für deren Verwirklichung große Opfer zu bringen. Aber da dort die Gewinne nicht so ungeheuer sind, wie innerhalb der Trusts und Wahlkartelle, so würde der Wahl- sonds recht mager ausfallen, wenn nicht die Tammany- Partei zur Hand wäre . Diese nimmt das Geld thatsächlich, wo sie es findet, und steht nicht an, Tausende schamlos zu brandschatzen, wenn sie nur schließlich auf ihre Rechnung kommt. Der Präsidentenstuhl ist ihr weniger wichtig, als die Herrschet über New-chork, und der Präsidentschaftskandidat, ‘ der sich herbeiläßt, ihr für diese Stadt oder den Staat politische Kaperbriefe auszustellen, hat Tammany für sich, mag er Demokrat oder Republikaner sein. Die Tammany-Partei hat sich in diesem Wahlkampf für Bryan erklärt. Aber ihre ärgste Brandschatzung dürfte doch nicht den ungeheuren Fonds gewachsen sein, welche die großen Trusts beistellen können. Das Wahtgeschrei lautet also eigentliche nicht: Hie Bryan — hie Mac-Kinley, sondern hie Tammany — hie Trust!
Kein nur irgend erdenkliches Mittel wird seitens der Agitatoren unversucht gelassen, um im Interesse der Partei, in deren Dienst sie stehen, möglichst große Massen von Wählern zu gewinnen. In kleinen Orten und auf dem Lande sind es die Krämer, die Bier- urch Schnapswirte, westhe ihre Kundschaft gemäß den Wünschen der Leiter derjenigen Partei bearbeiten, für welche sie selbst gewonnen sind. Durch Vorteile, welche sie den ihnen meist verschuldeten Kunden gewähren, durch, Freibier, welches sie verteilen, wirken sie auf die niederen Volksmassen ein, die von den politischen Parteifragen meist nicht das geringste verstehen. In den größeren Städten oder in den auf dem Lande abgehaltenen großen Meetings und Volksversammlungen wirken die tüchtigsten Volksredner der verschiedensten Parteien, um durch geschickte packende Schlagworte, durch Witze und durch Verleumdung der politischen Gegner die Massen für sich und die Sache, der sie dienen, zu gewinnen. Es gehören die gewiegtesten Politiker von Profession, vielfach Advokaten, die tüchtigsten und schlagfertigsten Redner, die verschlagensten und am wenigsten bedenklichen Männer dazu, um in diesen Wahlvorbereitungen bedeutende Erfolge zu erzielen, um als Kandidaten'aufzutreten und bei den Wahlen schließliche. als Sieger hervorzugehen. Daß ihnen aus ihrer Thätrg- keit reiche Einnahmen zufließen, ist bekannt; sie benutzen aber auch ihre Macht, um sich, ihren Verwandten, Freunden, Gevattern und Günstlingen so viel einträgliche Aemter als nur irgend möglich zu verschaffen, und da jeder Regierungswechsel, die Einsetzung eines neuen Präsidenten und vollends die Verdrängung einer der beiden Parteien, die sich in die Herrschaft über das Land geteilt haben, durch die andere, stets eine Neubesetzung aller Aemter mit sich, bringen, so kann man sich; leicht vorstellen, mit welcher fieberhaften Leidenschaftlichkeit die Vorbereitungen zu den Wahlen, dieser Jagd nach den Aemtern, nach Einfluß und Wohlstand, in allen Schlichten der Bevölkerung betrieben werden.
Dieser für uns unverständlichen Leidenschaftlichkeit sind denn .auch die Unzahl von noch! unverständlicheren Wetten zuzuschreiben, die sich, auf das Ergebnis der Präsidentenwahl beziehen. Der „Herald" berichtete vor kurzem über ein volles Dutzend derselben aus den verschiedensten Teilen des Landes. Beispielsweise hat sich ein Mann in Chicago bereit erklärt, der Schwiegermutter eines politischen Gegners, mit dem er das Wahlresultat erörterte, zeitlebens den Lebensunterhalt zu gewähren, während als Gegenwert "die Verpflichtung übernommen wurde, einen Maulesel drei Wochen lang jeden Tag am' Schwänze zu zupfen, eine Aufgabe, die derjenige, der die natürlichen Anlagen und Neigungen eines solchen Tieres kennt, gewiß nicht'unterschätzen wird. Einer anderen Wahlwette zufolge muß der verlierende Teil zwei Wochen lang seine Kleider umgekehrt tragen. Sehr beliebt sind Bart- und Schub- karrenwetten. 'Mancher Wettende verpflichtet sich, wahrend der ganzen Amtsperiode des gewinnenden, Präsidenten, sofern dieser nicht von seiner Partei ist, kernen Bart zu tragen .Nach der Wahl sieht man häufig einen elegant
gekleideten. Herrn einen änderen in einem Schubkarren durch die Straßen fahren, ost unter Vorantritt einer Musikkapelle, stets aber mit einer starken Begleitung von Straßenjungen und Nichtsthnern, die den den Karren Schiebenden durch allerlei freundliche Ermunterungsrufe anfeuern. Andere Menschen, die nicht auf diese Weise nr Bewegung der Lachmuskeln sorgen wollen, wetten um neue Hüte oder auch vielfach um Geld, namentlich in Wall Street, und dort bietet man schon drei Dollars gegen einen, daß Mac-Kinley gewählt wird. Diese Leutchen dürften Recht behalten.
Geinsinnütziges.
Weißlederne Ballschuhe zu reinigen. Man kaufe sich in der Drogenhandlung für 10 Pfg. Kremser- weiß. Dieses Pulver wird mit Spiritus angefeuchtet und mittels einer Bürste auf die Flecke der Schuhe übertragen. Alsdann stellt man dieselben zum Trocknen, und die Flecke sind verschwunden.
Hesundyettspflege.
Heiße Sandbäder als Heilmittel werden in einer der letzten Nummern der „Deutschen medizinischen Wochenschrift" von einem Arzte angelegentlichst empfohlen. Die Verwendung des Sandes für die Zwecke der Krankenbehandlung ist so alt wie die Geschichte der Medizin; schon Herodot rühmt seine Wirkung als Bad gegen Fettleibigkeit, Wassersucht, Gicht, Asthma und Brustkatarrhe. Auch heute noch bereiten sich manche Naturvölker in tropischen Ländern ihre Sandbäder im Freien, und selbst ein.kulturell so hochstehendes Volk wie das der Japaner kuriert sich mit Vorliebe durch heiße Sandbäder. Das heiße Sandbad wirkt ähnlich wie das Dämpf- und Heißluftbad, ohne, wie diese, Beklemmungserscheinungen hervorzurusen. Der Sch.weiß- verlnst geht leicht von statten, ist aber so reichlich, daß; der Patient nach jedem Bade durchschnittlich! tausend Gramm üN Körpergewicht einbüßt; selbst Abnahmen von 3000 Gramm nach einem Vollbade sind beobachtet worden. Merkwürdig ist, daß man beim Sandbade viel höhere Temperaturen vertragen kann wie beim Wasserbade. Im allgemeinen wird Saud Von 40 Grad Celsius von der Körper- oberfläche fast als kühl empfunden, solcher von 45 Grad als lauwarm, etwa wie Wasser von 15 Grad Celsius. Sandbäder von 50 Gr. Celsius werden — normale Organe vorausgesetzt — als recht behaglich und angenehm geschildert. Lokale Bäder, d. h. Teilbäder für einzelne Glieder, können sogar unbedenklich bis auf 55 Grad gesteigert werden. Jedenfalls wird durch diese Bäder ein überaus schonender und doch nachhaltiger Hautreiz ausgeübt, und dadurch der Stoffwechsel des Organismus in durchaus befriedigender Weise angeregt. Der Hauptreiz setzt sich, aber zusammen aus der Wärme des Sandes, seinem gleichmäßigen Druck und ans der mechanischen Wirkung der Sandkörnchen.
Kapselratsel.
Nachdruck verboten.
Jagdrevier — Kleider — Königreich — Menschen — Verlustspiel — Aderlaß — Abendrot — Sündenfall — Verbreitung.
Es ist ein Sprichwort zu suchen, dessen einzelne Silben der Reihe nach in vorstehenden Wörtern versteckt sind, ohne Rücksicht auf deren Silbenteilung.
Auflösung trt nächster Nummer.
Auflösung des Magischen Quadrats in voriger Nummer:
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