Ausgabe 
23.9.1899
 
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F44

Bei allen Asthmafällen bringt das Einatmen von ver­besserter Luft große Erleichterung. Diese Verbesserung erreicht man am einfachsten, sichersten und billigsten durch Verbrennen von Salpeter-Papier, wobei es nötig ist, letz­teres genügend mit Salpeter zu tränken, da sonst der Geruch des verbrannten Papiers das Nebel eher verschlim­mert. Man kann sich auch dieses Salpeterpapier leicht selbst Herstellen, indem man das bekannte weiße Filtrier­papier, je dicker desto besser, durch eine konzentrierte Sal­peterlösung zieht und es zum Trocknen auf eine ausge­spannte Schnur hängt. Auch innerlich genommen, thut Salpeter gute Dienste. Das heißt: nicht während des Anfalles, sondern vor- oder nachher. Es verringert die Anfälle und kürzt sie ab. Man löst 10 Gramm Salpeter in gewöhnlichem Wasser und nimmt an Tagen, wo man sich beengt fühlt, dreimal täglich einen Eßlöffel voll von dieser Lösung, deren Kosten sich auf wenige Pfennige belaufen, deren Wirkung auf die Dauer aber unbezahlbar ist. Die wirk­same Substanz der bekannten Asthma-Kerzchen ist gleichfalls in erster Linie Salpeter, dem man in manchen Fällen noch etwas gepulverte Stramoniumblätter zugesetzt hat. Man­chen Patienten hilft ja auch das Rauchen von Stramonium- zigarren.

Alle Engbrüstige haben sorgfältig auf ihre Lebensweise zu achten. Alle Blähsucht, Säurebildung und Verstopfung müssen vermieden oder durch Einnahme von doppelkohlen­saurem Natron baldigst beseitigt werden. Besonders abends muß die Nahrung leicht verdaulich sein und früh eingenommen werden. Landluft und mildes Klima sind stets wohlthätig. Nervöse, magere Personen befinden sich in feuchtwarmer, ältere, korpulente und phlegmatische Asthma­tiker in trockner, warmer Luft Wohler. Staubige Luft, sowie scharfe, kalte Bergluft vermehrt das Asthma, ebenso sitzende Lebensweise und geistige Ueberanstrengung.

Kesrmdheitspflege.

Elektrische Plätteisen als Massageapparate em­pfiehlt Dr. Falk in den Berliner therapeutischen Monats­heften. Die Anwendung des heißen Bügeleisens ist nach Falk bei rheumatischen Beschwerden und besonders bei Hexen­schuß zuweilen erfolgreich, wenn andere Mittel bereits versagt haben. Man muß ein mehrfach zusammengelegtes und mit warmem Wasser angefeuchtetes Tuch auf die schmerzende Körperstelle legen und darauf mit einem warmen Bügeleisen Herumstreichen, so daß sich zwischen Tuch und Haut eine heiße Tampfschicht bildet, also gleichsam ein örtliches kampf- bad entsteht. Falk hat nun leicht handliche Apparate in allen möglichen Formen, die sich der Körperoberfiäche anpassen, erdacht, welche die gleichzeitige Anwendung von Wärme und Elektrizität gestatten. Diese Apparate sind bohl und können mit einem vorher erwärmten Stoffe gefüllt werden, während gleichzeitig ein elektrischer Strom zugeleitet werden kann. Empfohlen wird der Gebrauch derselben bei den verschiedenen Arten von Rheuma, bei den verschiedenen Koliken (Gallen­stein, Nierenstein usw.), bei Ischias, Neuralgie, chronischer Verstopfung und ähnlichen Krankheiten.

Aür die Küche.

Der Kakao, dessen Fettgehalt nach dem Reichardt'schen Verfahren nur noch 15 Prozent beträgt, ist damit auch in die Reihe der kalt zu genießenden Getränke eingetreten. Er wird zu diesem Zwecke, nachdem er gekocht ist, kalt gestellt und dann mit Selterwasser vermischt. In dieser Zubereitung bildet er auch im Sommer ein ebenso kräftiges als erfrischen­des Getränk und figuriert als solches einer öffentlichen An­

regung zufolge bereits auf den Getränkekarten mancher Gast­wirtschaften.

Falsches Rauchfleisch. Die Verfälschung von Nahrungs­mitteln nimmt bekanntlich einen immer größeren Umfang an, oder vielmehr erstreckt sie sich auf eine immer größere Anzahl von Artikeln. Da die Gesundheitsämter den Fäl­schern sehr auf den Fersen find, so sehen diese sich eben ge­nötigt, sich immer anderen Sachen zuzuwenden, bei denen sie eine Entdeckung weniger befürchten. Das Neueste nun ist, gewöhnliches Fleisch als Rauchfleisch erscheinen zu lassen, und zwar geschieht dies, indem man ihm mittelst der Färbung durch Sasran das Aussehen des letzteren giebt. Aber auch dieser Betrug ist nicht allzuschwer festzustellen. Das ver­dächtige Fleisch braucht nur während 24 Stunden in reinem Spiritus eingeweicht zu werden. Nimmt derselbe nach dieser Zeit eine stark gelbe Nuance an, so ist die Fälschung offen­bar, da wirkliches Rauchfleisch keinerlei Farbe absondert.

Schweinsfilet mit Häring im Netze. Ein Schweins- Carro (nur von einem jungen Tiere) wird vom Rückgrat befreit, eingesalzen und gepfeffert, und auf der Innenseite mit feingeschnittener Zwiebel und Petersilie eingestreut. Ein neuer Häring wird gesäubert, ausgegrätet und in kleine Streifchen geschnitten, die man mittels eines spitzen Messers in die Oberseite des Filets einspickt und dieses dann in ein Schweinsnetz einschlägt. Man legt es mit Zwiebel- und Gelbrübenscheiben in eine passende Bratpfanne, gießt etwas Wasser darunter und brät es bei guter Hitze eine starke Stunde, worauf man die Sauce passiert, mit etwas Maggi kräftigt und das in schöne Scheiben geschnittene Filet damit zu Tische gibt.

Vermischtes.

Warum schenkt man fich beim Servieren des Weines zuerst ein? Die Gewohnheit entstammt dem Altertum. Die Alten bewahrten den Wein in etighalsigett Krügen auf und schützten ihn vor dem Luftzutritt durch das Eingießen von etwas Oel, welches als dünne Schicht auf dem Weine schwimmt. Vor dem Einschenken wurde das Oel allerdings mit einem Rohr abgesogen, aber in der Besorgnis, es möchte doch noch etwas zurückgeblieben sein, goß man sich zuerst ein, um nicht einem Gast unreinen Wein vorzusetzen.

Rätsel.

(Nachdruck verboten.)

Kennt ihr die kleine Nimmersatt Die tücht'gen Hunger immer hat? Ein rechtes Schoßkind uns'rer Frauen; Sie kann unglaublich lebhaft kauen.

Doch mag man auch bei Tanten, Müttern

Und Großmamas sie überfüttern: Sie bleibt doch ewig klein, o Wunder, Wird niemals dicker, größer, runder!

Hat sie auch fleißig schaffen müssen, So gönnt man ihr doch keinen Bissen;

Es bleibt dem armen Ding zum Lohne

Doch schließlich auch nicht eine Bohne. P.

(Auflösung folgt in nächster Nummer.)

Auflösung des magischen Quadrats in voriger Nummer: AUGE UFER GEIZ ERZE

Redaktion: ®. Burkhardt. Druck und Verlag der Brühl'schrn UuiverfitätS-Buch- und Steindruckerei (Pietsch Erben) in Gießen.