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um seine Bedürfnisse zu befriedigen, denn er sei in sehr flotte Gesellschaft geraten. Etliche Male hätte er auch schon geborgt, aber immer wieder bezahlt, bis er bei Wetterau in eine arge Klemme geraten sei. Der Mensch sei immer unverschämter geworden, habe ihm gedroht, sich an seinen Vater zu wenden, und da —"
„Und da?" fragte Hans, der bis dahin ohne den Bruder nur durch eine Bewegung zu unterbrechen, zugehört hatte, und sein Atem ging hörbar.
„Da — da that ich etwas, was ich noch nie zuvor ge- than habe, und nie wieder thun werde — ich — ich habe gespielt!"
„Gott sei Dank!" schrie Hans und sprang in die Höhe, als müsse er sich Luft machen, setzte sich aber sogleich wieder nieder. „Gott sei Dank!"
„Hans, Du hast den Verdacht des Vaters doch geteilt!" sagte Adalbert vorwurfsvoll.
„Es ist mir nur wie ein Hauch durch die Seele gegangen- vergieb, vergicb! Und sprich weiter. Wo hast Du gespielt?"
„In einer Gesellschaft von Studenten, Offizieren und jungen Künstlern, sämtlich aus reichen, vornehmen Häusern. Sie haben mich schon öfter aufgefordert, ich habe es niemals gethan,- denn die Wahrheit zu bekennen: ich kann dem Spiel keinen Geschmack abgewinnen".
„Gott sei Dank!" murmelte Hans abermals, und Adalbert fuhr fort:
„Als sie mich diesmal aufforderten, ein Spielchen mitzumachen, hatte ich Wetterau's Drohbrief in der Tasche und Don der Mutter auf meine Bitte um Zuschuß unter Thränen den Bescheid erhalten, sie könne mir nicht helfen, ihre Kaffe sei ganz erschöpt. Da dachte ich, ob es nicht ein Wink des Schicksals wäre, dem Glücke die Hand zu bieten. Ich ging nach dem verschwiegenen Lokal in der Cantianstraße und — habe gewonnen."
„Ach, wenn Du doch lieber verloren hättest!" sagte Hans mit einem tiefen Seufzer.
„Du meinst wegen der Verlockung ?" entgegnete Adalbert. §,Da sei außer Sorge, ich thue es nicht wieder. Der Anblick der gierigen, gespannten Gesichter, der sich in jeder Bewegung kundgebenden Leidenschaften hat mich angewidert. Ich begriff und teilte vollkommen den Abscheu, den unser Vater bei jeder Gelegenheit gegen das Spiel an den Tag legt. Wie ein Dieb kam ich mir vor, als ich mich gegen Morgen mit gefüllter Tasche entfernte."
„Du hättest es auch hinnehmen müssen, wenn Du gehörig gerupft worden wärest, und was hättest Du dann gethan?" bemertkte Hans.
Adalbert griff sich an den Kopf. „Ich weiß es nicht! Aber ich gewann — gewann so viel, um Wetterau zu bezahlen und trug es ihm am nächsten Morgen hin. Er hatte das offenbar nicht erwartet und schien keineswegs erfreut darüber zu sein. Durch allerlei Kreuz- und Querfragen suchte er es aus mir herauszubekommen, auf welche Weise ich in den Besitz des Geldes gelangt sei- ich schlug ihm aber ein Schnippchen, sagte, das könne ihm gleich sein, da er sein Darlehn samt Zinsen und Zinseszinsen, Provision und was weiß ich sonst noch alles, im Sacke habe, und entfernte mich lachend, mit dem wohlthuenden Gefühle, aus seinen Klauen erlöst zu sein und dem Gelübde, des Biedermannes Schwelle nicht wieder zu überschreiten."
„Damit war doch aber die Geschichte aus der Welt geschafft!" bemerkte Hans.
„Das hoffte ich auch- sie sollte aber ein sehr böses Nachspiel bekommen. Ans Gründen, die mir unaufgeklärt geblieben sind, hat sich Herr Wetterau bewogen gefühlt, den Vater zunächst nm Zahlung der Forderung, die er an mich hatte, schriftlich anzugehen^und ihm alsdann persönlich mitzuteilen, daß ich ihn bezahlt habe!"
O, o!" rief Hans. „Das ist schlimm, und zwar das letztere weit schlimmer noch als das erstere."
„Und das allerschlimmste, daß der Vater am selben Tage die Entdeckung gemacht haben mußte, daß ihm aus seinem Geheimfach 3000 Mark entwendet find," fügte Adalbert hinzu, „da mußte sich sein Verdacht notwendig auf mich lenken, denn außer der Mutter und uns beiden weiß ja niemand etwas von der Existenz dieses Faches."
Die Sache ist rätselhaft," sagte Hans kopfschüttelnd. „Und Du hast dem Vater nichts gesagt, wie Du zu dem Gelde gekommen bist?"
„Aber, wie konnte ich das ?" rief Adalbert aufspringend. „Du weißt, wie er über das Spiel denkt, wie er es verurteilt! Er hat uns beiden das Wort abgenommen, uns nie an einem Hazardspiel zu beteiligen — und ich — ich habe es in meinem Leichtsinn gebrochen. Konnte ich ihm das sagen?"
„Er würde es Dir sehr schwer verziehen haben!"
„Niemals! Wie ich ihn kenne,verzeiht er mir vielleicht noch eher einen Eingriff in seine Kasse. Ich hatte nur die Wahl, in seinen Augen ein Wortbrüchiger oder ein Dieb zu sein, und entschied mich für das letztere. Ehrlos bin ich für ihn auf jeden Fall, und das thut entsetzlich weh. Jetzt sage selbst, ob ich nicht recht hatte, als ich behauptete, Du könntest mir nicht helfen!" ' (Fortsetzung folgt.)
Das Dorf der Käse.
Ueber das weithin berühmteCevennendörfchen Roquefort und seine Käsefabrikation erzählt der „Stein der Weisen" einige interessante Einzelheiten. Danach betreibt Roquefort die Erzeugung seiner berühmten Käse schon seit denr frühesten Mittelalter. Schon aus dem Jahre 1070 erzählt eine Chronik, daß Flotard de Cornus dem Kloster von Couques mehrere Grundstücke schenkte, auf denen ein herrschendes Servitut bestand, wonach jeder Käsekeller in Roquefort jährlich zwei reife Käse an die Herrschaft abzuliefern hatte. Im Jahre 1550 gab sogar zum Schutze der Güte alles in Roquefort erzeugten Käses das Parlament von Toulouse mit einem Edikt dem Dorf Roquefort das ausschließliche Privilegium zur Erzeugung des Käses und verbot zugleich jedem Insassen die Fabrikation außerhalb Roqueforts bei Androhung einer Abgabe von sechs Livres auf den Zentner.
In der That ist der Roquefort-Käse als Spezialität in seiner bekannten Güte nur in dem kleinen Orte selbst zu erzeugen. Man nimmt an, daß hierfür die besonders günstige Lage und Beschaffenheit der Felsenkeller — Roquefort ist allerdings ein Felsenbau im wahrsten Sinne des Wortes — die Veranlassung ist, da in diese seit jeher die aus der Schafmilch erhaltenen Neu- oder Jungkäse zur Gärung und Veredelung gebracht werden. Wenigstens haben die benachbarten Gemeinden, die sich nach dem Vorbilde Roqueforts ebenfalls auf die Käsefabrikation verlegten, niemals ähnliche Resultate erzielt. Wie schon gesagt, wird der Roqueforter Käse aus Schafmilch hergestellt. Die Schafe jener Gegend zeichnen sich durch kleinen Kopf und starken Knochenbau aus, haben aber in dem Milchreichtum der Muttertiere einen ganz besonderen Wert und besitzen außerdem noch eine sehr schöne Wolle. Die Nahrung der zu Herden von Tausenden vereinigten Tiere besteht aus den in der dortigen Felsenregion zahlreich wachsenden Kräutern, wie Salbei, Quendel, Lavendel, Rosmarin, Thymian u. s. w., die alle sehr aromatisch sind und auf die Milchdrüsen produzierend einwirken. Das Melken geschieht zweimal täglich, einmal früh am Vormittag, ehe die Tiere die Ställe verlassen, und dann nach der Heimkunft von der Weide. Im ganzen besitzt Roquefort etwa 7000 Milchschafe, von denen jedes infolge der außerordentlich rationellen Zucht und Pflege durchschnittlich im Jahre soviel Milch liefert, daß aus der Menge etwa 16 bis 18 Kilogr. Käse gewonnen werden, wogegen das Ergebnis


