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„Und doch", fuhr der Herzog mit leise grollender Stimme fort, in der eine unendliche Wehmut zitterte, „als ich Sie heute vor mir stehen sah, als ich wieder die Worte jenes Liedes von Ihren Lippen perlen hörte, als ich wieder in Ihr Auge sehen durfte, da glaubte ich wieder an Sie, da glaubte ich wieder, daß Sie mich verstehen würden. Und deshalb strecke ich noch einmal flehend die Hände Ihnen entgegen und bitte Sie: „Leg' mir die Hand auf's Haupt, damit ich Frieden finde . . ."
(Fortsetzung folgt.)
Vom Monat April.
April 1899.
Ungemein reichhaltig ist im April der Fischmarkt sowohl mit einheimischen, wie mit Seefischen und fremden Flußfischen beschickt und dabei in allen Sorten billig.
Ein nur im Frühjahr in größerer Menge erscheinender Fisch ist der Hiese oder Häsling. Der meist halbpfündige Fisch ist von geringem Wert, ähnelt mehr einem breiten Rotauge, hat aber nur echtes, trocknes Weißfischfleisch. Außerdem bietet der offene Fischmarkt noch kleine Karpfen und recht gute mittlere Hechte. Im übrigen ist der Bestand des großen Fischvorrates unverändert, es ist einfach alles zu haben und fast durchweg zu niedrigen Preisen, die freilich sür die nächsten Wochen schon eine bedeutende Steigerung erfahren dürften, besonders soweit es sich auf Lachse und sonstige Edelfische bezieht.
Von Seefischen sind Steinbutt und Seezunge hochfein. Schellfisch, Scholle und Kabeljau bleiben billig.
Hummern sind infolge der niedrigen Preise in viel weiteren Kreisen als bisher eine sehr beliebte Speise und Tafelzierde geworden.
Als feinster Frühlingspilz hat die Morchel bereits ihren Einzug gehalten. Sie findet die mannigfachste Verwendung, als selbständiges Gemüse, wie als Beigabe zu den verschiedenen gemengten Speisen und Frühlingsgewüsen. Auch zu feinen Fischsaucen läßt sie sich (so wie Petersilie und später Dill) für alle Fische mit nicht zu fettem Fleisch verwerten.
Zu Petersiliensaucen-Fisch eignen sich am besten Hecht, Brasse, Zander rc.
Die geschuppten, gereinigten und in Stücke geschnittenen Fische werden in eine mit Butter ausgestrichene Pfanne, auf eine Lage dünner Zwiebelscheiben und Petersilienwurzeln gelegt, mit Salz, Pfeffer- und einigen Gewürzkörnern bestreut, dann mit Brühe aus Liebig's Fleisch-Extrakt übergossen, daß der Fisch überdeckt ist. So läßt man ihn gut zugedeckt etwa zehn Minuten kochen, verdickt die Brühe mit Buttermehl und sügt reichlich fein gehackte, grüne Petersilie hinzu.
An Gemüsen besteht in den Wintervorräten die Eintönigkeit der letzten Wochen fort. Die jungen Frühlings- und Treibgemüse find spärlich.
Spargel, Gurken und Schoten find noch teuer. Reichlicher kommt im Lause des Monats Spinat, dieses ebenso gesunde als wohlschmeckende Gemüse, sowie Sauerampfer, Kerbel und andere frische Suppen- und Saucenkräuter. Zu der so beliebten Sauerampfersuppe läßt man 90 Gramm Butter heiß werden, dünstet darin etwa eine Minute acht Eßlöffel feingehackte Sauerampferblätter und fügt 60 Gramm Mehl, sowie iy2 Liter Brühe aus 20 Gramm Liebig's Fleisch- Extrakt, Salz und etwas Muskat hinzu. Die schnell aufgekochte Suppe wird mit zwei Eigelb und 4 bis 5 Eßlöffel Sahne legiert. Für den Frühstückstisch sind schon ausgiebig Radieschen vorhanden.
An Wild ist Mangel, und für Wildpretfreunde bleibt nur das Wild-Geflügel, das noch geschossen werden darf: Auerhahn, Bekassinen, Fasanenhähnc, dazu kommen die
russischen Schnee- und Birkhühner, auch tauchen hie und da Wildenten auf.
Junges Hausgeflügel ist noch immer knapp, mit Ausnahme von Tauben.
Mastgeflügelware ist vorzüglich und billig, in reichlichen Vorräten in den Delikateffenläden vorhanden.
Mit Anfang April beginnt die Saison der Kibitzeier, sür Feinschmecker eine hohe Delikateste- später die der Möven- eier, deren größere Arten mitunter einen leichten Thran- geschmack zeigen.
Da der April mit den Osterfeiertagen seinen Einzug hält, ist es vom Fleischmarkt das Lamm, das wir nicht unerwähnt lassen wollen.
Las Osterlamm findet zu Ostern in Oesterreich und einem Teile Süddeutschlands die verschiedenste Zubereitung, gebacken und gebraten.
Zum Braten nimmt man das Schulterstück oder die Keulen mit Rücken. Das zwei Tage abgehangene Fleisch wird mit reichlich heißer Butter, bei starker Ofenhitze 1 bis 1 i/a Stunde unter fleißigem Begießen gebraten- nachdem man den Fond von der Pfanne losgelöst, verkocht man die Sauce mit 15 bis 20 Gramm Liebig's Fleisch-Extrakt, wodurch sie sehr gewinnt, auch schöne Färbung erhält, verdickt sie leicht mit Mehl, schmeckt sie ab und reicht sie zum Braten, den man mit Salat und feinem Gemüse serviert.
Geineinniitziges.
Iür die Küche.
Eine wirklich delikate Kerbelsuppe zu bereite»,, lehrt folgendes Rezept, mit dem es einmal zu probieren jeder Hausfrau nur geraten werden kann: Die Zuthaten find (für 5 Personen) 2 Löffel Mehl, 25 Gramm Butter, 15 Gramm echtes Liebigs Fleisch-Extrakt, Salz, eine Handvoll Kerbel, das Gelbe von zwei Eiern. Das Mehl wird in der zerlassenen Butter hellgelb geschwitzt, in 2 Liter kochendem Wasser wird das Fleisch-Extrakt gelöst und damit die Mehlschwitze verkocht. Die Brühe wird gesalzen, der gehackte Kerbel darin aufgekocht und die Suppe mit dem Eigelb abgezogen. Die Bereitungsdauer beträgt 15 Minuten.
Humoristisches.
„Nehmen Sie keine Aktien von der neuen Emission der Gesellschaft?" — „Nein! Ich war Aktionär, werd' aber kein Reaktionär.
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Direktor eines illustrierten Blattes (zu einem Zeichner, der eine Arbeit bringt): „Herr Keronan, offen gestanden: ich verstehe die Zeichnung nicht recht. — Zeichner: „Ach, Herr Direktor, ich hab' gedacht, daß Sie sie eventuell als Rebus verwenden könnten." (Münchener Jugend.)
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In ein äußerst modisches Schuhwarengeschäft tritt eine Dame und beschwert sich, daß einPaar Stiefel, die sie erst vor einigen Tagen gekauft habe, bereits völlig zerrissen seien. Der Geschäftsinhaber schüttelt den Kopf. — „Wie ist das möglich?" — Endlich nach langem Besinnen ruft er aus: „Ah, jetzt hab ich es! Sie werden mit diesen Stiefeln auf der Straße gegangen sein, Wir haben sonst nur Kundschaft, welche im Wagen fährt!"
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In einem großen Warenhaus. „Ich wünsche einen starken Stock, einen recht starken Stock!" — „Bitte, gehen Sie hinüber zu der Abteilung: „Familienartikel!"
Redaktion: S. Burkhardt. — Druck und Verlag der Brühl'schen UniversitätS-Buch- und Steindruckerei (Pietsch Erben) in Bietzen.


