Charlotte Falkner saß im Nebenzimmer auf dem Sofa, recht ermüdet nach den arbeits- und unruhvollen Tagen, die die wohlthätige Frau hinter sich hatte.
Max und Frida vertieften sich in ihre Geschenke und Renata stand am offenen Fenster und lauschte dem feierlichen Einläuten der heiligen Nacht.
Ihr Blick ruhte auf dem Bilde ihrer Mutter, das sie in der Hand hielt. Es war neu hergestellt und mit einem kostbaren Rahmen geziert. So harte Gottfried es ihr als seine Weihnachtsgabe unter den Tannenbaum gelegt.
Er trat über die Schwelle, und als sie aufblickte, stand er vor ihr.
„Machte ich Ihnen wirklich eine große Freude?" fragte er leise.
658 —
„Und was hat damals der Strauß angerichtet," sprach Renata sinnend, „aber nun möchte ich ihn wieder haben." Zu Pfingsten zog Renata als Hausfrau in den Gylfen- hof ein. Charlotte sagte scherzend, sie setze sich nun zur Ruhe, und Frida höbe ja auch bald die Flügel.
Der glückliche Professor setzte Schneewittchen auf die Hand und hielt es seiner Renata hin: „Sieh da, das neue Wahrzeichen des Gylfenhofes."*)
* Für diejenigen Leser, welche an der Erzählung „Der Gylfen- hof" von P. Ditfurth Gefallen gefunden haben, sei bemerkt, daß dieselbe imBerlage der A. Deichert'schen Verlagsbuchhandlung Nachfolger (Georg Böhme) Leipzig in Buchform erschienen und zu Mk. 2,40, gebunden zu Mk. 3,20 in jeder Buchhandlung zu haben ist. D. R.
Sie nickte und streckte ihm stumm die Hand hin, die er fest in der seinen behielt. Er sah, wie es in ihren Augen von aussteigenden Thränen funkelte: „Was soll und kann ich Ihnen nun geben?" sagte siefastflüsternd vor Bewegung.
„Wissen Sie das nicht?" fragte er zurück und preßte ihre Hand.
Sie senkte schweigend den Kopf, ihr Herz klopfte bange und ahnungsvoll.
„Wie viel Sie mir geben können?" fuhr er mit tiefem Ernste fort, „mein Herz ist später erwacht, als andere, es hat wohl warten müssen auf seine Renata, aber nun will es sein Recht, sein Glück. Wie einsam ich war, ich hab's nicht gewußt, bis ich Sie so lieb gewonnen, und das ist wohl länger, als Sie ahnen." Er legte seine Linke aus ihren dunkeln Scheitel und bog ihren Kopf mit sanfter Gewalt zurück: „Renata, sagen Sie mir, ob Sie mich lieb haben können, Ihren besten Freund, den Sie je gehabt?" Er sah in ihr blasses Gesicht/ aus ihren Augen traf ihn hilflos flehender Blick.
„Armes Kind, habe ich Dich erschreckt, hast Du denn gar nichts gemerkt, all die Wochen her?"
Sie schwieg noch immer und ließ das Haupt sinken, seine Augen hingen an ihr. Wie durch einen Thränenschleier sah sie ihrer Mutter Bild und es schien zu winken und zu lächeln: „Lege Dich getrost an dieses Herz, Du bist in guter Hut."
Da lehnte sie den Kopf an Gottfrieds Schulter und sein Arm umschloß die schlanke Gestalt. Sie hob die Augen zu ihm in frommer Liebe, ja, sie wußte es auf einmal, daß sie ihn liebe, o, so sehr."
Er zog sie fest an sein Herz und küßte sie: „Meine, meine Renata."
* * *
Als der Frühling wieder ins Land zog, begrüßte ihn die blonde Frida als Viktors Braut, und Gottfried sprach zu seiner Renata viel von Hochzeit. Mama Falkner hatte alle Hände voll zu thun, und Max meinte, so langweilige Ferien habe er noch nie erlebt, in jeder Stube sitze ein Brautpaar, das vollauf mit sich selber beschäftigt sei.
Renate wußte nun, wie Gottfried alles mit ihr getragen, ihre aufblühende Neigung zu Viktor, das Ende dieses ersten Jugendtraumes bei dem Gespräch in der Gewitternacht.
Der schlimme Zahn.
Von Alphonse Crozisre.
------- (Nachdruck verboten.)
Herr Goulot litt an einem schlimmen Zahn derartig, daß er nicht mehr sprechen konnte/ er antwortete auf die Fragen der Seinen nur noch durch ein unverständliches Knurren und geriet über das Knarren der Thür, das Rollen der Omnibusse und das Ticken der Uhr in die höchste Wut.
Deshalb faßte er den klugen Entschluß, sich zu seinem Zahnarzt zu begeben.
Knurrend ruft er einen Kutscher, und zwar stößt er auf einen dicken, ruhigen Rosfelenker.
„Kutscher, schnell, schnell, Rue des Petit-Champs No. 75, aber im Galopp!
„Schön, mein Herr!"
Der Wagen setzt sich mit schrecklicher Langsamkeit in Bewegung, so daß Herr Goulot sich nach fünf Minuten in drohender Haltung an der Thür zeigt.
„Wollen Sie wohl schneller fahren, Sie Schlafmütze?" brüllt er und ballt die Fäuste.
„Selber Schlafmütze, Sie frecher Patron!" ruft der
andere wütend / „wer hat mir denn den Kerl auf den Hals D
gehetzt?" e
Herr Goulot hört nichts weiter/ er springt aus dem f
Wagen, während der Kutscher sein Pferd anhäL I1
„Sie sollen gleich sehen, wie ich mit Ihnen verfahre, e
Sie Grobian!" ruft Herr Goulot/ kommen Sie nur 'runter, 3
daß ich Ihnen Anstand beibringe!" d
Der dicke Kutscher, der vor Zorn schon ein ganz rotes ft
Gesicht hat, läßt sich wie eine Kugel von seinem Bock gleiten 6
und versetzt dem armen Herrn Goulot einen Faustschlag, der e
eine Telegraphenstange hätte „entwurzeln" können / der Aermste 3
fliegt in den nächsten Rinnstein. 's
Doch — merkwürdig! während der Kutscher erwartet, ft
einen brüllenden Stier sich erheben zu sehen, nimmt das ft
Gesicht seines Fahrgastes einen Ausdruck der Freude an.
Herr Goulot richtet sich auf, spuckt seinen schlimmen 3
Zahn aus, reicht seinem Gegner zur Versöhnung die Hand fi
und sagt: u
„Ich danke Ihnen, mein Lieber, daß Sie mich von dem ft
verdammten Zahn so prompt und billig befreit haben'" fi
--------- s
„Ich habe Dich wohl in dem allen verstanden, Kind," sagte er, „Du lerntest in Viktor die Jugend so frisch und fröhlich lieben, und nun," fuhr er lächelnd fort, „mußt Du doch den „Alten" nehmen.
Sie erwiderte sein Lächeln so glücklich und sah in sein edles, liebes Gesicht. „Ja, ich paffe auch so gut zur Tante." „Und weißt Du auch meinen ersten und letzten Jugendstreich an einem gewissen Geburtstage im vorigen Jahre?" „O, Gottfried, das warst Du?"
„Ja, ich fand Deinen Geburtstag in einem Deiner Bücher verzeichnet und da kam ich auf den Einfall, Du solltest wissen, daß jemand Deiner gedenke."
Wie soll man Obst essen? Es wird oft vorgeschlagen, das Obst ungeschält zu essen, da dicht unter der Schale das beste vom Obst sitze und die Schale auch, wenn gut gekaut, den Stuhlgang fördere. Wenn man dies auch anerkennt, obgleich mancher Magen die Schale nicht verträgt, so esse man die Frucht doch nie unabgewaschen oder unabgerieben, denn sie ist vom Fruchtansatz bis zur Reife soviel äußerlichen Einflüssen, Wind, Wetter, Regen, Straßen- und Kohlenstaub, Insekten re. ausgesetzt, daß sie, direkt vom Baum genommen,
it E Z w v< b, E vi m fli h- ja T
f


