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Mir sank das Herz, um den landesüblichen hochpoetischen Ausdruck zu gebrauchen, in die Kniee.
„Nach Frankfurt ist Eva?"
„Ja, nach Frankfurt. Du weißt, daß vor kurzem eine uns befreundete Familie dorthin gezogen ist, bei dieser wollte sie sich einquartieren, dort solltet Ihr Euch die Feiertage aufhalten. Es that ihr leid, daß Du daS Fest so einsam und traurig verleben solltest, da beschloß sie, Dir eine recht freudige Ueberraschung zu bereiten — heute früh 4 Uhr ist sie abgefahren!"
„Nein, so ein Pech!" stöhnte ich, „was ist da zu thun?"
„Ja, was ist zu thun?" rief der Schwiegervater, der sich doch des Lachens über den tragikomischen Zufall nicht enthalten konnte. „Nichts anderes, als abzuwarten — bleibe ruhig bei uns, morgen kommt Eva sicher zurück, wenn sie erfährt, daß Du hier bist" —
„Aber ich habe nur bis morgen abend Zeit — gerade wenn sie morgen hier eintrifft, muß ich wieder abreisen —"
„Das ist freilich schlimm
Ich dachte einen Augenblick nach. Plötzlich faßte ich einen raschen Entschluß.
„Guten Morgen hab' ich gesagt", sagte ich, „so laßt mich gleich mein Lebewohl daran anknüpfen. In einer halben Stunde geht ein Zug nach Frankfurt, ich reise gleich zurück, um 6 Uhr bin ich wieder dort und kann so wenigstens noch den morgigen Tag mit Eva zusammen sein. Adieu, adieu, adieu!"
Die Adresse der befreundeten Familie kannte ich — also vorwärts, nach dem Bahnhof, ohne rechts und links zu schauen! Ehe eine halbe Stunde verging, saß ich schon wieder im sausenden Dampfzuge. Gott sei Dank, wir kommen rasch vorwärts! In Eisenach erfrischte ich mich mit einem delikaten Würstchen und einem Glas Kulmbacher, ich hatte ja eine halbe Stunde Zeit, beides zu konsumieren. Nun schnell in den Schnellzug umgestiegen — weiter, weiter!
Schon sind wir in Bebra, und mein Zug setzt sich nach kurzem Aufenthalt von neuem in Bewegung, da fährt ein anderer auf dem zweiten Geleise, eben im Begriff, einzufahren, mit halber Schnelligkeit an ihm vorüber. Ich sehe aus dem Fenster und betrachte mürrisch die Passagiere, die neugierige Blicke nach uns hinüber werfen — täuschen mich meine Augen oder — nein wahrhaftig, dort sitzt Eva, meine Braut, just im Begriffe, nach Weimar zurückzufahren! Sie auf der Rückfahrt, ich auf der Rückfahrt — auch sie erkennt mich, errötet erst, dann erblaßt sie, wir nicken und lächeln einander zu, werfen einander Küsse zu — vorbei, vorbei! DaS war unsere wohlgelungene beiderseitige Festüberraschung, versteht Ihr? Denn den zweiten Tag nochmal nach Weimar zu fahren, hätte doch keinen Zweck gehabt, ich hätte mich ja kaum ein paar Stunden aufhalten können, und dafür war mir der Spaß doch zu teuer!"
Die Stammtischfreunde lachten, daß ihnen die Thränen in die Augen kamen.
„Das war freilich ein Reinfall", erklärte der Alterspräsident. »Warum ' hast Du denn nicht depeschiert, Freundchen?"
„Ja, wer kann denn annehmen, daß sie gleich wieder zurückfahren wird", brummte ärgerlich der so schmählich um seine Festfreude gekommene Bräutigam.
„Na, da Hilst nichts, als gute Miene zum bösen Spiele machen", trösteten ihn die andern, und der Alterspräsident fügte lachend hinzu: „Nur Geduld bis Weihnachten, alter Junge, da gleicht sich alles wieder aus. Sicherlich werdet Ihr da nicht wieder aneinander vorbeifahren".
Gemeinnütziges.
Silber auf Messing. Um eine schöne Silberfarbe auf Messing zu erzeugen, werden in einem gut glasierten
Gefäße 46 Gramm Weinstein und 4 Gramm Brechweinstein in 1 Liter heißem Wasfer gelöst, welcher Lösung weitere 50 Gramm Salzsäure, 125 Gramm granuliertes oder noch besser gepulvertes Antimon zugegeben werden. Man erhitzt das Ganze zum Kochen und taucht die zu überziehenden Gegenstände ein. Nach höchstens halbstündigem Kochen sind dieselben mit einem schönen, glänzenden und dauerhaften Ueberzuge zu versehen.
Oelfreie Stempelschwärze. 100 Gramm Tanninschwarz werden in einer Mischung von 100 Teilen Wasser und 200 Teilen Glyzerin unter Anwendnng von Wärme, im Wasser- oder Sandbade, durch fleißiges Rühren unterstützt, aufgelöst. Die Auflösung bildet eine syrnpdicke Flüssigkeit, die zum Gebrauche, ohne sich abzuscheiden oder zu schimmeln, aufbewahrt werden kann. Die Eigenschaft des Tanninschwarz, sich in jedem Gewichtsverhältnisse im Wasser aufzulösen, macht es vorzüglich geeignet zur Herstellung von sofort schwarz und leicht aus der Feder fließender und haltbarer Tinte. Man erhält durch Auflösen von einem Teil Tanninschwarz in 15 Teilen Wasser Kopiertinte, in 30 Teilen Wasser Kanzleitinte, in 40 Schnltinte; bei Kopiertinte setzt man 1 Teil Gummi oder Zucker zu.
Das Saucieren des Rauchtabaks. Die gebräuchlichsten Ingredienzien zum sogenannten Saucieren des Rauchtabakes sind: Roseuholzwurzel, Nelkenholz, Paradieskörner, Muskatnüsse, Zimmt, Veilchenwurzel, Vanille, Peccothee rc. Es genügt aber nicht, diese Stoffe dem Tabake einfach beizumischen, sondern sie müssen in einer Destilierblase mit Wasser- überzogen werden, und zwar nur bis zu dem Punkte, wo das feine Aroma abzunehmen beginnt; und nicht blos die Riechstoffe, sondern auch die zu behandelnden Tabakblätter müssen in geeigneten Verhältnissen gemischt werden, z. B. 4 Teile Portorico, 3 Teile Domingo nnd eben so viel gelbe Blätter deutschen Tabaks.
Gold- oder Silbertinte zu bereiten. Zur Bereitung von Goldtinte rührt man 2 Teile Goldbronze feinst mit 1 Teil Gummi arabicum zusammen und verdünnt nach Wunsch mit Wasser. Silbertiute: Gleiche Teile Blattsilber und schwefligsaures Kali werden durch anhaltendes Abreiben mit Wasser geschlemmt nnd dann etwas feingeriebenes Silber und, nach Bedarf, Gummi arabicum und Wasser zugesetzt.
Hninsmstisches.
Auf der Wohnungssuche. Student A.: „Weshalb handelst Du denn so sehr? Es ist doch egal, ob das Zimmer nun 20 oder 22 Mark kostet." — Student B: „Das verstehst Du nicht; wenn ich handle, so denkt die Frau doch wenigstens, daß ich bezahle."
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Fatal. Junger Untersuchungsrichter: „Sind Sie verheiratet?" — Angeklagter (gemütlich): „Na, das müssen Sie doch wissen, Herr Assessor ... Sie sind ja meiner Frau noch 2 Mark für Wäsche schuldig!"
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Welche Freude. Sonntagsjäger (zu einem Treiber, den er angeschossen): „Wie heißen Sie?" — Treiber: „Kern." Sonntagsjäger (freudig): „Ah, da hab' ich ja'n Kernschnß gethan!"
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Vor dem Tigerkäfig. Großpapa: „Du brauchst Dich nicht zu ängstigen, Karl, der Tiger tobt nur deshalb ffo, weil er bald gefüttert wird." — Karl: „Ach, Großpapa, ich habe keine Angst, Papa macht's ja g'rade so, wenn das Fleisch nicht fertig ist."
Webattion: E. Burkhardt. - Druck und Verlag der Brühl'schen ilniverfitäi-.Buch. und Stemdr-ulerei (Pietsch Erbeut in Gieße».


