Ausgabe 
26.3.1899
 
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Nicht an? Weshalb verschwanden Sie bei Nacht und Nebel? Der Herzog war wütend, Ihre Hoheit, die Herzogin-Witwe war sehr traurig man machte es mir zum Vorwurf, daß id) Sie nicht zurückgehalten hatte ich bitte Sie, Elste, habe ich nicht alles gethan, Sie zurückzuhalten?"

Alles, was in Ihren Kräften stand," entgegnete Elste bitter.Nur in Ihr Haus konnten Sie mich nicht auf- nehmen."

Mein Gott, wenn Sie mir alles gesagt hätten!"

Beruhigen Sie fich. Sie sind wahrlich nicht schuld, baß ich die Stadt so schnell verließ. Die Schuld trägt allein -der Herzog."

Der Herzog?"

Ja, er brach die Brücken hinter sich ab, er hielt es nicht einmal der Mühe für wert, noch ein Wort an mich -zu richten, er reiste noch an demselben Abend fort."

Ach, Elste, Sie wiffen ja den Zusammenhang nicht. Der Herzog reiste ab, nachdem er eine lange Unterredung mit Ihrer Hoheit gehabt. Sie forderte seine Abreise, nur unter dieser Bedingung wollte sie Sie, Elsie, bei fich be­halten, für Sie weiter sorgen."

Elsie erbleichte. Also das war des Rätsels Lösung! Oh, wie thöricht war sie gewesen in ihrem Mißtrauen, in shrer Verblendung! Sie erkannte die Absicht der Fürstin, Ihr den Abschied vom Hofe ehrenvoll und leicht zu gestalten, welche Absicht ihr rascher Schritt vereitelt hatte. Aber es war ja jetzt nichts mehr zu ändern. Vielleicht war es gut, daß alles so gekommen, sie hatte sich wenigstens ihre Freiheit und Unabhängkeit bewahrt.

Ich bedauere sehr, die Herzogin betrübt zu haben," sagte sie leise.

Sie können Ihren Fehler wieder gut machen, Elsie! rief der General lebhaft.Sie können den Herzog, Sie Wune Ihre Hoheit versöhnen! Sie brauchen nur auf meinen Vorschlag einzugehen."

Ich verstehe Sie nicht."

Wir haben Ihre RuhmeSlausbahn verfolgt, Elsie. Der Herzog, die Herzogin, namentlich die letztere ist hocherfreut, daß Sie sich so rasch Anerkennung errungen. Gestern abend hörte Sie der Herzog, ich war mit ihm in Ihrem Konzert ach, Elsie, welch' eine Bühnenkünstlerin würden Sie werden!"

Wollen Sie mir ein Engagement anbieten?" fragte lächelnd.

Allerdings will ich das!"

Kommen Sie etwa im Auftrage des Herzogs?"

Nein, Elsie, ich komme auS eigenem Antriebe. Aber ich weiß, daß der Herzog, daß die Herzogin alles, was vor­gekommen, vergessen würden, wenn Sie sich entschließen könnten, an unser Hoftheater zu kommen."

Wenn sie alles vergeffen könnten, ich vermag nichts zu vergessen!"

Ach, Elsie, Sie thun uns, Sie thun dem Herzog un­recht! Der Herzog ist ein edler Mensch, er würde Ihnen mit der größten Achtung begegnen, und die Herzogin würde Sie freudig begrüßen. Meine Gattin und ich, wir würden Sie in der Gesellschaft einführen, Sie würden in unserem Hanse Wohnung nehmen. Elsie, ich bitte Sie, überlegen Sie mein Angebot! Auf die Gage kommt eS nicht an fordern Sie nur! Wenn es auch nur auf ein Jahr wäre! Nur auf wenige Monate als Gast bedenken Sie Ihren Vorteil nach jeder Richtung hin! Der Herzog würde Sie zur Kammersängerin ernennen. Ich will Sie als meine Tochter empfangen und halten und Sie sollen meinen Namen führen bedenken Sie mit einemmale haben Sie den Gipfel erreicht. Die Welt liegt bewundernd Ihnen zu Füßen!" (Fortsetzung folgt.)

Palmsonntag.

Novelette von Gerhard Walter.

------ (Nachdruck verbot«.)

Der Oberleutnant zur See von Willbrandt saß vor einem Haufen von Briefen. Vor wenigen Tagen erst war er nach dreijährigem Aufenthalt in fernen Meeren an Land gekommen. Gleichmütig öffnete er die Briefe. Aber plötzlich belebten sich seine Züge.Aha!" sagte er und setzte sich zurecht. Ein etwas spöttisches Lächeln legte fich um den energischen Mund.

Ist das nur möglich! Merkwürdig, was das für einen Unterschied macht, ob man als armer Offizier um ein Dar­lehen bittet, oder selbst ein reicher Mann geworden ist! Und da letzteres bei mir eingetreten, entsinnt sich der brave, alte Kammerherr mit einem Mal des sonst wenig geliebten Neffen und ladet ihn zu sich ein! Kann mir gerade einfallen! Jetzt bin ich Euch gut genug!" Er warf den Brief zornig auf den Tisch.

Vor drei Jahren war ich zuletzt da. Scheußlich steif und langweilig! Ein Lichtblick war nur die reizende Hedwig von Landring! Ein prächtiges Mädel! War ja schon damals mit ihren dreizehn Jahren ein junges Geschöpf von selt­samem Liebreiz. Hab' genug draußen auf See an das lieb­liche Kind denken müffen so jung sie war, doch Lady durch und durch und fast erwachsen. Die ist nun auch schon sech­zehn Jahre alt und konfirmiert und Gott weiß was sonst!" Er stand am Fenster und sah hinaus.

Donnerwetter, ich fahre doch!" rief er plötzlich,und nur um ihretwillen! Los Vorschotten!" Er öffnete das Fenster und ließ die duftige Frühlingsluft ins Zimmer wehen. Er atmete tief auf.Ich muß dem Frühling wieder einmal auf dem Lande ins Gesicht sehen. Draußen giebt's Osterlilien und braune Erde und Weidenkätzchen zum Palmsonntag!"

Und er fuhr hinaus. Klangvoll läuteten die Glocken den kommenden Palmsonntag ein beim Sonnenuntergang. Auf dem Dorfteich trieben die plätschernden Enten Unfug und auf dem Anger weideten junge Gänslein im pluftrigen, gelben Federkleid.

Famos!" sagte er behaglich. Da fuhr der Wagen ins Hofthor ein.

Steif und förmlich empfing ihn der Kammerherr. Wir haben morgen Einsegnung der Kinder", bemerkte der alte Herr gemessen, als sie am Abend ums Kaminseuer saßen,- ich vermute, daß es Dir Freude machen wird, daran teilzu­nehmen". Der Seemann verbeugte sich.Sagen Sie mal, verehrter Herr Onkel", bemerkte er nach längerer Stille, wie geht's aus Grünhaide bei Herrn von Landring?"

Der Kammerherr schloß die Augen, als wenn ihm etwas weh thiite.

Cie Tochter wird morgen konfirmiert", sagte er kalt, hier in meiner Kirche!"

Was?" entfuhr es dem Seeoffizier,jetzt erst konfirmiert?"

Mit sechzehn Jahren dürfte zeitig genug sein!" ent­gegnete der Kammerherr in demselben lässigen Ton,sie soll nachher gleich aufs Seminar".

Seminar?" wiederholte der Leutnant tief erstaunt: Seminar, sagen Sie?"

Landrtng ist im Konkurs, und das Mädchen muß sich selbst helfen!" kam es abgemessen und selbstverständlich aus dem Munde des Kammerherrn.Erspare mir weiteres- wir haben den Verkehr abgebrochen, und ich wünsche, daß Du dasselbe thust! Gehen wir nun zur Ruhe!"

Der Offizier küßte der Tante die Hand und ging auf sein Zimmer. Aber zur Ruhe ging er noch lange nicht. Armes, süßes Kind!" sagte er tief in Gedanken, als er endlich das Licht ausblies.

Die Glocken läuteten klar und feierlich zur Kirche. Im Zuge gingen die Konfirmanden von des Pfarrers Haus zum Gotteshause. Hoch vor all' den andern ragte eine schlanke