Nachdruck verboten.
Der Gylfenhof.
W«e Erzählung von P. Ditfurth.
(Fortsetzung.)
XIV.
„Nun denke Dir, Anna, ich habe Mama bewogen, daß sie uns zu meinem Geburtstage ein Gartenfest gtebt, ist das nicht reizend?" Frida blickte in Hellem Triumphe ihre Freundin an. Beide waren in Renatas Zimmer zusammen getroffen und es war seltsam, daß sie gern dorthin gingen, obwohl ihnen an dem ernsten Mädchen so vieles nicht gefiel.
„Ein wundervoller Gedanke, Frida," rief Anna, ihre kurz geschnittenen Haare zmückwcrfend, „er wird mit Wonne begrüßt werden in dieser öden Zeit." Sie warf einen Z-virn- knäuel aus Renatens Arbeitskorb als Ball in die Höhe. „Hören Sie auch zu, Renata?" wandte fie sich an diese.
Renata fuhr ein wenig zusammen und blickte ziemlich verständnislos auf, sie hatte ihre Gedanken wandern lassen.
„Ei, woran dachten Sie?" neckte Anna, „können Sie auch träumen?"
Renata wurde rot und Frida rief:
„Ach, für solche Dinge interessiert sich Renata nicht!" „Ich will Ihnen helfen, mein Kind, damit Sie sich in der bösen Welt zurecht finden," sagte Anna mit komischem Pathos.
„Also es wird ein Gartenfest im Gylfenhofe gegeben, Anfang August, ehe die Studenten ausrücken. Frida schwebt als Luna über uns, wir als Schwärmer und Schwärmerinnen um fie her, dazu bunte Laternen, Raketen, Fackelschein, kurz, ganz k ia Tausend und eine Nacht."
„Du bist unartig," schmollte Frida, den Kopf aufwerfend.
„Nun sehen Sie dieses Kind, Renata/ ich gehe mit
m
rPKPlffl
ie liegt der edle Kern so lange in Spreu und Plunder tief versteckt! So bleibt auch oft das Wort des Meisters vom leichten Tand der Zeit bedeckt.
Mag drüber hin das Unkraut wuchern, der starke Keim bricht doch hervor,
Und streckt zu einem Wunderbaume sich vor der Nachwelt schnell empor.
W. Müller.
solchem Feuer auf ihre Idee ein, daß ich nächstens als bengalische Flamme aufgehen werde, und das nennt sie unartig!"
Die beiden anderen Mädchen lachten, und Frida wandte sich etwas besänftigt an Renata:
. „Du kommst natürlich auch."
„Ich?"
„Ja Du,- ich nähme es sehr übel, wen» Du es nicht thätest."
„Ich bin in Trauer, Frida."
„Deshalb können Sie immer kommen," warf Anna ein, „es ist ja keine öffentliche Lustbarkeit, und Sie brauchen nicht zu tanzen."
Renata schüttelte den Kopf.
„Das werde ich Mama überlassen, Dich mürbe zu machen, Renata," sagte Frida sehr zuversichtlich.
„Dann wette ich, Sie kommen, Großmütterchen!" rief Anna. Sie nannte Renata zuweilen so.
„Eine Großmutter gehört nicht unter die Jugend," erwiderte Renata ein wenig gereizt/ warS ihr doch am Ende nicht recht, daß gerade Anna Burghoff sie so nannte?
Diese lachte: „Darum eben will ich unser Großmütterchen in einem jungen Mädchen von neunzehn Jahren untergehen sehen/ passen Sie auf, wir wenden alles an, ich habe Sie viel zu gern und erst gefielen Sie mir gar nicht."
Renata mußte über das offene Geständnis lachen.
„Anna, wir müssen nach Hause," mahnte Frida, und suchte nach ihrem Hule.
Mit vielen Worten und langem Abschiednehmen verschwanden endlich die beiden Mädchen. Renata war wieder allein. Sie fühlte sich jetzt nicht mehr so einsam wie früher, eine eigene wunderbare Träumerei kam oft über sie, dann war fie zerstreut, was sie früher nie gewesen, und fuhr zusammen, wenn ein fremder Ton ihr Ohr traf. Und doch gab sie sich keine klare Rechenschaft darüber, sie, die sonst jeden Gedanken, jedes Wort streng vor Gericht forderte/ eS war, als scheue sie sich, in ihr eigen Herz zu blicken und die Gedanken zu sondern, die dort so verworren auf und nieder gingen. Sie dachte oft, wie an jenem Geburtstagsmorgen, daß die Welt doch schön sei. War das die Zeit, die ihr Viktor verheißen, wo sie fühlen würde, was Jugend sei?
Und fie ging zu Fridas Geburtstage nach dem Gylfenhofe. Charlotte hatte ihr auf Fridas Drängen eifriger zugeredet, als sie sonst wohl gethan haben würde, und Renata ließ sich überreden und überwand auch ihr beklommenes Herz,


