Ausgabe 
23.4.1899
 
Einzelbild herunterladen

224 -

Unterdessen war ich mit meinem Bilde fertig geworden. Daniela trat näher und guckte mir über die Schulter, als ich es prüfend etwas vom Auge entfernt hielt.

Ihr Geficht strahlte, als ich das, wenn auch skizzen­hafte, aber doch wohlgetroffene Konterfei in ihre kleine Hand legte.

Und nun meine Belohnung?"

Ich legte den Arm um ihre Taille, um das Versprochene mir selbst zu nehmen, da entschlüpfte das Mädchen mir wie ein Aal.

Heute abend", lachte fie,wenn wir uns Wiedersehen. Ich bin ja die Tochter vom Wirt".

Daniela war verschwunden. Ich stellte den Schirm wieder in Ordnung und griff aufs neue zu Pinsel und Palette.

Die Luft war indes heute derart unerträglich, daß ich eS nicht mehr lange aushielt. Ich packte alles zusammen und wanderte langsam der Csarda zu.

Es war bereits dunkel gewnrden, als ich dort anlangte.

Vor der Thüre stand der Wirt, Daniela's Vater, eine kräftige, große Gestalt mit grauem Haar und Bart.

Er reichte mir gutmütig die Hand und wies mich nach der Schenkstube, aus der mir Musik und Tanz entgegen­schallte. Ich trat ein, stellte mich in eine Ecke und sah zu. Daniela schwang sich mit einem dunkeläugigen, verwegen aussehenden Burschen im Csardas. Die ganze Leidenschaft des Südens drückte sich im Tanze aus. Die Augen flammten, der Busen wogte, das Blut kochte. So hatte ich noch keinen Menschen tanzen sehen.

Als die Musik geendet, ging ich hinaus ins Freie. Vor der Thür floß die Theiß ruhig murmelnd dahin. An ihrem Ufer standen alte Kastanienbäume, durch deren Blätter der Mond sein bleiches Licht herniedergoß.

Während ich so in das flutende Wasser sah, berührte jemand meine Schulter. Ich drehte mich um, Daniela stand vor mir, noch erhitzt vom Tanze und den heißen Atem durch die roten Lippen ausstoßend. Sie sah berückend schön aus.

Ich will mein Bild von heute morgen bezahlen", begann sie.Doch es darf niemand sehen, vor allem Gyulai nicht".

Wer ist Gyulai? Dein Schatz?"

Sie nickte und hielt mir ihren roten Mund hin.

So war wohl auch für ihn das Bild?"

Natürlich sonst hätte wohl keiner von mir einen solchen Preis erhalten".

Ich legte den Arm um ihre Taille.

Rasch, rasch!" flüsterte sie,sonst kommt Gyulai".

Ich beugte mich über fie und legte meinen Mund auf ihre schönen, halb geöffneten Lippen.

In diesem Augenblicke fühlte ich mich von einer Riesen­faust im Genick gepackt und in mächtigem Schwünge flog ich --in's Wasser.

Aeußerst schnell war mein Blut gekühlt durch dieses Sturzbad.

Mit einiger Anstrengung erreichte ich das Ufer.

Mir war dabei etwas unbehaglich zu Mute. Daß Gyulai gerade in diesem Augenblick, als ich meine wohlver­diente Belohnung einkassieren wollte, dazu gekommen, war mir völlig klar, ebenso, daß er wahrscheinlich mit der Art der Belohnung nicht sehr einverstanden schien. Wie aber, wenn Gyulai auf mich wartete und mich beim Verlassen meines Bades noch einmal in dasselbe und zwar ebenso unfreiwillig zurückschickte, oder vielleicht gar noch Schlimmeres mit mir im Sinne hatte?

Mit diesem Gedanken war ich triefend bei den Kastanien­bäumen angelangt. Ich sah mich etwas scheu um der Platz war leer, vom Hause her ertönte Musik.

Ich schlüpfte durch die Thür, an der Schankstube vorbei

und beruhigt auf den Hof. Ich stand eben im Begriff, mein Schlafgemach, den Heuboden, aufzusuchen, als sich eine kräftige Hand auf meine Schulter legte. ES war Gyulai.

Ich möchte Dir auch danken", begann derselbe,daß Du mir den Schatz so hergemalt".

Ich atmete auf.Ich that's gern, Gyulai, hatte aber doch wohl eine Belohnung dafür verdient. Du hast mich jedoch zum Danke ins Wasser geworfen. Wie, wenn ich nun nicht hätte schwimmen können?"

Daran hatte der Bursche schwerlich gedacht, denn er sah mich höchst erstaunt an.

Diesmal hat's nichts geschadet, aber lieber wär' mir'S doch, ich hätte jetzt trockene Kleider an". Dann klopfte ich ihm auf die Schulter und kroch ins Heu.

Am andern Morgen wanderte ich weiter, Daniela nickte mir aus dem Fenster zu. Um einen Kuß aber habe ich nie wieder ein hübsches Mädchen gemalt.

Gsm-ZnnützigeG.

Kefimdyeitspflege.

Gegen Erkältung. Beim Uebergang der rauheren Frühjahrszeit zur wärmeren Temperatur hüte man sich, wie derPraktische Wegweiser", Würzburg, schreibt, besonders vor dem verlockenden allzufrühen Tragen leichter, dünnerer Kleidungsstoffe und nehme täglich eine oder zwei kalte Waschungen des ganzen Körpers, besonders der Brust und der Beine vor. Dabei werden alle von den Kleidern be­deckten Körperteile nicht abgetrocknet, sondern man bleibe nach der Vornahme der Waschungen (oder Bäder und Güsse) im Zimmer, bis man gut abgetrocknet ist, wozu nur 15 bis 20 Minuten genügen.

Humoristischer.

Elsässer-Französisch. Frau M.: 0 mon visu, mon visu! so e malheur! unsere pauvre Schakoble isch vom char-ä-banc erunter g'efallen und hett sich weh gemacht- il sest fou!6 le pied! Lauf eins vite de Doktor hole, ohne medecin geht des net, sonscht wird uns des pauvre enfant am Eng' no boiteux dervon. 'S isch arg, oui, ßest trop fort, nix wie chagrin und krüz hett mer.

* * «

Ein Herr fragt eine Dame, die in strömendem Regen ohne Schirm geht und bereits ganz durchnäßt ist, ob sie nicht seinen Schirm benützen möchte.Nein, sicherlich nicht!" giebt fie kurz zur Antwort.Oh, Verzeihung, ich wußte nicht, daß jemand, der so naß ist, noch eine solch trockene Antwort zu geben vermag."

* « *

Sprüche für Radler.

Du hast zwei Arme und ein Genick,

Du magst's bedenken: Ein's nur zum brechen Und zweie zum lenken. &

Du hast zwei Füße und einen Mund,

Du sollst's nicht tadeln: Einen zum renommieren Und zwei zum radeln.

(Münchener Jugend.")

Redaktion: E. Burkhardt. Druck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch» und Steindruckerei (Pietsch Erben) in Gießen.