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die nötige Zukost zum Leben zu schaffen, weiß später kaum noch, daß man sie entbehrt "

Hertha plänkelte mit Albert und Mr. White über das Thema der Heiligen weiter. Sie verzog den Mund.Nun, mein Ideal ist jedenfalls kein Heiliger und darf nicht lang­weilig sein!"

Der Alte hob die Tafel auf, man trat auf die Terrasse hinaus. Man übersah von hier einen großen Teil der schönen Besitzung, und Albert hörte, wie sich der Onkel in eine Erörterung über Forstkultur mit Hans einließ, und auch auf dem Gebiet war dieser zu Hause.

Den jungen Osflzier überkam ein dumpf resigniertes Gefühl, die glänzenden Perspektiven, die ihm von seiner Geburt an, oder wenigstens so lange er denken konnte, vor Augen gestellt waren, versanken- das Damoklesschwert, das nun seit vier Jahren über seinem Haupte schwebte, fiel herab. Aber brauchte es ihn zu vernichten beinahe empfand er es wie eine Befreiung, daß die Entscheidung jetzt kam. Auch die Gewiffensqual um Mathilde war von seiner Seele ge­nommen, und dieser noch nicht geklärte Zustand seines Innern, den die neuen, plötzlich hereinbrechenden Eindrücke fchufen, kam ihm vorerst als dumpfe Ruhe zum Bewußtsein.

Hertha und Mathilde saßen draußen auf dem Balkon, in ein heiteres Gespräch vertieft, dem frohen Lachen nach zu urteilen, das oft aus jener Ecke herüberscholl. Seine Blicke hingen doch verstohlen an der ehemals Geliebten. Der Zauber, der ihn schon umstrickte, als fie das junge, unerfahrene Mädchen, die bescheidene Musiklehrerin war, mußte wohl jetzt, wo diese Knospe sich so reich und üppig entfaltet hatte, doppelt seine Wirkung üben.

Der Oheim hatte sich in seinen Stuhl zurückgelehnt und eine Zigarre angezündet. Er bot seinem Gast von dem besonders guten Kraut- der Onkel rauchte selten, aber er war ein Feinschmecker auf allen Gebieten. Bruder Hans in seiner seltsamen Rolle lehnte nachlässig an der Ballustrade und redete wie ein Fachmann über Waldkultur. Ihn be­handelte Hans wie einen völlig Fremden selbstverständ­lich, die Komödie mußte konsequent durchgeführt werden. Er gab ihm auch nicht das kleinste geheime Zeichen eines Einverständnisses. Am unverständlichsten blieb, daß der Onkel auf dies Spiel eingtng.

Der Kaffee war herumgereicht worden, Mr. White schickte sich an, sich zu empfehlen. Hertha sprang auf und stand neben dem Onkel.Würdest Du nicht erlauben, daß Mr. White den Marstall besichtigen darf? Es interessiert Sie natürlich riesig, nicht wahr, Mr. White? Albert wird sich ja ein Vergnügen daraus machen, dem Fremden die Schätze, welche Schloß Trautdorf birgt, zu zeigen."

Der alte Herr stutzte, er sah ihr forschend und ein wenig strenge in das lebendige Gesicht.Wenn es dem Herrn Vergnügen macht," entgegnete er langsam.

Ich würde sehr dankbar sein für solche Gunst." Die Antwort des Amerikaners klang höflich und steif, er verneigte sich förmlich zum Abschied und küßte den Damen die Hand.

Albert hatte sich schon erhoben und begleitete den Buder. Sie schritten schweigend neben einander die breite Treppe hinunter und draußen dem Marstallgebäude zu.

Darf ich mir die Frage erlauben, was mein Herr Bruder mit dieser wunderlichen Komödie beabsichtigt?" fragte Albert ruhig.

Gar nichts, mein Lieber," Hans von Trott sah gut­mütig lächelnd auf den Jüngern, dem er einen so großen Strich durch die Rechnung zu machen im Begriff war, stelle die Frage lieber an den Onkel, der, wie Du selbst erlebtest, die Komödie einleitete."

So weiß er, wer Du bist?" Albert fragte es beklommen.

Hans zuckte die Achseln.

Bliebst Du während dieser Jahre in Europa? Und warum gabst Du mir nie mehr Kunde von Dir?" fragte Albert weiter.

Ich glaube, Du sehntest Dich gar nicht nach dieser Kunde," entgegnete der andere,es knüpfte sich zwischen uns kein brüderliches Band. Du ließest mich und Dein Mädchen lange warten da unten, während Du hier oben in Schäfcrspielen Dich ergingst Mr. White ist aber ein Mensch, der das Warten verlernt hat, er war es zu sehr gewohnt worden, sich selbst zu helfen. Du siehst es, wir sind jetzt beide hier, sie und ich auf unsere eigene Art."

Er klopfte dem Bruder lachend die Schulter, als handle es sich um einen kapitalen Witz.

Sage mir um Gottes willen, bliebst Du ihr zur Seite? Stütztest Du sie während Ihr mich"

Nicht in Deinen Schäfersptelen störten richtig, und das war doch rücksichtsvoll. Wie weit hast Du denn Dein Terrain erobert? Die Festung ist noch immer nicht gestürmt. Beeile Dich, mein Junge, man kann nicht wissen, waS geschieht. Ah! Da kommt der Stallmeister, willst Du mich vorstellen, bitte."

Der Beamte begrüßte den Fremden artig.Ich habe schon viel von Ihnen gehört," sagte er,und es ist mir natürlich eine besondere Freude, einem solchen Kenner unser Gestüt vorzuführen. Es kann sich sehen lassen."

Mr. White trat in die Ställe, er sprach mit dem Stallmeister, der ein Engländer war, in seiner Muttersprache, Albert konnte schlecht folgen. Die Situation war für ihn keine angenehme, er wurde überall in den Hintergrund gedrängt. Die Betrachtung, wie der Verwilderte sich in den paar Jahren zivilisiert hatte, drängte sich ihm auf. Er war jetzt wohl befähigt, hier den Standesherrn zu spielen.

Hertha hatte sich umgezogen und kam in ihrem Promenadenanzug, ein kokettes Jockeymützchen auf dem Scheitel, auch herunter. Der Onkel und Mathilde standen oben auf einem Balkon, der in diesen Hof hinausging.

Herthas Wangen glühten, sie schritt mit den Herren an den Ständen entlang, kannte jedes Tier und rief es beim Namen und klopfte und streichelte die schlanken Hälse. Sie war so im Fach bewandert, daß ihre Begleiter voll­ständig vergessen konnten, daß eine Dame mit ihnen war.

Mr. White zog Albert jetzt in die Unterhaltung, es war von den Ankäufen für die Remonte die Rede, Albert gab da Bescheid. Sie standen jetzt vor dem störrigen Ajax.

Der Stallmeister berichtete, daß alle seine Versuche bei dem herrlichen Tier bis jetzt noch vergeblich gewesen seien, es duldete keinen Reiter, und er fürchte, der gnädige Herr habe da einen Fehlkauf gethan. Er habe eine enorme Summe für das arabische Vollblut bezahlt.

Mr. White lächelte, ging um das Tier herum, betrachtete es von allen Seiten, berührte es dann wie von ungefähr, nahm Plötzlich seinen Kopf in seine Hände und blies ihm seinen Atem in die Nüstern, legte seinen Mund an des Tieres Ohr.

Mit ungläubigem, verwundertem Lächeln sahen die Umstehenden diesem Gebühren zu. Der Ajax duldete sonst auch keine Berührung von fremder Hand, er hatte sich mühsam jetzt an den Stallmeister und einen der Stallknechte gewöhnt. Er war ungemein sensible.

Ist es mir erlaubt, den Ajax zu reiten?" fragte Mr. White.Mich läßt er aufsttzen."

Aber, mein Herr" Der Stallmeister wollte Ein­wendungen machen Hertha sah ängstlich aus, Albert meinte, dem Versuch stände nichts im Wege, wenn Mr. White seines Erfolges sicher sei und seine Haut zu Markte tragen wolle.

Der Amerikaner hatte schon einem Reitknecht gewinkt und Sattel und Zaumzeug bringen lassen. Er sattelte und zäumte das Roß selbst. Dann führte er es langsam, während die anderen zurücktraten, hinaus, es fortwährend liebkosend, streichelnd und in einer seltsamen, halblauten Weise mit ihm redend.

Und Plötzlich, blitzschnell, ohne daß die Umstehenden