Ausgabe 
21.2.1899
 
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Ich betonte schon, daß bei Herstellung des Druckes ver­schiedene graphische Künste mit einander wetteifern. So findet der Stahlstich vorzüglich für die bildlichen Darstellungen, der Holzschnitt für kräftige Linienornamente und der Typendruck für die Schrift Verwendung/ bisweilen kommen dann auch noch lithographierte Zeichnungen hinzu. Sehr wesentlich aber für die Musterung des Papiers sind noch Druckplatten aus Metall, deren eigenartige Zeichnung durch sogenannte Guillochier- maschinen erzeugt werden.

Unter Guillochieren versteht man nämlich ein Verfahren, mittelst dessen man auf Gegenstände aus Metall, Holz, Elfen­bein usw., und zwar mit großer Regelmäßigkeit und Akkura­teste, feine Linienornamente graviert. Diese bestehen in der Regel aus kunstvoll verschlungenen Kreisen, Bogen, Wellen­linien, welche die ganze Fläche gleichmäßig bedecken. Zur Herstellung des Banknotendrucks bedient man sich nun der­artiger, mit der Guillochiermaschine behandelter Metallplatten, wodurch das Papiergeld eine gleichmäßige Musterung erhält, die wiederum auch an den Fälschungskünstler neue Anforde­rungen stellt.

Ferner bemerken wir auf den Scheinen Unterschriften und Nummern. Die Namenszüge der Beamten werden heute nicht mehr wie in früherer Zeit mit unverlöschbarer Tinte geschrieben, sondern nach den Originalen in Metall geschnitten und mit abgedruckt.

Das Numerieren erfolgt durch die Numeriermaschine. Es ist dies ein kleines, mit selbstthätigem Schwärzapparat versehenes Druckwerk, in welchem sich die Ziffern nach jedem einzelnen Abdruck selbstthätig verstellen, so daß sich die Zahlen ohne jede weitere Kontrolle in natürlicher Reihe folgen. Die Ziffern stehen sternförmig auf drehbaren Scheiben, und jedes­mal wenn die Einerscheibe zehn Mal ruckweise vorrückt, hat die Zehnerscheibe einen Schritt vorzuschreiten und so im gleichen Verhältnis die Hunderte und so fort. Man hat diese Maschinen auch mit der Druck- und selbst mit der Schnellpresse in Verbindung gebracht und derart eingerichtet, daß sie auch ganze Zahlenreihen zu drucken vermögen/ es genügt ein einziger Hebeldruck, um die jedesmalige Umstellung der Ziffern zu bewirken.

Es gilt aber nicht nur ein unnachahmbares, sondern «uch rin schönes und widerstandsfähiges Papiergeld zu erzeugen. Denn ein Schein, der durch alle Hände wandert, erzählt auch der Welt, wie es mit dem Aussteller des Scheins steht. Nun, die deutsche Reichsregierung läßt sich nicht lumpen/ sie hat sich die künstlerische Ausstattung der Reichsbanknoten etwas kosten lassen und für die Entwürfe die ersten Künstler zur Konkurrenz herangezogen. Aber auch die Ausführung erfolgt durch wohlgeschulte künstlerische Kräfte.

Schon die Sorgfalt, mit welcher das in die Banknoten­druckerei (es ist hier nicht nur von unserer Reichsdruckerei die Rede) eingelieferte Papier geprüft und nachgezählt wird, verrät uns, daß es zu etwas ganz Besonderen bestimmt sei. Es trifft nicht wie gemeines Druckpapier in großen Ballen ein, sondern in wohlverschloffenen Kästen und Kisten, deren Jnbalt schon in der Papierfabrik unter amtlicher Kontrolle gezählt wird. In der Druckerei erfolgt eine zweite Kontrolle, damit kein Blankett zu viel übergeben wird/ und jedesmal, wenn die Scheine für eine weitere Manipulation in eine andere Hand wandern, erfolgt eine neue Zählung unter gleich­zeitiger Aufnahme eines Protokolls. Geht ein Stück ver­loren, so ist die Druckerei regreßpflichtig, und deshalb muß auch jedes verdorbene und zerrissene Blankett mit abgeliefert werden. Daß trotzdem Unterschleife Vorkommen, beweist nur, daß es nichts Vollkommenes auf der Welt giebt und daß mit den großen Fortschritten auf allen Gebieten auch die Betrüger forrschreiten.

Wenn wir uns das Papiergeld etwas genauer ansehen, lo finden wir häufig, daß der Grund, von welchem sich das Bild oder der i ruck abhebt, aus einem in feinen Linien

ausgesührten Muster besteht. Dieses Muster wird aus einem fich unzähligemal wiederholenden Motive gebildet^, und zwar derart, daß der Grund fast gleichmäßig getönt erscheint. So besteht dieser Fond z. B. bei den Zwanzigmarkscheinen aus lauter kleinen Rosetten und kleeblattartigen Zwischen­füllungen. Dieses Muster ist mit einer Platte gedruckt, auf welcher die Zeichnung absolut gleichmäßig und korrekt graviert ist. Dies mit der Hand auszuführen, wäre natürlich unmöglich, aber unter Anwendung eines Pantographen bedarf es nur einer leichten Hand und einiger Sorgfalt und Geduld, um das schwierige Werk zu vollbringen.

Ddr Pantograph ist nichts Anderes, als eine Vervoll­kommnung des bekannten Storchschnabels, mit dessen Hilfe man jede Zeichnung verkleinert oder vergrößert zu kopieren vermag. Diese Instrumente verwendet man heute direkt zum Gravieren auf Stein und Metall, nur tritt dann an die Stelle des Bleistifts die Radiernadel oder eine Diamant­spitze. In unserem Falle besteht das Muster aus einer Rosette und einer Kleeblattfüllung/ diese werden nur einmal in recht großem Maßstabe auf Papier gezeichnet und bilden dann die Vorlage für den Pantographen, also die sogenannte Patrone".

Der Apparat bewirkt die Uebertragung auf die Kupfer­platte nach erfolgter Einstellung in dem gewünschtem Maß­stabe einzig und allein dadurch, daß man den Führungsstift über alle Linien der Zeichnung führt. Ist das Muster einmal vollendet, so rückt eine besondere Vorrichtung die Platte gerade um ein entsprechendes Stück weiter, so daß eine neue noch unberührte Stelle der Platts unter die Nadel kommt.

Die deutschen Kassenscheine weisen auch noch eine be­sondere Eigentümlichkeit des Papiers auf. Diese Scheine sind nämlich auf der einen Seite zur Hälfte blau gefärbt, und auf dieser Fläche sehen wir, völlig willkürlich und un­regelmäßig verteilt, in der Papiermaste liegende Fasern von dunkelblauer Farbe, die jedoch ohne Schwierigkeit aus der­selben herausgelöst werden können. Warum verwendet man nun gerade dieses merkwürdige Papier mitlokalisierten" Fasern? Zunächst natürlich deshalb, weil es sich von jedem anderen in den Handel gebrachten Faserpapter in seiner Zu­sammensetzung wesentlich unterscheidet. Hauptsächlich aber, weil diese Fasern nie und nimmermehr durch photographische oder chemigraphische Verfahren, die heute ja so außerordentlich vervollkommnet sind, nachgeahmt werden können.

Das sind die Grundzüge, nach welchen die Herstellung der Banknoten erfolgt. Ich kann natürlich diese umfassende Technik an dieser Stelle nicht erschöpfen, da es kaum ein graphisches Verfahren giebt, welches nicht, mehr oder minder modifiziert, in den Dienst dieser Kunst gestellt wird. Aber jeder Kassenschein hat noch seine besonderen Eigentümlichkeiten, und gerade die Erzeugnisse der wichtigsten Merkmale ist natürlich auch mir ein Geheimnis, das ich nicht enthüllen kann. Und es ist auch gut so/ denn andernfalls käme ich vielleicht in Versuchung, das undankbare Geschäft des Feuilletonisten mit dem einträglicheren eines Banknoten- Fabrikanten zu vertauschen. Es ist schon dafür gesorgt, daß die Bäume nicht in den Himmel wachsen und die Kassenscheine nicht die Welt überschwemmen.

Humoristisches.

Sein Stolz. Kaufmann: «Wie, Sie junger Mann wollen mir altem Hause Lehren geben? Ich habe schon Konkurs gemacht, als Sie noch gar nicht aus der Welt waren!"

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Auch ein Klaviervirtuos. Ein Bauer (einige Tasten anschlagend, höchlichst verwundert): Dat hadd' ick ja gornich mußt, dat ick ook späten künn! (Lust. Bl.)

Aiedaktion: ®. Burkhardt. Druck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei (Pietsch Erben) in Gießen.