Ausgabe 
26.10.1899
 
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in gut Wort und ein sanfter Regen dringen überall durch.

Sprichwort.

Ein gutes Word bleibt lange im Gedächtnis.

Sprichwort.

Nachdruck verboten.

Der Gylfenhof.

Eine Erzählung von P. Ditfurt h.

(Fortsetzung.)

XIII.

An einem herrlichen Maitage saß Renata mit Frau Charlotte auf der Terrasse im Garten des Gylfenhofes. Der Garten war nicht groß und schloß dem Vordergebäude gegenüber mit besagter Terrasse ab, die ihrerseits durch eine hohe Mauer begrenzt war. Auf der einen Seite lag der alte Flügel mit dem Archiv, auf der anderen eine hohe, fensterlose Hauswand.

Frida und Max waren heute zur Hochzeitsseier, bei Burghoffs, und Charlotte hatte Renata gebeten, den stillen Nachmittag mit ihr zu verplaudern.

Ihre Unterhaltung wurde bald eine eifrige und ein­gehende. Renata sprach von ihrer einsamen und voraussichtlich oft schweren Zukunft- es graute ihr, in die Welt zu treten, und zu Charlottens freundlichem Zureden hatte sie nur trübes Kopfschütteln.

Ich weiß es nicht, aber mir ist manchmal, als ruhe ein Fluch auf meiner Familie," sagte sie mit zitternder Stimme.

Aber mein liebes Kind, weshalb solch' schwarze Ge­danken?" sagte Frau Falkner liebevoll.

Ach mein trauriges Elternhaus mit seinen Schatten/ mein düsterer Vater, vor dem ich mich fürchtete/ meine Mutter, die ich nie habe lächeln sehen. Der ältere Bruder ertrunken, und der jüngste überfahren." Sie barg ihr Gesicht schluchzend in den Händen und lehnte den Kopf an Charlottens Schulter, während diese das aufgeregte Mädchen fest mit dem Arm umschloß.

Sprechen Sie weiter, Kind,* sagte sie leise,es er­leichtert Ihr Herz."

Renata drückte ihr die Hand und fuhr fort:Einen freundlicheren Eindruck habe ich von unserem guten, alten Onkel behalten, er war manchmal heiter und sehr gut gegen

uns Kinder. Wir hingen mit großer Liebe an ihm, aber nach meines Vaters Tode wurde er immer stiller und ging ost stundenlang allein spazieren. Vor seinem Ende habe ich ihn viel weinen sehen, und wenn ich fragte, warum? dann wmkte er so wehmütig und sagte:Gott helfe Dir, mein Kind, ich möchte alles fortwaschen mit meinen Thränen, und es geht nicht mehr."

Und Ihre Mutter starb Plötzlich?" fragte Charlotte.

Ja," erwiderte Renata,sie war zwar schon lange leidend, aber ihr Ende kam doch recht schnell, es war wohl ein Herzschlag."

Ein schwerer Schritt vom Hause her unterbrach den traurigen Bericht des jungen Mädchens. Der Konsul, auf einen Stock gestützt, schritt auf die Terrasse zu.

Renata begrüßte ihn stumm, während seine Tochter es ihm in einem Gartensesiel bequem machte. Der alte Mann achtete nicht sonderlich auf den Gast und dieser zog sich etwas beklommen zurück.

Heute sah man dem Konsul nicht an, welcher Dämon seinen Geist gefangen hielt. Auf einen Wink der Hausfrau trat Renata wieder näher und nahm neben ihr Platz. Sie konnte nicht umhin, den Konsul verstohlen zu beobachten.

Wie schön mußte dieser Männerkopf einst gewesen sein, noch jetzt war er es, und nie hatte Renata ein Gesicht ge­sehen, das diesem an edlem Schnitt und tadelloser Regel­mäßigkeit gleichkam.

Welche Macht mußten diese Augen gehabt haben, die noch jetzt, wo ein düsterer Schleier darüber lag, solche Gewalt besaßen, daß man bange wurde unter ihrem Blick.

Frau Charlotte sprach mit ihm freundlich über harmlose Dinge, aber er antwortete entweder gar nicht, oder nickte nur gleichgültig mit dem Kopfe.

Renata hatte die feste Ueberzeugung, daß er ihre Anwesenheit vollständig vergessen hatte, um so überraschter war sie, als sich der alte Herr plötzlich an sie wandte mit der kurzen Frage:Warum kommen Sie so selten?"

Ich komme wohl öfter, als Sie vermuten, Herr Konsul," ewiderte sie etwas befangen.

Aber ich sehe Sie nie und habe auch Ihre Musik nicht -wieder gehört," sagte er nach einer kurzen Pause vor sich hin, ohne sie anzusehen.

In Charlottens Augen leuchtete ein Strahl auf, und sie nickte dem jungen Mädchen ermunternd zu.

Ich glaubte, Sie hätten mich und mein Spiel längst wieder vergessen,"^, versetzte Renata schon mutiger und mit einem freundlichen^Lächeln.