tnals aber kommen Sommerreisen, Krankheit, Besuch u. a. da­zwischen und eS unterbleibt das Nachsehen- oft auch müssen die Wintersachcn sich mit einem bescheidenen, vergessenen Winkel begnügen und dem Eommerstaat Platz machen,- dieser- halb ist es immer bester, man giebt, wo es möglich ist, einem guten Kürschner das Pelzwerk in Verwahrung. Die ver­hältnismäßig geringen Kosten werden durch sachgemäße Be­handlung und dadurch erhaltene Schönheit und Dauerhaftig­keit des Pelzwerks reichlich ausgewogen, und man hat die Sorge darum aus dem Kopfe.

Karlsruhe, den 17. April 1899.

Herm. Lanquillon.

Einiges über die Grasmücken.

(Vortrag in einer Ausschußsitzung des Gießener Tierschutzvereins.)

Bei uns in Deutschland ist das anmutige Geschlecht be­nannter Vögel durch folgende vier verschiedene Arten ver­treten. Dem aufmerksamen Beobachter wird es gewiß nicht ent­gangen sein, die überaus nutzbringende Thätigkeit der Klapper­grasmücke (Müllerchen, Weißkehlchen), der Mönchsgrasmücke (Schwarzkopf), der Dorngrasmücke und der Gartengras­mücke auf Bäumen und Sträuchern bewundern zu können. Die Grasmücken sind Zugvögel- sie kommen bet uns in Deutschland Mitte April an und beginnen ihre gefährliche Südreise über das Weltmeer Ende September. Da die Lebensweise dieser Vögel ganz gleich ist, so will ich in Ihrem geschätzten Blatte (Gießener-.Anzeiger") nur die muntere, liebliche Klappergrasmücke (Müllerchen) einer kurzen Be­schreibung unterziehen. Die Länge derselben beträgt 13 Zenti­meter, das Köpfchen ist grau, der Rücken graubraun, der Bauch und die Außenseiten der Schwanzfedern sind auch weiß. Das kunstlose, locker gebaute, fast durchsichtige Nest findet man auf niederen Bäumen, Sträuchern und Hecken und es enthält 4 bis 7 weiße, dunkelgefleckte Eier. Die junge Brut, die jährlich zweimal vorkommt, wird von den zärtlichen Eltern sorgsam gehegt und gepflegt, und die Nahrung, die sie der­selben vom frühen morgen bis zum späten abend höchst fleißig zutragen, besteht nur aus allerhand kriechendem Un­geziefer, aus Räupchen der sehr verderblichen Spanner und Wickler, die auf Obstbäumen ihr schädliches Handwerk treiben. Zu Tausenden liest sie dieses äußerst schädliche Ungeziefer von Bäumen und Sträuchern ab, und man sollte, um dieses nützliche Vögelchen besonders zu schützen, in Gärten, Feld und Wald dichte Hecken oder Dorngebüsch zum Nestbau an­pflanzen. Die Klappergrasmücke kommt selten auf die Erde, und leugnen will ich nicht, daß sie dann manchmal den Johannis- und Stachelbeeren einen geringen Schaden zufügt, der aber ihres großen Nutzens wegen durchaus nicht in Be­tracht zu ziehen ist.

Schließlich will ich nur noch angeben, wie listig unser Tierchen sich verstellen kann, wenn es auf Rettung seiner Brut ankommt- es geht dies aus folgender Thatsache hervor, die der Obermedizinalrat Buderus dem berühmten Naturforscher Lenz mitgeteilt hat:Dieser bemerkte einstmals auf einem Pyra­midenförmig zugeschnitrenen, dichten Baume seines Gartens ein Müllerchen und betrachtete es aufmerksam. Da schien das nette Tierchen Plötzlich krank zu werden, begann zu schwanken, fiel endlich wie tot gerade herab ins Gras. Er sprang zu, es zu nehmen, da raffte es sich mühsam auf und flüchtete, langsam flatternd, vor ihm her in ein Gebüsch. Als er von der Verfolgung zurückgekehrt war, untersuchte er den Baum genauer und fand da drei kaum ausgeflogene junge Müllerchen ruhig auf einem Aestchen sitzend. Die zärtliche Mutter hatte sich nur verstellt und gethan, als ob sie stürbe, den Feind von ihren Jungen abzulocken. Am folgenden Tage suchte der Medizinalrat das Müllerchen wieder auf;

es stürzte wieder genau wie am vorigen Tage zu Boden und flatterte dann vor ihm her. An den nächstfolgenden Tagen berief er einzelne Freunde, das Wunder mitanzusehen, es wiederholte sich regelmäßig ebenso in zwei folgenden Jahren, wo dasselbe Tierchen in dem Garten nistete".

Gießen, im April 1899.

H. Curschmann, Lehrer i. P.

Mr die Küche.

Wohl nur selten dürfte ein hauswirtschaftlicher Artikel sich fester in die Gunst der Hausfrauen aller Stände einge­bürgert haben, als die von M a x E l b in D r e s d e n fabrizierte Ch. A. Pasteur's Essig-Essenz. Die Originalflacons, welche diese Essenz enthalten, sind durch einen Maßstab abgeteilt, der die zur Bereitung einer Weinflasche Tafel- esfig oder zuverlässigen Früchte - Einmache - Essig erforder­liche Menge Essenz aufs genaueste anzeigt. Während früher das Laufen der Dienstboten nach Essig gar nicht aufhörte, hat man jetzt in dieser Form 10 Liter Essig im Haus und bereitet sich eine Flasche bei Bedarf im Augenblick durch Verdünnen mit Wasser. Dieser selbstbereitete Essig hat den Wohlgeschmack und das Aroma guten Weinessigs, bleibt spiegel­blank und wird von ärztlichen Autoritäten wegen seiner Rein­heit als der gesündeste Essig empfohlen. Ganz besonders eignet er sich zum Einmachen und Konservieren, weil durch die Maßteilung der dazu unbedingt erforderliche Stärkegrad genau und gleichmäßig getroffen wird und weil er gänzlich frei von Fäulnis-Keimen und Gährungsstoffen ist, die den Grund zur Verderbnis der Früchte bilden. Hier liegt eine in praktischer und gesundheitlicher Beziehung gleich gediegene Neuerung vor- nur wolle man beim Einkauf der seit über zwanzig Jahren rühmlich bekannten Origtnalflacons von Max Elb, Dresden, darauf achten, daß man die echte, auf Etikette, Halsstreifen und Kapsel mit dessen Firma be­zeichnete Ware und nicht etwa eine in ähnliches Gewand ge­kleidete Nachahmung erhält.

Die öffentliche Meinung beunruhigt sich mit Recht über die stetig wachsende Zahl der Schiffszusammenstüße, bei denen Hunderte von Menschenleben zugrunde gehen. Da wird eS denn überall mit Dank be­grüßt werden, daß ein Blatt von dem Ansehen derGartenlaube" zur Lösung dieser brennenden Frage beizutragen sucht, indem sie einem Fachmanns zu eingehender Behandlung des Themas ihre Spalten öffnet. In einem äußerst anregend geschriebenen Artikel deckt Vizeadmiral a. D. Reinhold Werner rücksichtslos die Mißstände auf, welche zu solchen Unglücksfällen wie dem Untergang des französischen Passagierdampfers Bourgogne" führen, und giebt Mittel und Wege an, wie diesen Un­fällen zu steuern ist und viele Maßregeln zum Schutze der seefahrenden Menschheit zu treffen seien. Dasselbe Blatt bringt auch eine lesenswerte Besprechung und Würdigung des neuesten Dramas von Hermann Suder­mannDie drei Reiherfedern" aus der Feder Rudolph Stratz', wozu Ewald Thiel Illustrationen nach der mustergültigen Aufführung im Deutschen Theater" zu Berlin geliefert hat. Rudolph v. Gottschall gedenkt in einer längeren Charakteristik des siebzigflen Geburtstags Friedrich Spielhagsns, die mit einem Bild des Dichters derSturmflut" ge­schmückt ist, und M. Hagenau hat eine natürwiffenschaftliche Abhandlung über dasWunderblut" und seine Erzeuger beigesteuert. Auch poetische Beiträge enthält das Heft: launige Verse I. Trojans zu dem köstlichen Vautierschen BildeDie Weinprobe" und ein stimmungsvolles Gedicht Paul Holzhausens zum 105. Geburtstage August Schmidts in Wolgast, des letzten Veteranen von 1813. Den Liebhaber einer guten Unterhaltungs­lektüre hält der große, neue Roman Ludwig GmighofersDas Schweige» im Walde" in fortwährender Spannung, während Eva Treu durch eine kurze, anmutige NovelleRitter Ewald", erfreut, welche ein liebens­würdig schalkhafter Humor beseelt.

Redaktion: E. Burkhardt. Druck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei (Pietsch Erben) in Gießen.