Donnerstag den 2. August
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ie Wandel-, Schwanz- und Nebelstcrnc nahmen Einmal die Sonne peinlich in's Examen. Die Theorie der Wärme und des Lichts, Den Farbcnbruch, den Grund von Nacht und Tag Begehrten sie mit wicht'gen Kennermienen.
Die Sonne sprach: „Davon versteh' ich nichts." Dann stand sie auf. Die klaren Augen schienen
Vor Lust und Mut, und — ringsum ward es Tag.
Karl Spittcler.
(Nachdruck verboten.)
Geächtet.
Roman von LotharBrenkendorf.
(Fortsetzung.)
Voll höchsten Erstaunens hatten sich die Blicke der drei Männer aus den Sprechenden gerichtet. Elisabeth aber wähnte, daß ihr das Herz zerspringen müßte vor namenloser Angst. Ihr Atem stockte, und vor ihren Augen flimmerte es, so daß sie nur noch wie durch einen dichten Rebel die Gegenstände im Zimmer erblickte. Hätte der General jetzt zufällig zu ihr hinüber gesehen, so würde keine Aufopferung des jungen Offiziers im stände gewesen sein, sie vor seineni Argwohn zu schützen.
Aber die unerwartete Einmischung seines Adjutanten batte ihn so aus der Fassung gebracht, daß er in diesem Augenblick nicht daran dachte, sich um ferne Tochter zu kümmern. ,
„Was soll das heißen, Herr Leutnant?" brach er als der erste das aus Plothows Worte eingetretene Schwergen. „Was können Sie von dem Aufenthalt dieses Burschen wissen?"
„Herr General halten zu Gnaden, fernen gegenwärtigen Aufenthalt kenne ich allerdings nickst. Wohl aber kann ich Auskunft darüber geben, daß er dieses Haus gestern nur auf kurze Zeit betreten hatte, um .mit nur zu sprechen und mich um Beistand zu bitten für ferne
„Süßte Er ist wirklich hier gewesen, der Lump? Die beiden Kerle haben also nicht gelogen? Und man hat mir nichts davon gemeldet? Ah, das ist stark! -och erwarte Ihre weiteren Erklärungen, Herr Leutnant von Plothow". „
„Ich erlaube mir zu bemerken, Herr General, daß niemand außer mir eine solche Meldung hätte erstatten können; denn niemand sonst hat den Flüchtling zu Gesicht bekommen. Ich gab ihm meinen Mantel, um rhn
unkenntlich- zu machen, und nahm ihn mit mir in meine Wohnung, von wo er sich dann später in einer Verkleidung entfernte".
Die beiden Gerichtspersonen tauschten bedeutsame Blicke aus und setzten überaus feierliche Mienen auf. In dem Antlitz des Generals aber spiegelte sich die schmerzlichste Ueberraschstng.
„So wußten Sie nicht, Herr Leutnant, daß mein Neffe von der Räcknitz ein Uebelthäter war — mit Leib und Leben dem Gesetz verfallen?"
„Ich wußte es, Herr 'Generäl!"
„Und haben ihm dennoch fortgeholfen? — Herr, meinten Sie vielleicht, mir damit einen Dienst zu erweisen?"
„Nein! Ich that es aus — ans persönlichjer Freundschaft für den Verfolgten. Ich war mir bewußt, eine sträfliche Handlung zu begehen; aber ich bitte gehorsamst, alle weitere Auskunft vor dem Kriegsgericht geben zu dürfen."
Die Züge des Generals erstarrten plötzlich zu steinerner Härte. „Der Wunsch kann Ihnen erfüllt werden. — Da Sie Zeugen dieses Geständnisses gewesen sind, meine Herren, müssen Sie auch begreifen, daß es für Sie vorläufig hier nichts weiter zu untersuchen giebt. Mit diesem Offizier haben Sie nichts zu schaffen; denn er untersteht einer anderen Gerichtsbarkeit als der Ihrigen. Ich empfehle mich Ihnen, Messieurs!"
Die beiden.flüsterten ein paar, Sekunden lang untereinander. Dann nahm der eine von ihnen bescheident- lich das Wort: „Ich bitte unterthänigst um Vergebung, Herr General, aber wenn Jhro Gnaden den Herrn Leutnant vielleicht veranlassen könnten, uns wenigstens mitzuteilen, in welcher Art von Verkleidung Hochdero Herr Neffe das Weite gesucht haben —"
Fragend richteten sich die scharfen Augen des Generals auf Plothow. Der Adjutant zauderte ein wenig, dann aber erÜärte er fest und ruhig: „In der Verkleidung eines preußischen Offiziers. Ich hatte ihm auf seine Bitte eine meiner eigenen Uniformen gegeben".
„Ah, dann läßt fich's freilich begreifen, daß er entwischen konnte", meinte der wißbegierige Beamte. „Jhro Gnaden wollen also die Gewogenheit haben, in betreff dieses Herrn Offiziers das weitere zu veranlassen?"
„Ja, zum Henker, habe ich es Ihnen nicht bereits gesagt?" brauste Herr von Marschall auf. Und dann, hinter einem barschen Befehlston verbergend, was während dieser Augenblicke in seinem Innern vorgehen mochte, wandte er sich, an den Adjutanten: „Herr Leutnant von Plothow — Ihren Degen!"
Schweigend gehorchte der junge Mann; aber in dem Augenblick, da er sich! anschickte, dem General seinen Säbel


