116
werden konnten, versteht man jetzt, das Gespinst von den großen Scheiben wieder abzuhaspeln, und so Fäden von beliebiger Länge zu verwenden. Jetzt sind es gewaltige, zwei bis drei Meter im Durchmesser besitzende Räder, die von Maschinenkraft mit einer unglaublichen Schnelligkeit herumgewirbelt werden, und auf denen sich das haarfeine Gespinst in jeder Minute zu vielen tausend Metern aufwickelt. Das Weben dieser Gespinste geschieht nun ganz, so, wie Wolle oder Baumwolle auf dem Webstuhl verarbeitet wird. So lange man nur kürzere Fäden, etwa von sechs bis sieben Meter, z. B. als Einschlag bei Webereien oder für feinere Handarbeiten bedarf, wird auch jetzt noch das auf dem Rade befindliche Gespinst der Quere nach durch einen Schnitt am Umfang des Spinnrades abgetrennt, zur Gewinnung längerer Fäden muß der Inhalt eines vollgesponnenen Rades vorsichtig wieder abgespult werden.
Es läßt sich nicht leugnen, daß die Gewebe aus Glas noch immer im höheren Grade ein Gegenstand der Kuriosität und des Luxus sind, als ein solcher des täglichen Gebrauchs. Vor wenigen Jahren war noch der Preis für ein einfaches Leibchen aus Glasgespinst 160 bis 200 Mark, und damit sind denn doch wohl die Vorteile der gewebten Glasarbeiten, ihr feines Aussehen, ihre Beständigkeit gegen Wasser, Fett oder Säuren, ihre Feuerbeständigkeit und ihr Wärmeschutzvermögen etwas zu teuer bezahlt. Aber wie viele Dinge sind schon aus dem Gebiete des Luxus und der Kuriosität, schneller als man gedacht, in das größere Gebiet der Industrie und des täglichen Gebrauches übergegangen? Man verfertigt fabrikmäßig Seide aus Pflanzenfasern, und grobe Leinenarten aus zerfasertem Holz, — warum sollten nicht eines TagxA- auch die gläsernen Gewebe ein weiteres Gebiet des GehMrches als heute sich erwerben?
Was fängt man mit gefrorenen Aepfeln an? Das beste für erfrorene Aepfel ist das Verbringen in einen kühlen Raum, wo sie ohne Schaden allmählich austauen. Aber ja nicht in geheizte Räume.
Mumerrpflege.
Um schöne, vlane Hortenfien-Blumen zn erhalten, kultiviert man sie in Moorerde, die unter Elsen (Erlen) sich gebildet hat, vermischt mit etwas lehmigem Sand und setzt Eisenfetlspähne zu. Es liegt nunmehr in der Praxis, wie viel man von diesen SPähnen zusetzen muß, eine bestimmte Menge läßt sich kaum angeben. — Auch kann man gestoßenen Alaun oder Eisenocker, beides in Drogengeschäften zu haben, anwenden,' von beiden giebt man 30 bis 50 Gramm per Topf der Erde 6ei; bei älteren Pflanzen aufgestreut; natürlich nicht von jedem so viel, sondern entweder Alaun oder Eisenocker. Das Quantum muß man ausprobieren, da die Wirkung verschieden ist, je nachdem die Erde beschaffen ist.
Iür die Küche.
Gerollter Lungenbraten: Ein Stück Lungenbraten wird abgehäutet, recht dünn auseinander geklopft und gesalzen. Man bestreicht das Fleisch mit einer Mischung von gehacktem Speck, Bröseln, drei gewiegten Sardellen, Majoran und Ingwer, rollt es zusammen und umwindet es mit Bindfaden. Man dünstet diese Wurst mit Beize, löst dann den Spagat ab und bratet sie, mit Fett und Rahm begossen, fertig.
Salat von gekochtem Rindfleisch. Wan schneidet das Fleisch in kleine Würfel und giebt einen in kleine Würfel geschnittenen, sauren Apfel nebst einer in feine Scheiben geschnittenen Zwiebel dazu. Auch gekochte Sellerie in Scheiben
geschnitten, ebenso einige in Essig eingemachte Tomaten kann man dazu geben. Dies alles wird mit etwas Salz und Essig nebst hinreichendem Oel gut durcheinander gerührt und in eine Schüssel gethan, die man nach Belieben noch mit Pfeffergurken oder Esfigpflaumen oder mit sauer eingekochten Kirschen garnieren kann.
Polnische Leber. Man schneidet die Leber in kleine Stückchen, bestreut sie mit etwas Mehl, macht in einer Kasserolle gutes Fett heiß, giebt feingeschnittene Zwiebel darein, hierauf die Leber und läßt sie dünsten; wenn sie bräunlich geworden, giebt man einen Schöpflöffel voll Suppe darauf, einen Löffel sauren Rahm, etwas Paprika und erst beim Anrichten Salz nach Geschmack. Man garniert sie mit gedünstetem Reis.
Billiges Goulasch kann von den Hirschschultern, welche ja bekanntlich bedeutend billiger zu stehen kommen als Rindfleisch, hergestellt werden. Ich mache dieses wie das Rinds- goulasch, und schmeckt dasselbe besser als das vom Rindfleisch-
Eingemachtes Kalbfleisch. Tie Kalbsrippchen werden gewaschen, gesalzen und in einer Kasserolle, in welcher ein Stück Butter zerlassen wurde, mit Zwiebeln, einem Lorbeerblatt, Petersilie, Gelbrübe/und Zitrone zugedeckt im eigenen Safte gedünstet. Wenn der Saft eingekocht ist, bestäubt man das Fleisch mit zwei Löffeln Mehl, gießt Fleischsuppe und ein Gläschen Wem daran und läßt das Ganze weich kochen, worauf Mn es anrichtet.
^Falsche Zunge. Man läßt ein gutes Kuheuter zehn J£uge pökeln und vier bis fünf Tage räuchern. Sodann ' legt man es in kochendes Wasser, läßt es so lange kochen, bis es sich ganz weich sticht und läßt es hierauf in demselben Wasser erkalten. Dies giebt einen billigen, kalten Aufschnitt und wird meist für Zunge gehalten.
VermEchtes.
Der Frohsinn ves Kinves. Bei einem frohen Sinne kommt jedes Gute viel leichter und kräftiger int Kinde zum Vorschein als das Böse. Das Wohlbefinden des Körpers hat dabei einen großen Einfluß auf die Gesundheit der Seele- Kränkliche Kinder verfallen weit leichter aus Unarten als gesunde. Ihre Seele neigt insbesondere zu selbstsüchtigem Wesen, zu feindlichen Leidenschaften hin. Kommt dazu noch eine mürrische, launische und harte häusliche Erziehung, so wird dadurch im Kinde ein sinsterer, verschlagener, zu heftigen Leidenschaften geneigter Charakter herangebildet. Dagegen macht der Frohsinn, den man durch Freundlichkeit, Herzlichkeit und Wohlwollen, durch sanfte Behandlung, durch Förderung unschädlicher Unterhaltung und angenehmer Spiele nährt, die Seele für alle guten Eindrücke empfänglich, williger zum Gehorsam und stärker für die Selbstbeherrschung. Heiteres Wesen der Kinder soll, wie der „Praktische Wegweiser", Würzburg, schreibt, nicht unterdrückt, am allerwenigsten sofort als Unart betrachtet und behandelt werden.
Auch ein Sieg. A. (der mit seinem Freunde von der Kneipe nach Hause geht): „Du, da hinten ist noch eine Kneipe offen; da trinken wir noch eine Flasche!" — B: „Aber Du sagtest doch vorhin, Du wolltest heute ganz bestimmt direkt nach Hause gehen!" — A.: „Das habe ich mir auch fest vorgenommen; ich will aber doch mal sehen, ob ich nicht stark genug bin, um mich selbst zu besiegen!"
* *
Ein Diplomat. u. .*. Aber lieber Mann, es ist sehr unrecht von Dir, daß Tu so über die Schwiegermütter schimpfst — es giebt doch auch gute!" — „Ereifere Dich nur nicht, Elise! Ich habe ja nichts gegen Deine Schwiegermutter — ich schimpfe ja nur über die meine!"
Redaktion: E. Burkhardt. — Druck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei (Pietsch Erben) in Gießen.


