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„Da die Dame mich so vollständig im Stiche läßt," sagte er, auf Fränzchen weisend, „so bleibt mir nichts weiter übrig, als mein zartes Geheimnis zu enthüllen und die heiligsten Gefühle des Menschenherzens preiszugeben, bitte, lesen Sie," er reichte Herrn Ellner den Brief.
„Er lügt, er ist verrückt! schrie Fräulein Agnes zitternd auf und fiel dann in Ohnmacht, Toni und Fränzchen brachten sie auf die Gartenbank.
Papa Ellner las den Brief, seine mißtrauische Miene, womit er die zwei unter so seltsamen Umständen auftretenden Brüder betrachtet hatte, verlor sich dabei mehr und mehr, ja, ging schließlich in eine schmunzelnde über: „Dieser Brief erklärt vieles," sagte er, ihn an Georg gebend, „die Handschrift erkenne ich für die Fräulein Selterleins, aber wie hängt das alles mit meiner Tochter zusammen?"
Herr Gotthold schielte nach Fränzchen hinüber: „Sie wurde mir als die Dame bezeichnet, die diese Briefe von der Post in Langendorf abholte," erklärte er kleinlaut.
„Fränzchen!" rief Papa Ellner.
Die Gerufene trat vor: „Einen dieser grünen Briefe A. S. 150 habe ich allerdings gestern von Langendorf mit gebracht, der Beamte gab ihn mir für Fräulein Selterletn mit, die tags vorher vergebens danach gefragt."
„Also ein tolles Mißverständnis. Kannten Sie denn die Dame, mit der Sie Briefe wechselten, nicht?" fragte Ellner Herrn Gotthold.
„Nein, heute wollten wir uns ja erst kennen lernen," flüsterte dieser.
„Und Sie, Fräulein Agnes, redete Ellner die sich eben Erholende an, ist Ihnen der Herr auch gänzlich unbekannt?"
„Ja, vollständig," hauchte sie, ihre Frisur glättend.
„Haben Sie noch mehr solcher Beweismittel, mein Herr?" fragte Ellner.
„Ja, noch zwei," erwiderte Keller.
„Mein Fräulein, es ist kein Zweifel, dies ist Ihre Handschrift, mit diesem Herrn haben also lediglich Sie zu thun wie Sie mit dieser Dame," er gab dem Widerstrebenden einen kleinen Ruck nach Fräulein Selterlein hin, die das Antlitz im Taschentuch vergrub.
Georg Keller hatte kopfschüttelnd die Adresse des Briefes gelesen, alsdann eiligst ein Zeitungsblatt aus der Tasche gezogen und blickte nun Hellen Auges auf: „Jetzt beginnt sich die verwickelte Sache zu lösen, Herr Ellner," begann er, näher tretend, „bitte, überzeugen Sie sich, diese Annonce veranlaßte mich, mich um die Jnspektorstelle zu bewerben, und zwar meldete ich mich schnell entschlossen gleich selbst an/ hier das Fräulein wird uns den Beweis liefern. In Ihre Hände ist, wie Sie versichern, meine Anmeldung gelangt, und ich kann mir nun vollständig Ihr rätselhaftes Benehmen erklären, bitte, wo ist der Brief?"
Angstvoll faßte die verwirrte, verstörte Dame nach ihrem Kopfe: „Ich weiß nichts," flüsterte sie schwach.
„Sie müssen es wissen, ich bestehe darauf." (Schluß folgt.)
Wie Banknoten entstehen.
Von Fred. Hood (Charlottenburg).
—----- (Nachdruck verboten.)
Unter den Wertpapieren, soweit sie mit Hilfe graphischer Künste erzeugt werden, erfreut sich das Papiergeld einer gewissen Popularität, da es im Gegensatz zu den Aktien, Obligationen und Checks durch die Hände aller Volksklassen wandert und, so lange der Staat auf festen Füßen steht, von jedermann eben so gern vollgiltig in Zahlung genommen wird, wie die blanke Münze. Sobald aber das Vertrauen zu den Finanzen des Ausstellers ins Wanken gerät, erfährt man, daß diese „Banknoten"' eigentlich ein Nichts bedeuten/ und wie leicht das Vertrauen des Publikums wanken und schwanken kann, hat ja die Grünenthal'sche Schwindelaffaire
hinlänglich bewiesen. In diesem Fall hat der deutsche Staat glücklicherweise noch rechtzeitig jedem Schrecken vorgebcugt, indem er die „Grünenthaler" als vollgiltig honorierte/ andernfalls wäre sein Kredit empfindlich geschädigt worden. Da also Fälschungen und Betrügereien dieser Art zu den schlimmsten Konsequenzen führen können, gilt es als erforderlich, selbst unter Aufwendung ungeheurer Kosten, alle Mittel anzuwenden, um diese zu verhindern.
Jedes einzelne Stück muß — das ist die erste Bedingung — technisch so vollendet sein, daß die Nachahmung so gut wie unmöglich gemacht wird. Sodann müssen aber auch alle ausgegebenen Scheine unter sich völlig übereinstimmen. — Man steht heute nicht mehr auf dem Standpunkt, daß man durch allerlei Schnörkel und krauses Figuren-Ornament die Nachahmung erschweren müsse, sondern verleiht dem Papiergeld vielmehr einen schlichten, einfachen Charakter, damit sich der Eindruck desselben auch beim Publikum befestige, und so leichter eine allseitige Kontrolle stattfinden könne. Dafür erfolgt aber die Ausführung des heutigen Papiergeldes unter Anwendung sinnreicher und sehr kostspieliger Maschinen oder durch die kunstfertige Hand des Graveurs, Stahlstechers oder Schriftschneiders. Es leuchtet ein, daß schon hierdurch der Aussteller des Geldscheines bis zu einem gewissen Grade gegen Nachahmung gesichert wird, da Leute, die sich einer derartigen besonderen Kunstfertigkeit rühmen können, so gut bezahlt werden, daß sie nicht leicht zur Fälschung und zum Betrüge ihre Zuflucht nehmen. Allerdings giebt uns das noch keine Gewähr, und der Staat ist auch weit davon entfernt, auf die Tugend dieser Leute zu bauen.
Vor allen Dingen hat man schon beiHerstellung des Papiers darauf Bedacht zu nehmen, durch gewisse Eigentümlichkeiten des Fabrikats der Nachahmung besondere Schwierigkeiten zu bereiten. In der Regel bildet Hanf das Hauptmaterial dieser raffiniert gemusterten Papiere, welche gewisse, scheinbar zufällige Unregelmäßigkeiten zeigen, deren unvollkommene Nachahmung dem Eingeweihten jedoch sofort auffällig wird. Dem Rohmaterial werden Segeltuch, leinene Lumpen, Baumwolle oder dergleichen zugesetzt, je nachdem man auf Festigkeit, Drucksicherheit, Durchsichtigkeit und andere schätzbare Eigenschaften besonderen Wert legt.
Eines der Merkmale des Geldpapiers bildet das Wasserzeichen, das in hellen Linien zur Erscheinung tritt, wenn man das Papier gegen das Licht hält. Es ist ein Wappen, ein Ornament, eine Chiffre, welche man durch feine Konturen aus Messing- oder Kupferdraht erzeugt, die auf die Drahtgitter der Form aufgeheftet werden. Indem das in die Form geschöpfte weiche „Zeug" sich mehr oder weniger in die Vertiefungen der Form senkt, erhält es an den betreffenden Stellen eine größere Stärke, während es an allen Punkten, welche über der Form erhöht liegen, dünner wird. Es ist aber heute möglich, dem Maschinenpapier auch hell und dunkel wirkende Wasser-eichen dadurch einzuprägen, daß man die Zeichnungen in erhöhten Drahtkonturen oder vertiefter Gravierung auf den Mantelflächen eines Siebcylinders anordnet, welcher auf das nasse nachgiebige Papier drückt. Diese Wasserzetchenformen werden im deutschen Reiche zur Anfertigung des Papiers von der mechanischen Werkstatt der Reichsdruckerei geliefert.
Was nun die Kunst des Banknotendrucks unter Verwendung dieses mehr oder minder raffiniert behandelten Papiers betrifft, so besteht der Hauptwitz in der Vereinigung mehrerer graphischer Verfahren, d. h. in der Herstellung farbiger Unter- und Ueberdrucke, welche jedoch insgesamt dem Auge als ein harmonisches, künstlerisch abgerundetes Ganze erscheinen. Nun bedient man sich aber bei Herstellung dieser Farbendrucke auch gewisser chemischer Verfahren, deren Wirkung dem Auge unauffällig ist, in der photographischen Reproduktion aber grell und störend hervortritt. Der Fälscher muß aber nicht nur mit der Paptertechnik und den verschiedensten Verfahren des Kunstdrucks, sondern auch mit der Chemie recht vertraut sein, um möglichst vollkommene Stücke zu erzeugen.


