linsen, Gerste und dergleichen an die Fenster werfen, werden diese Nächte Klöpfel- oder Knöpflingsnächte, in. Schwaben auch: An- klopfete genannt. Die bei diesen Umzügen vielfach eingesammelten Gaben an Brot, Früchten usw. werden den ärmsten Kindern für ihre Mern überlassen.
Hier und da, z. B. im Emslande, ist auch noch das Adventsblasen üblich, das man im Anklang an die bethlehemitischen Ereignisse bei der Geburt Christi auch „das Blasen der Hirten" nennt. Wie vielfach, so ist auch
hier die Kinderwelt der Träger des alten Gebrauchs. .An den Abenden vom ersten Adventssonntage bis zum Weihnachtsfest hört man die in ihrer Ursprünglichkeit eigenartigen Töne. Man bedient sich hierzu in der Regel wirklicher Tierhörner, meist von einem Ochsen, wie sie früher die Nachtwächter auf dem Lande hatten. Auf dieses Tierhorn ist dann noch ein Mundstück von Fliederholz als Verlängerung ausgesetzt. In manchen Orten nimmt man auch- mit einem Blechhorn vorlieb. Zum letztenmale ertönt das Horn in der hl. Stacht. Dann greift auch mancher Erwachsene zu diesem Instrument. In vielen Familien giebt es uralte Hörner, welche als altes Familienstück von Geschlecht zu Geschlecht vererbt werden, der jungen Welt zum Gebrauche und den Alten zur Erinnerung an längst entschwundene Tage.
Viele Gebräuche, denen wir in der Adventszeit begegnen, wurzeln in dem Glauben unserer Vorfahren, daß die Götter in der Julzeit durch das Land zogen und in den Häusern Einkehr hielten. In vielen Gegenden Norddeutschlands hält in der Zeit vor Weihnachten der sogenannte Schimmelreiter seinen Umzug. Das ist in der Regel ein Bauernbursche, der sich an der Brust ein Sieb befestigt hat, an dem vorn ein Pferdekopf angebracht ist, und das dann mit einem weißen Laken verhängt wird. So erhält der Bursche das Ansehen eines Reiters auf dem Schimmel, und in dieser Weise zieht er von Haus zu Haus, fragt die Kinder, ob sie beten können, und läßt sie dann ihr Berschen hersagen. Diejenigen Kinder, welche in der Probe. gut bestehen, beschenkt er mit Aepfeln, Nüssen und Pfefferkuchen, während die, welche nichts gelernt haben, oder über welche die Eltern Klage führen, mit einer Rute bestraft werden. Dieser Schimmelreiter ist niemand anders, als Odin oder Wodan, der nach dem Glauben unserer heidnischen Vorfahren auf einem weißen Rosse seinen feierlichen Umzug auf der Erde hielt. Auch der in der Gestalt eines in Pelzwerk eingehüllten bärtigen Mannes erscheinende Knecht Ruprecht, sowie der heilige Nikolaus erinnern an den Göttervater Wodan, der auch fortlebt in der Sage vom Wodansheere oder vom wilden Jäger, der, wenn draußen der Sturm heult und die Schneeflocken in der Luft wirbeln, auf seinem Schimmel durch die Lüfte sauft.
Die Adventszeit ist endlich im Volksglauben die Zeit der Weissagung, die Zeit des Zaubers? „Mit dem Andreasabende", sagte Dr. Mogk, „beginnt diese Zeit der allgemeinen Prophetie, hinter der etwas mehr steckt als ein kindischer Scherz: es ist der naive Wunsch unseres Volkes, hinter den Schleier der Zukunft zu schauen, ein Zug, der in erster Linie unserem weiblichen Geschlechte eigen ist. Erwachsene, unverheiratete Mädchen sind es vor allen, die in diesen Tagen eine Frage an das Schicksal stellen und zu erfahren suchen, ob sie ihr Lebensziel, die Verheiratung im kommenden Jahr erreichen werden, und was für ein Mann ihnen zugedacht sei." Am verbreitetsten ist wohl das Bleigießen. Sehr häufig begegnet ‘matt auch dem Schuh- oder Pantoffelwerfen, dem Zaunschütteln, dem Lichteschwimmen, dem Treten an die Bettstelle, dem Horchengehen re., und es ist erstaunlich, zu sehen, auf wie viele Dinge die weibliche Phantasie gekommen ist, um in der Andreas-, Thomas- und Christnacht die Zukunft zu erforschen.
Aber nicht yur für die Mädchen, .sondern für das ganze Volk sind .die gettcytnien Tage Schicksalstage. . Was in der Adventszeit geträumt wird, geht zweifellos in Erfüllung. Besonders die Landbevölkerung achtet genau auf di-e Erscheinungen in dieser Zeit. „So schneidet man z. B. fast in ganz Mitteldeutschland eine Zwiebel in zwölf Stücke, bestreut diese mit Salz und legt sie so der Reihe nach hin, durch jedes einen Monat bezeichnend: derjenige Monat, auf dessen Stück das Salz besonders feucht ist, wird naß sein. Andernorts thut man dasselbe mit Nußschalen, die mit Salz gefüllt sind, oder mit Mehlhäufchen. Eine besondere Rolle spielt in Oberdeutschland bei diesem Orakel der Schatten. Sieht man seine Gestalt am Christabend- an der Wand ohne Schatten, oder kann man beim Heimgang von der Mette seinen eigenen Schatten sehen, so stirbt man im folgenden Jahre. Auch dieser Aberglaube wurzelt in unzähligen Gestalten und steckt


